Suntour SP12-NCX

Parallelogramm-Federsattelstütze

Fahrräder mit gefederter Hintergabel sind teuer, schwer und nicht für jeden Einsatzbereich geeignet, da das Einschwingen Energie kostet. Eine gefederte Sattelstütze hingegen bringt einen ähnlichen Komfort und lässt sich zudem leicht bei jedem Rad nachrüsten. Doch herkömmliche Teleskop-Sattelstützen haben ein kleines Problem mit der Physik, das sich mit Hilfe einer kleinen Anleihe aus dem Geometrie-Unterricht umgehen lässt, wie die Suntour NCX beweist.

Technik

Eine herkömmliche Teleskop-Federsattelstütze wird durch das Gewicht des Fahrers in Richtung der Sattelstange zusammengeschoben – und genau darin liegt das Problem. Der Schwerpunkt des Fahrers liegt durch die leicht nach vorn gebeugte Haltung vor dem Sattel. Die auf den Sattel einwirkende Kraft zeigt daher schräg nach hinten. Die Sattelstange ist jedoch genau in die entgegen gesetzte Richtung geneigt, so dass das Gewicht des Fahrers nicht parallel, sondern eher quer zur Stange wirkt. Übertrieben gesagt wird die Stange eher nach hinten „verbogen“, als dass sie zusammengestaucht würde. Die Teleskopstange wird daher eher verkantet, als dass sie zusammengeschoben wird – und wir alle wissen, wie schwer sich etwas ineinander schieben lässt, wenn man nicht gerade drückt.

Dieses Problem lässt sich mit einem einfachen Trick lösen: mit einem Parallelogramm. Wer in Geometrie nicht ganz so gut aufgepasst hat: Ein Parallelogramm ist ein Viereck bei dem die jeweils gegenüber liegenden Seiten gleich lang sind, aber die Ecken im Gegensatz zum Rechteck nicht zwingend im rechten Winkel zueinander stehen müssen. Sprich: Es ist ein schräg verschobenes Rechteck – und genau darin liegt der Trick. Wenn man sich an jeder Ecke ein Gelenk vorstellt, dann kann man die obere „Linie“ anfassen und nach links oder rechts verschieben, so dass die Seiten entsprechend abwinkeln. Die obere Linie bleibt dabei stets parallel zur Grundlinie, es verändert sich jedoch der Abstand.

suntour_nsx_3Genau so ist die Suntour NSX aufgebaut. Auf der „oberen Linie“ sitzt der Sattel, der sich nun schräg nach unten in eine Richtung verschieben lässt. In der Mitte sitzt eine Feder, die über eine Umlenkrolle zusammengedrückt wird. Clever, nicht? Auf dem Bild sieht man die Mechanik, die das übernimmt. Die rechte Seite zeigt in Fahrtrichtung, oben ist der Sattel befestigt. Wenn dieser nun im Bild nach links unten bewegt wird, drückt die kleine Rolle am rechten Arm auf den Stempel in der Mitte, in dem die Feder steckt. Am linken Arm ist ein Anschlagpuffer befestigt, damit das Gebilde auch wirklich nur in eine Richtung schwingt. Auf diese Weise wird elegant die „Biegekraft“, die durch das Gewicht des Fahrers quer zur Sattelstange wirkt, umgeleitet und abgefedert. Das reduziert die Belastung auf die Rohre, was insbesondere bei größeren Fahrern mit höherer Sitzposition interessant ist.

Die Federkraft lässt sich wie bei jeder guten Federsattelstütze ebenfalls einstellen. Allerdings funktioniert das nur im ausgebauten Zustand, denn die dafür vorgesehene Schraube ist nur vom anderen Ende des Rohrs zugänglich. Da man das jedoch üblicherweise nur einmal einstellt, ist das nicht weiter schlimm.

Die Suntour NSX ist in zwei Größen erhältlich, für Sattelrohre mit 31,6 und 27,2mm Durchmesser. Es können Sattel mit der standardisierten Basisaufnahme mit 43,5mm Breite befestigt werden. Der Federhub des montierten Sattels beträgt 5cm. Als Zubehör sind zudem noch weitere Federn in unterschiedlicher Härte erhältlich, für Fahrer mit weniger als 65 oder mehr als 100 kg.

Wichtig: Durch die Verwendung des Parallelogramm-Sattelstütze verschiebt sich die Aufnahme des Sattels leicht nach hinten, insbesondere beim Einfedern. Wer also seinen Sattel ohnehin schon recht weit nach vorn geschoben hat, könnte hier Probleme bekommen.

Praxis

suntour_nsx_4Die Montage ist leicht: Alte Sattelstütze raus, Sattel abschrauben, in die Klemmbacken der Suntour NCX einsetzen und festschrauben. Dann die neue Sattelstütze ins Rahmenrohr schieben, die Höhe kontrollieren – fertig. Jetzt muss noch die Feinabstimmung erfolgen. Ist die Federung zu hart oder zu weich, dann nochmal raus damit und mit einem Inbus-Schlüssel unten im Rohr die Einstellung ändern. Ggf. muss auch die Sattelposition noch angepasst werden, denn wie schon geschrieben: Durch das Einfedern bewegt sich der Sattel ja leicht nach hinten.

