Schwalbe Big Apple

Fahrrad-Federung nachrüsten mit Ballonreifen

Gefederte Fahrräder liegen im Trend. Es verlässt kaum ein Rad für Stadt, Tour und Trekking, das nicht über eine Federgabel oder zumindest eine gefederte Sattelstütze verfügt. Es gibt jedoch auch eine einfache, kostengünstige und ähnlich effektive Alternative, die sich insbesondere zum Nachrüsten für ältere Räder anbietet: Ballonreifen.

Technik

Vor zehn Jahren kam der erste „Big Apple“ von Schwalbe auf den Markt, eine kleine Revolution, denn bislang waren die Hersteller von Fahrradreifen darauf erpicht, möglichst stabile Reifen herzustellen, die auch entsprechend hart aufgepumpt werden müssen. Das hat ja auch seine Gründe, denn ein platter Reifen schluckt durch seine Walkbewegungen Energie, die einem beim Vortrieb verloren geht.

Der Ballonreifen hingegen wird – aus Sicht eines normalen Reifens – regelrecht „platt“ gefahren. Statt der üblichen 4 bis 5 Bar bei einem Tourenrad sind es hier nur rund 2 bis 3 Bar. Durch sein größeren Querschnitt und die Lauffläche, die auch ohne hohen Druck ihre Form behält, werden diese Verlusteffekte minimiert. Der Reifen läuft genauso leicht wie ein herkömmlicher, ein Unterschied ist kaum spürbar.

Genauso wenig spürt man etwas anderes: die Straße. Durch die deutlich höhere Luftmenge und den geringeren Druck kann der Reifen leichter zusammengedrückt werden, wodurch der Federungseffekt entsteht. Der Ballonreifen hat hier gegenüber einer herkömmlichen Federung sogar noch einen Vorteil: Gerade die feinen Vibrationen und Stöße durch unebenen Untergrund werden nahezu vollständig abgefedert, da sie bereits „im Reifen“ geschluckt werden.

Bei einer klassischen Federung werden die Vibrationen erst auf das gesamte System übertragen und können aufgrund der Trägheit nicht vollständig ausgeglichen werden. Dafür kommt der Ballonreifen bei größeren Stößen schneller an seine Grenzen, da hier schlicht der Federweg fehlt, den ein klassisches System bieten kann.

Ein weiterer Vorteil ist das Gewicht: Ein Ballonreifen wiegt kaum mehr als ein konventioneller, aber erheblich weniger als eine Gabel- und Rahmenfederung.

Praxis

Vor der Umrüstung eines herkömmlichen Fahrrads auf Ballonreifen muss man sich zunächst einmal die Radläufe ansehen. Denn aufgrund des größeren Reifenquerschnitts ist auch der Durchmesser des gesamten Rades größer. Also muss vorher geprüft werden, ob der Platz bis zum Schutzblech bzw. der Gabel ausreicht. Bei den meisten Rädern lässt sich der Abstand des Schutzblechs um ein paar Millimeter justieren. Gegenüber einem herkömmlichen Reifen erhöht der Ballonreifen den Raddurchmesser um bis zu 2 cm – das sollte man beachten. Auch kann die Breite der Schutzbleche ein Problem darstellen, wenn der Reifen dann links und rechts ein wenig übersteht.

Schwalbe bietet seinen Big Apple daher dankenswerterweise in Größen von 50 bis 60 mm Durchmesser an, so dass man hier zu dem Modell greifen kann, das an dem jeweiligen Fahrrad funktioniert.

Die Montage selbst ist nicht anders als bei jedem anderen Reifen. Auch wird kein anderer Schlauch benötigt – der ist flexibel und passt sich selbstverständlich auch dem größeren Querschnitt an. Bei meinem Rad hatte ich allerdings das Problem, dass sich offensichtlich aufgrund des geringeren Drucks die Reifen anfangs minimal auf der Felge bewegt haben. Das ist an sich nicht schlimm, jedoch haben sie dabei den Schlauch „mitgenommen“, so dass das Ventil abgeschert wurde. Denn aus unerfindlichen Gründen verzichten die Hersteller der Schläuche seit einigen Jahren darauf, diese mit Talkumpuder zu versehen, das ein Zusammenkleben verhindern sollte. Also habe ich mir flugs eine Dose Puder beim Fahrradhandel besorgt, die Schläuche damit eingerieben, und das Problem war vollständig gelöst. Schwalbe selbst empfiehlt interessanterweise, den Reifen an der Felge zu verkleben – auch eine Möglichkeit, von der mein Fahrradhändler auch noch nichts gehört hatte.

Der Big Apple hat, wie die meisten Reifen von Schwalbe unterdessen, eine zusätzliche Kevlar-Schicht, die ihn gegen Splitter, Nägel und sonstige Spaßverderber immun machen soll. Beim Big Apple kommt noch hinzu, dass die Lauffläche selbst nochmals verstärkt ist, um den Walkeffekt zu vermindern. Einen platten Reifen habe ich bisher nicht mehr gehabt – und bin mit den Reifen schon mehrere tausend km gefahren.

Die Federwirkung lässt sich durch Variation des Drucks auf den individuellen Geschmack einstellen. Ich fahre meine Reifen immer mit rund 2,5 bar, was für mich einen guten Kompromiss darstellt.

Fazit

Der Unterschied zwischen einem ungefederten Tourenrad mit klassischen Reifen und meinem Rad mit Ballonreifen ist frappierend. Gerade wer mit tauben Händen und Fingern aufgrund der feinen Vibrationen am Lenker zu kämpfen hat, dem kann ich die Ballonreifen nur wärmstens empfehlen. Über Fugen, Rillen, Pflaster oder Split rollen die Reifen komplett hinweg. Man nimmt nur noch die gröberen Konturen des Untergrunds wahr, aber alle feinen Störfaktoren schlucken die Reifen nahezu vollständig weg.

Schwalbe Big Apple 28 x 2.00 (50mm)

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