Rollentrainer Tacx Blue Matic

verwandelt Fahrräder in Heimtrainer

So langsam kommt wieder die nasskalte Saison. Meine Ambitionen, mich bei schmuddeligem Wetter im Dunkeln noch mit dem Rad sportlich zu betätigen, halten sich doch sehr in Grenzen. Natürlich könnte ich mir einen schicken Heimtrainer zulegen, mit dem ich bequem daheim meine Runden drehen kann. Doch wozu der Aufwand? Ich habe doch bereits ein Rad, das jedoch für ein paar Monate ungenutzt sein Dasein im Keller fristet – während der Heimtrainer dann von Frühjahr bis Herbst in der Wohnung nur noch als sperriger Kleiderständer dient. Warum also nicht dasselbe Rad sowohl draußen als auch drinnen verwenden?

Technik

Rollentrainer sind wahrlich nichts neues. Das Prinzip ist simpel: Man nutzt ein herkömmliches Straßen-Fahrrad, bockt es jedoch mit dem Hinterrad auf, so dass man treten kann, aber sich nicht von der Stelle bewegt. Um nicht leer zu treten, sitzt das Rad auf einer Rolle auf, die wie bei einem Heimtrainer mit einem gebremsten Schwungrad verbunden ist.

Nach diesem Prinzip funktioniert auch der Blue Twist lässt sich die Bremskraft bequem in zehn Stufen über einen Hebel fernbedienen, den man mit einem Schnellspannverschluss am Lenker befestigt und mit einen Bowdenzug mit dem Rollensystem verbunden ist. Das nächst größere Modell Blue Motion ist schon für ambitionierte Sportler gedacht und bietet 950 Watt Bremsleistung, sowie über rund 17 kg Schwungmasse.

TacxTrainer2Die Rollentrainer sind für Fahrräder mit Rädern mit einem Außendurchmesser von 61 bis 72 cm gedacht, was 27 bis 29 Zoll entspricht. Tacx bietet spezielle Reifen mit glattem Profil an, die einen guten Grip auf der Rolle garantieren. Reifen mit ausgeprägtem Profil sind nicht geeignet, da sie auf der Rolle nicht „rund“ laufen. Es funktionieren Rennradreifen und Trekking-Reifen mit glatter Mittellauffläche.

Das Fahrrad wird mit einer Art Schraubstock an den Muttern der Hinterachse gehalten. Da deren äußere Form jedoch nicht genormt ist, legt Tacx dem Rollentrainer eine Schnellspann-Achse mit entsprechend geformten Muttern bei. Sie verfügen über einen glatten, zylinderförmigen Kopf und passen genau in die Haltebacken des Trainers. Für Fahrräder mit fester Achsnabe sind entsprechende Muttern als Zubehör erhältlich. Die Nutzung dieser Muttern ist zwingend notwendig, da nur so der sichere Halt im Rollentrainer gewährleistet ist.

Sind diese Vorbereitungen erledigt, muss man nur noch das Fahrrad rückwärts in den Rollentrainer schieben, die Achse auf Höhe der Haltebacken heben und diese über einen Schnellspannhebel schließen. Die Weite lässt sich über eine Schraube entsprechend der jeweiligen Fahrradachse justieren, so dass man nur noch den Hebel umlegen muss.

Jetzt muss noch Andruckrolle ans Hinterrad gepresst werden – auch das geschieht mit einem Schnellspannhebel, die Feinjustage auf den richtigen Reifendurchmesser erledigt man einmalig an einem Stellrad.

Das Rad sitzt nun stabil in dem Ständer, das Vorderrad steht auf dem normalen Fußboden. Da das Hinterrad ja leicht angehoben ist, steht das Rad nun leicht „bergab“. Wen dies stört und zudem etwas mehr Stabilität am Lenker haben möchte, kann sich noch den als Zubehör erhältlichen Tacx Skyliner zulegen. Damit bekommt man eine Platte mit einer vorgeformten Rille, in die man das Vorderrad stellt. Es ist nun auf der richtigen Höhe und steht stabil in einer Richtung.

Zuletzt muss nur noch der Bremshebel am Lenker angebracht werden. Dabei sollte man schauen, dass der (ausreichend lange) Bowdenzug nirgendwo im Weg ist.

