Squeezebox System

Im digitalen Zeitalter ist es ja zunehmend uncool, seine Musik über CDs oder gar LPs abzuspielen. Okay, letzteres ist schon irgendwie cool, aber dieses Jonglieren mit den silbernen Plastikscheibchen ist doch echt voll 90s.

Lange hatte ich herumgebastelt, aber nie eine halbwegs brauchbare Lösung gefunden. Vor kurzem habe ich mich daher entschlossen, bei Logitech mal einen kleinen Großeinkauf zu starten und mein Heim mit dem Squeezebox-System auszustatten.

Server

Hinter Squeezebox verbirgt sich ein Client-/Server-System aus einem Medienserver, der als Musikquelle dient, und mehreren Clients als Abspielstationen. Die Abhängigkeiten sind dabei ähnlich wie bei Telefonanlagen: Das Endgerät an sich ist „doof“, die Intelligenz und Funktion liefert der Server.

Als Squeezebox-Server hat man die Wahl zwischen einem öffentlichen Server im Internet, der dann allerdings keine privaten Musikdateien abspielt, oder eben einem eigenen Server, den man entweder auf einem vorhandenen PC oder Mac laufen lässt oder auf einem NAS (Netzwerkfestplatte) betreibt. Ich habe letzteres gewählt, als Server fungiert ein QNAP TS-122.

Um Musik hören zu können, muss der Server aktiv sein. Daher bietet sich eine sparsame Netzwerkfestplatte an. Extra dafür den PC hochzufahren, halte ich für unpraktisch. Ihn nonstop laufen zu lassen, ist okönomischer und ökologischer Irrsinn.

Wenn man eine eigene Musikbibliothek pflegen möchte, so wird diese vom Squeezebox-Server verwaltet. Das heißt, dass der Datenbestand indiziert und in einer Datenbank registriert wird. Auf diese Weise kann man schnell auf jeden beliebigen Musktitel zugreifen – nach dem bekannten Zugriffsschema über Interpret, Titel, Album, usw. Der Musikbestand muss selbstverständlich auch jederzeit im Zugriff des Servers sein, insofern bietet sich eben eine Netzwerkfestplatte doppelt an. Alle meine Musik liegt dort – in Kopie. Die „Originale“ liegen auf meinem PC. Doppelt gemoppelt hält besser (nennt man auch „Backup“).

Software

Der Squeezebox Server selbst ist als Python-Anwendung realisiert und wird komplett über den Browser bedient. Es gibt zwei Bereiche, der eine betrifft die äußerst umfangreiche Konfiguration, der andere die Steuerung der Wiedergabe über den Browser. Ja, richtig: Man kann die Musikwiedergabe auch über den Browser steuern, wenn man das möchte.

Die Konfiguration umfasst notwendige Angaben, wie z.B. Speicherort, Adressen, usw. Aber auch individuelle Einstellungen lassen sich hier tätigen, wie z.B. die Handhabung von Alben mit verschiedenen Künstlern, die Interpretation der ID3-Tags, automatisches Ein- und Ausschalten (inkl. Wecker), usw. Hier alle Konfigurationsmöglichkeiten aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Eins soll jedoch gesagt sein: Es gibt viele Möglichkeiten zur Individualisierung und Anpassung an die persönlichen Gegebenheiten.

Eine Besonderheit des Squeezebox-Systems besteht in den Plugins – Neudeutsch würde man vermutlich „Apps“ dazu sagen. Die Funktionen des Systems bzw. der Clients lassen sich durch zusätzliche Anwendungen erweitern. Das können Kleinigkeiten sein, wie z.B. eine besondere Darstellung auf dem Display, aber auch Automatisierungsfunktionen bis hin zu eigenständigen Anwendungen, die z.B. den komfortablen Zugriff auf Web-Dienste wie Last.fm oder Napster ermöglichen.

Clients

Ein „Client“ ist das Endgerät, das letztlich die Musik abspielt. Vornehmlich geht es hier um eigenständige Geräte in Form von Radios oder Hifi-Komponenten, die direkt von Logitech in der Squeezebox-Reihe vertrieben werden. Es gibt aber auch bereits Implementationen für andere Geräte oder als Software für PC und Mac.

Bei den Squeezebox-Geräten gibt es zwei Generationen, die sich von der Bedienung her leicht unterscheiden. Die ältere Generation hat ein zweizeiliges, monochromes Display, die neuere ein vollgrafisches Farbdisplay. Die Bedienung ist sehr ähnlich bzw. gleich, manche Anwendungen gibt es jedoch nur noch für die neuere Generation.

Die meisten Squeezebox-Geräte werden über einen zentralen Drehknopf bedient, mit dem man durch die Menüs und Listen „kurbelt“, ähnlich dem klassischen iPod. Das funktioniert ausgesprochen gut. Bei längeren Listen erhöht sich die Blättergeschwindigkeit automatisch, je länger man dreht, so dass man auch ohne Sehnenscheidenentzündung eine vollständige Interpretenliste von A-Z innerhalb weniger Sekunden durchblättern kann. Die Logik dahinter ist ausgesprochen gut, die „Beschleunigung“ nimmt man kaum wahr, zumal sie sich auch wieder entsprechend anpasst, sobald man seine Drehbewegung verlangsamt oder zurück dreht.

Mehrraum-Fähigkeit

Was im ersten Moment eigentlich trivial klingt, ist es im digitalen Zeitalter leider nicht: Gleichzeitiges Abspielen derselben Musikquelle auf mehreren Endgeräten. Man muss sich vorstellen, dass man mit zwei Kassettenrecordern in zwei Räumen steht und es irgendwie schaffen muss, beide Kassetten gleichzeitig zu starten, dass die Musik exakt synchron läuft.

