iRobot Roomba 770

Staubsaugerroboter und Haustier mit Eigenleben

Es saugt und bläst der Heinzelmann…. Tjaja, das kennen wir alle noch. Aber seit Loriots legendären Sketch hat sich in Sachen Bodenpflege nicht wirklich viel geändert. Noch immer muss man durch die ganze Wohnung wuseln und möglichst regelmäßig den Staub- und Schmutzpartikeln auf den Leib rücken, die sich so überall angesammelt haben.

Mit mir nicht mehr! Ich hab nun den Schritt gewagt und habe mir einen Staubsauger-Roboter zugelegt. Obwohl ich von verschiedenen Testberichten verunsichert war und letztlich seitenlang gelesen habe, was die Maschinchen alles nicht können, wollte ich es nun selbst wissen. Mein neuer Mitbewohner ist ein Roomba 770.

Ausstattung

Der Roomba 770 gehört zu der neuesten Generation von iRobot und unterscheidet sich vom aktuellen Top-Modell 780 im Design und Ausstattung. Wichtigstes Merkmal sind die elektronischen Leuchttürme: Dabei handelt es sich um kleine, etwa Coladosen-große Geräte, die einen unsichtbaren Infrarotstrahl aussenden, mit dem man z.B. Räume abgrenzen kann.

Beim „kleinen“ 770 sind nur einfache „virtuelle Wände“ möglich: Kommt der Roboter in den Strahl der elektronischen Barriere, so betrachtet er diese wie eine Wand und kehrt um. Damit lassen sich dann die Ecken abgrenzen, die der Roboter auslassen soll. Beim 780 gibt es die Möglichkeit, diese Barrieren wie eine Tür zu verwenden. Der Staubsauger überquert die Linie erst, wenn der davor liegende Raum seiner Meinung nach „sauber“ ist.

Da sich iRobot dieses Feature neben einigen anderen, eher zu vernachlässigenden Goodies beim 780 gut bezahlen lässt und ich ohnehin eine offene Wohnung habe, lag meine Präferenz nun nicht auf dieser Funktion.

Ansonsten gleichen sich beide Modelle funktional, beide verfügen über eine Timer-Funktion, die für jeden Wochentag einen automatischen Reinigungslauf vorwählen lässt. Der 770 hat mechanische Tasten auf der Oberseite, der 780 reagiert auf Berührung.

Beim 770 liegt „virtual Wall“ bei, ein Satz Ersatz-Filter, verschiedene Reinigungswerkzeuge und eine Infrarot-Fernbedienung.

Funktionsweise

Entgegen anderer Modelle hat der iRobot ein rein chaotisches Reinigungsprogramm. Er durchfährt einen Raum so lange, bis er meint, dass es reicht. Dabei kontrollieren mehrere Sensoren die Reinheit der eingesaugten Luft, ein Mikrofon „horcht“ zudem auf verdächtiges Rasseln – kein Witz! Wird eine höhere Schmutzkonzentration gemessen, dann schaltet der Roboter von seinem chaotischen Programm auf den so genannten Spot-Modus um, bei dem er die betreffende Stelle mehrfach in konzentrischen Kreisen abfährt.

Zusätzlich erkennt der Roboter recht zuverlässig Ecken und Kanten. So fährt er an einer Wand direkt entlang und umrundet Ecken und Stuhlbeine in einem engen Radius.

Im Timer-Modus nach getaner Arbeit oder bei schwachem Akku kehrt der Roomba automatisch wieder zu seiner Ladestation zurück.  Der Weg wird ihm dabei mittels Infrarot-Leitstrahl gewiesen.

Das Saugsystem ist mit einem richtigen Staubsauger nicht zu vergleichen, da fehlt dem Akku schlicht die Kapazität, dieselbe Leistung zu erbringen. Allerdings muss man hier auch ganz klar sagen, dass die allermeisten Staubsauger hier ohnehin am falschen Ende ansetzen und eher mit Wattzahlen protzen.

