Runtastic Orbit

Außerirdischer Tracker mit unterirdischen Ergebnissen

Natürlich bin auch ich neugierig, möchte gerne meine Fitness mit einem möglichst technischen Spielzeug kontrollieren. Also fiel mir der Runtastic Orbit in die Finger, der von Datenblatt zumindest alles beherrscht, was ich mir aufs erste wünsche: Schrittzähler, Schlafüberwachung und ein kleines Display zur Kontrolle und Uhrzeitanzeige.

Technik

Der Runtastic Orbit fällt unter den vielen Fitnessarmbänder nicht wirklich auf: Gummiarmband in verschiedenen Farben, eine kleine Anzeige und ein Knöpfchen – mehr braucht man nicht. Zusätzlich gibt es noch ein Gürtelclip, falls man den Orbit nicht am Handgelenk tragen möchte. Das Gerät ist wasserdicht, angegeben sind 100 m, was soviel heißt wie Hände waschen, duschen und mal in den Pool springen ist in Ordnung, aber mehr auch nicht.

Das Display ist ein kleines OLED, das für den Zweck auflösend genug ist, und auch bei Tageslicht ohne Probleme ablesbar ist. Mit dem Knöpfchen schaltet man das Display ein, und schaltet sich durch die verschiedenen Anzeigen: Uhrzeit, Schritte, verbrannte Kalorien, aktive Zeit in Minuten. Tippt man zweimal schnell auf die Taste, erscheint ein kleiner Smiley auf dem Display. Das Gerät speichert dann den genauen Zeitpunkt ab, so dass man später in der App jederzeit sehen kann, dass man zweimal auf das Knöpfchen gedrückt hat. Der Sinn dahinter soll sein, dass man sich glückliche Momente des Tages merken sollte – wenn man allerdings dafür ein Fitnessarmband braucht, sollte man sich einmal ernsthaft Gedanken über den eigenen Glücks- und Gemütszustand machen.

Das Gerät selbst ist ein kleines Modul, das man wahlweise in das Armband oder den Gürtelclip einschiebt. Der Orbit wird der Akku betrieben. Die Laufzeit beträgt bis zu einer Woche, was auch halbwegs realistisch ist. Geladen wird er über ein kurzes USB-Kabel, das magnetisch an der Unterseite an zwei Kontakten andockt. Das funktioniert auch, wenn er sich gerade im Armband befindet, nicht jedoch mit dem Gürtelclip. Verbindung nimmt der Orbit über das strom sparende Bluetooth 4.0 LE auf.

Die Inbetriebnahme ist schnell und einfach erledigt: App aufs Handy laden, Orbit per Bluetooth koppeln, das tun was auf dem Bildschirm steht (anmelden und ganz oft weiter tippen) und fertig. Über die App lassen sich nun detailliert alle aufgezeichneten Daten anschauen, sowie die weitere Konfiguration vornehmen. Das wären zum Beispiel die Tagesziele für die Anzahl der gegangenen Schritte, sowie der aktiven Minuten. Zusätzlich hat der Orbit eine Art Totmannbremse, bei der das Gerät vibriert, wenn man sich eine bestimmte Zeit lang nicht mehr bewegt hat. Desweiteren gibt es noch mehrere Alarm-Timer, die den Orbit zu bestimmten Uhrzeiten an vorgegebenen Wochentagen vibrieren lässt.

Um das Schlaftracking zu aktivieren, muss man den Knopf einmal lang betätigen. Auf die gleiche Weise beendet man die Schlafaufzeichnung. Während der Schlafphase kann man über das Display nur abfragen wie lange man schon zu schlafen beabsichtigt hat.

Praxis

Der Orbit lässt sich mit seinem Kunststoffarmband angenehm tragen, die Seite lässt sich über mehrere Löcher einstellen. Wer sich ganz unauffällig mag, dem sei der Gürtelclip sehr zu empfehlen. Darin steckt der Orbit kopfüber, so dass man das Display ablesen kann, wenn man von oben schaut.

Die Synchronisation mit der App funktioniert weitestgehend reibungslos, man bekommt nun in verschiedenen Grafiken angezeigt, wann man sich wie viel bewegt hat, wie viel Kalorien man verbraucht haben soll, sowie ein Diagramm, das den Schlafzustand zeigen soll. Die Schlafphasen werden in drei Kategorien unterteilt: wach, leicht und tief. Über einen Prozentwert wird ausgedrückt, wie gut der Schlaf gewesen sein soll.

 

So weit so gut, aber was genau der Runtastic Orbit aufzeichnet, erschließt sich nicht für mich. Es fängt schon bei dem Schrittzähler an: Die dort gemessenen Werte können genauso gut auch mein Pulsschlag gewesen sein. Ich habe den Verdacht, dass das Gerät selbst meine Handbewegungen während des Schreibens auf der Tastatur mit aufgezeichnet hat. Anders lässt sich nicht erklären, wie ich an einem normalen Bürotag, an dem ich die meiste Zeit am Schreibtisch saß, weit über 1000 Schritte gelaufen sein soll. Lediglich als ich den Orbit an zwei Tagen an meinem Gürtel befestigt hatte, habe ich halbwegs brauchbare Ergebnisse erhalten.

Nicht viel besser wird es auch bei der Schlaf aufzeichnen: Das Diagramm zeigt letztlich nur ein wildes Gewusel verschieden farbiger Linien, echte Schlafphasen sind darauf nicht zu erkennen. Mehr noch: Wie’s der Zufall wollte, habe ich die letzten Nächte ausgesprochen schlecht geschlafen und lange wach gelegen. Laut Orbit scheint aber alles in Ordnung zu sein, meine Wachphasen, in denen ich eigentlich nur das Display des Radioweckers hypnotisiert habe, sind brav als Tiefschlaf registriert. Selbstbetrug kann so herrlich sein.

Fazit

Die Idee ist nett, aber ich hab keine Ahnung was das Gerät eigentlich tut. Der Schrittzähler ist, sofern am Handgelenk getragen, weitestgehend unbrauchbar. Dummerweise ist ein Dauerbetrieb in der Gürtelhalterung nicht möglich, da man ihn damit kaum zum Schlafen tragen kann und ihn ohnehin regelmäßig zum Laden wieder herausfummeln muss. Wobei die Schlaf aufzeichnen ja ohnehin keine sinnvollen Ergebnisse bis auf die Gesamtdauer liefert. Dafür letztlich rund 120 € (unverbindliche Preisempfehlung) zu verlangen, ist schon ziemlich dreist.

Runtastic Orbit

Runtastic Orbit

Runtastic Orbit
5.7

Tragekomfort

8/10

Zuverlässigkeit

2/10

Akkulaufzeit

7/10

Pro

  • Funktionales Design
  • Gute Akkulaufzeit
  • Gutes Display

Kontra

  • Unzuverlässige Schittzählung am Handgelenk
  • Unbrauchbares Schlaftracking

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