Im Squeezebox-System kann man jederzeit mehrere Clients miteinander synchron schalten. Das geht bequem über das Client-Menü oder die Web-Oberfläche.

Da Squeezebox ja über das Netzwerk per Kabel oder WLAN funktioniert, hat man es hier mit unterschiedlichen Signallaufzeiten zu tun, was eine ausgeklügelte Synchronisation und Kompensation erforderlich macht. In der Regel passt alles, die Laufzeit wird automatisch korrigiert. In manchen Konstellationen passiert es jedoch, dass ein Abspielgerät konstant versetzt läuft. Hierzu lässt sich in der Web-Oberfläche ein Zeitversatz einstellen, um diesen Fehler zu korrigieren. Ich hab z.B. an einem Wiedergabegerät digitale Funklautsprecher angeschlossen, die etwas zeitversetzt abspielen — klappt problemlos.

Jeder Client kann jederzeit der Wiedergabe anderer Clients „beitreten“ oder den Verbund verlassen. Etwas unschön ist hierbei jedoch, dass beim Hinzuschalten eines neuen Clients die Wiedergabe kurz unterbrochen wird, um den neuen im Bunde synchronisieren zu können.

Um dies zu verhindern, gibt es eine Option, dass die Synchronisation erst mit dem nächsten neuen Musiktitel erfolgen soll. Das funktioniert allerdings dann nicht, wenn man einen Internet-Radiosender hört, der ja ein Nonstop-Programm darstellt.

Fernsteuerung

Die Squeezebox-Clients der neuen Generation haben eine Besonderheit: Jeder Client ist selbst eine Abspielstation, kann aber auch als Fernsteuerung eines beliebigen anderen Clients (auch der älteren Generation) verwendet werden. Im Menü gibt es dazu den Punkt „Player wählen“. In der Liste sucht man sich den gewünschten Client aus, und schon hat man auf dem eigenen Display dessen Bedienung. Alles, was man jetzt wählt, betrifft dann diesen fremden Client. Diese Funktion ist wohl hauptsächlich für den Squeezebox-Controller gedacht, der eigentlich eine reine Fernbedienung darstellt. Aber auf diese Weise kann man auch z.B. im Schlafzimmer den Radiowecker ein- und ausschalten oder vom Wohnzimmer aus die Musik in der Küche ausschalten.

Wiedergabesteuerung

Über die Bedienung und Musikwiedergabe ist eigentlich nicht viel zu sagen. Wer mit einem iPod zurecht kommt, sollte dies auch mit der Squeezebox können. Die Musikdateien sind in gewohntem Schema nach Interpret, Album, Titel, usw. sortiert. Durch die Liste lässt sich mit dem Drehrad schnell und zuverlässig navigieren. Abgespielt wird der ausgewählte Titel oder das Album.
Über die Konfiguration wird gewählt, ob nach der Wiedergabe eines Titels automatisch die folgenden eines Albums gespielt werden sollen, ob die Wiedergabe sich wiederholen soll, usw.

Eine Besonderheit, die viele sicherlich interessieren dürfte: Neben der datenbankgestützten Navigation ist auch der direkte Zugriff auf die Dateistruktur der Musikbiliothek möglich. Wer seine Musik in einer Ordnerstruktur mit eigener Logik abgelegt hat, kann diese ebenfalls als Ausgangspunkt beim Abruf der Musikdateien wählen.

Die Squeezebox-Clients sind alle in der Lage, Musiktitel lückenlos zu spielen. Bei Live-Alben oder Mixen gehen die Titel daher ohne Pause ineinander über, so wie es gewünscht ist. Eine Überblend-Funktion gibt es jedoch nicht, bzw. nur als Plugin.

Die Bedieneinheiten verfügen über eine eigene Taste, mit der sich ausgewählte Titel in die Abspielliste einreihen lassen. So kann man durch die Datenbank gehen und einfach per Tastendruck die gewünschten Stücke oder Alben in die Playlist stellen. Selbstverständlich gibt es auch die Möglichkeit, vorgefertigte Playlists abzuspielen.

Eine Funktion, die ich jedoch vermisse, ist das zufällige Durchmischen einer Playlist. Zwar gibt es selbstverständlich eine Zufallsfunktion, die springt dann jedoch durch die Playlist. Geschmackssache.

DLNA

Squeezebox ist ein eigenes, proprietäres Format. Das heißt, dass das System ausschließlich mit Seinesgleichen kommuniziert. Mit der aktuellen Server-Version ist jedoch zusätzlich auch eine DLNA-Unterstützung hinzu gekommen. Das heißt, dass sich von DLNA-Geräten auf die Musikdatenbank zugreifen lässt. Auch ist eine Steuerung der Squeezebox-Clients eingeschränkt darüber möglich.

Fazit

Ich bin mit dem Squeezebox sehr zufrieden. Für den Preis bekommt man sehr viel geboten. Beim Synchronbetrieb mehrerer Clients sollte man für eine gute Netzwerkanbindung sorgen. Denn kommt ein Client aus dem Tritt, wird muss neu synchronisiert werden, was bei Streaming-Quellen (Internet Radio) zu einer kurzen Unterbrechung führt. Daher habe ich mittlerweile die meisten Geräte per LAN-Kabel angeschlossen und seit dem keine Probleme mehr. Per WLAN hat einer der Clients zuvor die Kette immer wieder aus dem Tritt gebracht.

Für den Server sollte man sich ein gutes NAS zulegen. Je nach dem, ob und was man damit sonst noch vor hat, sollte das entsprechend leistungsfähig sein. Laufen im Hintergrund weitere Prozesse, kommt es bei der Bedienung der Squeezebox-Clients unweigerlich zu Wartezeiten.

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