Ich habe meine Feder so eingestellt, dass sie durch mein Gewicht in Ruhe schon leicht eingedrückt ist, mein Körper also in der Feder „schwimmt“. Dadurch werden die Stöße optimal ausgeglichen, da der Sattel nach unten und oben schwingt. Beim Aufsteigen ist der Sattel also etwas zu hoch, hat aber dann nach dem Aufsitzen die richtige Position.

Der Federweg der Suntour NCX ist sehr angenehm, die Gegenkraft nimmt mit dem Federweg zu, so dass es zu keinem Durchschlagen kommt. Man gewöhnt sich sehr schnell an diesen Komfortgewinn beim Rad fahren.

Empfehlenswert ist meiner Meinung nach unbedingt die Schutzmanschette aus Neopren, die um das Gelenk gelegt wird. Zum einen verhindert sie, dass man versehentlich mit den Fingern in die Mechanik gerät, zum anderen hält sie den Schmutz von den Gelenken ab.

Fazit

Die Suntour NCX ist eine preiswerte und komfortable Möglichkeit, einem Hardtail-Bike zu mehr Komfort zu verhelfen. Die Montage ist einfach, die Mechanik macht einen wertigen Eindruck und hat mich auch nach rund 1000 km noch nicht in Stich gelassen. Ich denke, dass ab und zu ein Tropfen Öl nicht schaden kann. Der Federkomfort ist für mein Empfinden gut und auch für Wald- und Feldwege mit Schlaglöchern bestens geeignet.

Produktlinks:

Suntour Parallelogramm Federsattelstütze SP12-NCX 27,2mm
Suntour Parallelogramm Federsattelstütze SP12-NCX 31,6mm

Suntour NCX Federelement „hart“  (für Fahrer > 100 kg)
Suntour NCX Federelement „weich“ (für Fahrer < 65 kg)

Suntour Neoprenmanschette

8 Kommentare zu Suntour SP12-NCX

Parallelogramm-Federsattelstütze

  1. Wie lässt sich z. B. die Feder wechseln? Muss ich dazu die untere Schraube im Rohr rausdrehen und danndie alte Feder raus und neue rein plus dann die Schraube wieder eindrehen?

  2. „Fahrräder mit gefederter Hintergabel sind teuer, schwer und nicht für jeden Einsatzbereich geeignet, da das Einschwingen Energie kostet.“
    Das Teil hinten nennt sich DÄMPFER und nicht Gabel. Die Gabel sitzt vorne.

    • Der Dämpfer ist ein Bauteil innerhalb einer Federung, das die Bewegung bremst und damit das Nachschwingen reduziert.

      Das Hinterrad hingegen ist an der Kettenstrebe und Sattelstrebe befestigt, die man zusammen als Hintergabel, Hinterradgabel oder Hinterbau bezeichnet. Bei gefederten Hinterrädern spricht man wie beim Motorrad auch gerne von einer Hinterradschwinge, da dieses Teil nicht fest mit dem Rahmen verbunden ist.

      Alles klar?

  3. Ach mich würde auch mal interessieren warum Fullys (vollgefederte) Räder nicht für jeden Einsatzbereich geeignet sind? Ich selbst fahre ein Fully sowohl auf Trail,Strasse,Schotter etc da ich einen Lock-Out habe kann ich die Gabel und den Dämpfer blockieren und somit das wippen eliminieren.

    • Nicht alle Federsysteme haben einen Lockout zum Sperren der Federung, und je nach Ausstattung ist diese Sperrvorrichtung oft nur umständlich direkt am Federglied erreichbar.

      Ein Fully ist bauartbedingt schwerer als ein Hardtail, und das unvermeidliche Einfedern beim Treten kostet immer Energie, auch wenn man nicht gerade den Berg hinauf pumpt. Der Lockout ist hier nur ein Kompromiss, denn dann hat man keine Federwirkung mehr.
      Deshalb verzichtet man in der Regel bei allen Rädertypen, bei denen es nicht auf einen großen Federweg zum Ausgleichen von schwerem Terrain ankommt, auf diese Art der Vollfederung. Für leichten Untergrund reicht eine gefederte Sattelstütze für einen besseren Fahrkomfort vollkommen aus. Dafür sind die Räder dann leichter und die Federung steht auch beim Treten zur Verfügung, ohne Energie zu rauben.

      Dass man mit einem Fully auch auf Straßen fahren kann, steht außer Frage. Nur ist es aus den o.g. Gründen nicht die beste Wahl für den Einsatz als Touren- oder Stadtrad.

  4. Gibt es kürzere Sattelstützen ? Neues Rad mit Rahmenhöhe 46, durch dieses System komme ich auf eine SattelHöhe von fast 66 cm . Bei kürzeren Sattelstützen käme ich zurecht.

Kommentar verfassen

Wenn Sie fortfahren, die Web-Site zu nutzen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Zurück