Der Roomba verfügt über zwei gegenläufig rotierende Walzen: eine mit Gummi-Lamellen, eine Bürste. Gemeinsam wirkt dieses System eher wie Besen und Kehrschaufel – unterstützt durch den Saugstrom. Aufgefangen wird der so eingesammelte Dreck in einem Behälter am Heck des Roomba, die Ausblasöffnungen sind mit zwei kleinen, austauschbaren HEPA-Filtern versehen, so dass der Staub auch wirklich im Behälter bleibt.

Die Saugöffnung ist übrigens nur halb so breit wie das gesamte Gerät. Um dennoch auch an den Rändern und Ecken ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen zu können, hat der Roomba an der rechten Ecke drei rotierende Pinsel, mit denen er praktisch den Schmutz in Richtung seines Saugers schaufelt.

Praxis

Ich bin ja durch verschiedene Test- und Erfahrungsberichte entsprechend vorgewarnt. Ein Staubsaugerroboter erreicht zum jetzigen Stand der Technik niemals das Ergebnis eines herkömmlichen Staubsaugers. Doch muss er das überhaupt? Der Vorteil eines Roboters ist doch gerade, dass man nicht selbst Hand anlegen muss. Also ist das Gerät auch nicht darin beschränkt, wie oft es seinen Dienst verrichtet. Was ist also, wenn ein weniger guter Staubsauger häufiger eingesetzt wird, statt einem guten selten? Meiner Theorie nach sollte das Ergebnis in jedem Fall zufriedenstellend sein: Wenn der Roboter mehrmals pro Woche die Wohnung saugt, dann kommt es erst gar nicht dazu, dass sich größere und daher schwerer zu entfernende Schmutzmengen ansammeln – insbesondere an den Rändern und Ecken.

Zu den Bedingungen: In meiner Wohnung habe ich ausschließlich Glattboden. Wie die Saugleistung auf Teppich ist, kann ich daher nicht beurteilen. Zumindest die Fußmatten, die ich an Küche und Balkon liegen habe, machen einen durchaus gut gereinigten Eindruck.

Der Roomba verrichtet jetzt seit etwas über einen Monat seinen Dienst bei mir, und ich muss sagen, dass ich mir einbilde, mit meiner Theorie Recht zu haben. Zumindest lässt die Menge an Staub, die er bei jedem (!) Durchlauf einsammelt, durchaus auf einen Erfolg schließen. Die Vorstellung, dass sich diese Handvoll Staub und Flusen überall ansammelt, bis ich mich dann mal bequeme, den „großen“ rauszuholen, ist dann doch eine bizarre Vorstellung.

Programmiert habe ich den Rooba so, dass er dreimal pro Woche während meiner Abwesenheit loslegt. Das funktioniert soweit gut, bis auf eine Kleinigkeit: Die Programmierer haben den Ausschalter vergessen. Ja, richtig gelesen! Wenn man für ein paar Tage verreist, muss man die Timer manuell wieder löschen. Den Roomba auszuschalten und von der Ladestation zu nehmen, reicht nicht. Das kann mein Radiowecker besser.

Ansonsten ist es schon amüsant, dem Maschinchen bei der Arbeit zuzusehen, auch wenn man nicht immer verstehen muss, warum er jetzt in welche Richtung abbiegt. Die Fernbedienung verstehe ich mehr als ein Gimmick. Darüber lässt der Roomba sich tatsächlich wie ein ferngesteuertes Auto fahren – allerdings nur in Sichtweite, da Infrarot. Es macht Spaß ihn durch die Wohnung zu fahren, statt ihn an seinen Einsatzort zu tragen.

Hindernisse erkennt der Roomba „mechanisch“. Die vordere Hälfte ist eine federnde Stoßstange, die mit Gummi überzogen ist und zusätzlich mit Abstandssensoren versehen ist. Nähert sich der Roboter einem Hindernis, bremst er ab und fährt weiter, bis er es tatsächlich berührt. Dabei passiert es allerdings auch, dass er besonders dünne Stuhlbeine übersieht und etwas heftiger dagegen rumpelt. Aber wenn ich sehe, wie ich staubsauge, dann darf ich mir in diesem Punkt keine Kritik erlauben.