Wenn der Rollentrainer nicht mehr gebraucht wird, klappt man die nach vorn stehenden Stützen zurück gegen die Hinterbeine und kann ihn so flach in den Schrank oder unters Bett legen.

Praxis

Geliefert wird der Tacx Blue Matic demontiert. Das bedeutet, nach alter IKEA-Manier erst einmal die Anleitung studieren und die Teile zusammensetzen. Das beschränkt sich glücklicherweise darauf, die Rolleneinheit hinten anzuschrauben und die Fußstopfen anzusetzen. Zudem muss das Fahrrad vor dem ersten Gebrauch umgerüstet werden – mit den speziellen Muttern mit dem flachen Kopf an der Hinterachse.

Ist das erst einmal erledigt, ist der Rest kinderleicht. Das Einsetzen des Rades in den Ständer klappt in der Regel ohne Probleme. Bei meinem Rad ist jedoch vor der Kettenschaltung ein kleiner Schutzbügel, der hier ein wenig im Weg ist, so dass ich das Rad mit ein bisschen mehr Geschick um diesen Bügel drumherum einfädeln muss.

Die erste Probefahrt ist schon ein wenig ungewohnt. Zum einen, weil das Fahrrad ja fest steht, zum anderen, weil man sich an das leicht veränderte Rollgefühl gewöhnen muss. Über den Bremshebel stellt man die Intensität der Magnetbremse am Schwungrad an. Hier muss man das für sich optimale Verhältnis aus gewähltem Gang in der Schaltung und der Bremsstufe finden. Am angenehmsten fährt es sich in einem eher höheren Gang und entsprechend niedrigeren Bremsstufe – aber das hängt dann letztlich vom Trainingsvorhaben ab.

Je nach Reifenprofil produziert der Rollentrainer ein vibrierendes Geräusch. Das sollte man wissen, wenn man hier Rücksicht auf andere Hausbewohner nehmen möchte. Die auf den Fußboden übertragenen Vibrationen lassen sich durch das Unterlegen einer Matte jedoch reduzieren. Die hat dann zudem noch den Vorteil, dass Schmutz von Reifen und Kette nicht auf dem Fußboden landen.

Sehr zu empfehlen ist die optionale Vorderradstütze. Steht das Rad frei, lässt sich der Lenker ansonsten während des Trainings zu leicht bewegen, so dass man ein instabiles Gefühl hat.

Ein sehr kurioses Zubehörteil hat Tacx noch im Katalog: Einen Schweißfänger in Form eines breiten Stoffbandes, das man vom Lenker zum Sattel spannt. Wozu? Es fehlt der Fahrtwind, und der beim Training hoffentlich entstehende Schweiß rinnt in Bächen direkt zu Boden – über Lenker, Rahmen, usw. Das sieht nicht schön aus, ist nicht besonders gut fürs Fahrrad und ist ansonsten auch irgendwie eine Sauerei. Natürlich kann man auch einfach ein Handtuch über Lenker und Rahmen legen, aber das wäre ja uncool.

Fazit

Den eigenen Drahtesel in der kalten Jahreszeit zu Hause als Heimtrainer nutzen? Japp, funktioniert! Natürlich muss man hier auf all den Schnickschnack der modernen (und teuren) Heimtrainer verzichten, die einem auf grobschlächtigen Displays dann irgendwelche Trainings-Programme, Puls, Kalorienzahl und so weiter anzeigen. Doch das hat man beim Training draußen auch nicht. Jedoch lassen sich Tacho (sofern am Hinterrad angebracht), Trittzähler und Pulsmesser, die man auch sonst verwendet, ohne weiteres verwenden.

Ich bin mit dem Tacx Blue Matic sehr zufrieden. Das Gestell ist solide verarbeitet und lässt sich platzsparend verstauen. Das war für mich der Hauptgrund, denn ich wollte mir meine Bude nicht mit einem die meiste Zeit ungenutzt vor sich dahin staubenden Heimtrainer vollstellen. Hinzu kommt noch, dass der Tacx Blue Matic ein Bruchteil eines guten Heimtrainers kostet – kein Wunder, denn das Fahrrad hat man ja bereits.

Tacx Blue Matic Rollentrainer T2650

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