Schwierigkeiten hat der Roomba mit Kabeln und vergleichbaren Gegenständen auf dem Boden, die sich in den Antriebsrädern oder den Saugwalzen verheddern können. Hier sollte man unbedingt darauf achten, dass vor jedem Sauggang entsprechende Hindernisse verräumt sind.

Auch mit leicht verrutschbaren Teppichen hat er seine Probleme, da es hier vorkommt, dass ein Rad auf dem Teppich „durchdreht“ während das zweite auf festem Boden steht. Hochflorige Läufer und Fransen meistert er jedoch ohne größere Schwierigkeiten.

Der Staubbehälter muss per Hand ausgeleert werden. Es soll einen Füllstandssensor geben, der einen vollen Behälter meldet. So weit habe ich es aber bisher noch nie kommen lassen. Das Ausleeren geht zu meiner Überraschung sehr einfach. Der Behälter ist innen glatt und auf einer Seite nur mit einem halbhohen Steh abgegrenzt. Den kann man aufklappen, der Staub fällt in einem Stück wie ein fluffiger Woll-Lappen heraus. Es ist nicht nötig, dass man den Behälter ausbürstet oder ähnliches — ausklopfen reicht, der Kunststoff ist so glatt, dass der Dreck ohne Mühe hinaus fällt.

Wer bisher schon einen Bürstensauger besaß, der kennt sicherlich den unangenehmsten Punkt der Reinigung: Haare. Um die Bürste wickelt sich alles, was länger als ein paar Zentimeter ist. Doch hier bin ich schlicht sprachlos: iRobot legt als Reinigungswerkzeug einen Ring bei, der auf einer Seite mit kleinen Zähnen versehen ist. Diesen Ring schiebt man mit sanfter Gewalt ein, zweimal über die Bürstenwalze, und alle Haare sind abgestreift. Klasse! Die Walzen lassen sich übrigens mit zwei Handgriffen ein- und ausbauen. Dazu muss lediglich der Rahmen um den Walzenkasten aufklappen, schon lassen sie sich herausnehmen. Beim Einsetzen muss man dann nur noch darauf achten, dass die eine Seite korrekt in die vierkantige Aussparung einrastet – fertig. Um die rotierende Seitenbürste zu tauschen bedarf es jedoch eines Schraubendrehers. Doch das sollte kein großes Hindernis sein.

Fazit

Es ist noch zu früh, ein endgültiges Ergebnis zu liefern. Vor allem verspreche ich mir, dass durch die regelmäßige Grundreinigung weniger Staub in Ecken und auf den Regalen liegen bleibt. Bislang bin ich zuversichtlich.

Ich habe mir angewöhnt, morgens vor dem Verlassen der Wohnung die Türen der Räume zu schließen, die er nicht „besuchen“ soll. Denn wichtig ist mir, dass er den besonders dreckanfälligen Eingangs- und den direkt angeschlossenen Wohnbereich saugt. In Bad, Schlaf- und Arbeitszimmer schicke ich ihn dann „per Hand“ und lass ihn dort einfach – ebenfalls bei geschlossener Tür – alleine werkeln.

Seit der Roomba bei mir arbeitet, habe ich den „großen“ Staubsauger noch nicht bemüht. Die Sauberkeit war nach meinem Empfinden ausreichend. Einzelne Staubnester, die sich insbesondere um die Ladestation oder in verschachtelten Ecken ansammeln, bekämpfe ich mit meinem Akku-Handstaubsauger — eine Sache von weniger als 5 Minuten.

Den eher durchwachsenen Testergebnisse, die man so bisweilen liest, weil die Saugroboter nicht den gesamten Teststaub aufgesammelt haben, sehe ich gelassen. Zum einen würde ich vermutlich per Hand auch nicht alles erwischen, zum anderen gehe ich davon aus, dass er das, was er heute nicht aufgeaugt hat, dann morgen findet.

iRobot Roomba 770

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. Philips MiniVac FC6148/01 Akkusauger – kraftvoller Handstaubsauger | Der Technonaut

Kommentare sind deaktiviert.

Wenn Sie fortfahren, die Web-Site zu nutzen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Zurück