Olympus TG-1

lichtstarke Outdoor-Kamera

Eine kompakte Digitalkamera benötige ich aufgrund der sehr guten Handykamera im Alltag eigentlich nicht mehr. Es gibt allerdings Ausnahmen: wenn ich draußen unterwegs bin – zu Lande zu Wasser oder im Schnee – möchte ich ungerne das doch recht filigran anmutende Handy zu können. Gefragt ist eine robuste, kompakte und dennoch qualitativ gute Digitalkamera. Nach viel ausprobieren und vielen Enttäuschungen bin ich bei der Olympus TG-1 angekommen.

Technik

Outdoor-Kameras müssen verschiedene Ansprüche erfüllen: Sie müssen klein und relativ leicht sein, müssen mindestens staub-, besser noch wasserdicht sein, sollten den einen oder anderen Sturz unbeschadet überleben und sich auch noch mit Handschuhen bedienen lassen. Aus diesen Anforderungen ergibt sich unter anderem, dass die Kamera kein aus dem Gehäuse herausragendes Zoom-Objektiv haben darf. Denn zum einen lässt sich so etwas nicht vernünftig abdichten, zum anderen sind die von anderen Digitalkameras bekannten Teleskop-Objektive viel zu empfindlich gegen mechanische Einwirkungen. Deshalb haben die Outdoor-Kameras durch die Bank ein im Gehäuse quer verlegtes Objektiv. Wie bei einem Periskop wird der optische Weg durch das Objektiv am Ende mithilfe eines Prismas quasi um die Ecke geleitet. Erstmals ist mir eine solche Konstruktion bei der seinerzeit kleinsten Kompaktkamera von Minolta aufgefallen.

Bei den meisten Kameras mit dieser Art Objektiv sitzt die Öffnung an der oberen Ecke des Gehäuses. Das hat zum Nachteil, dass man immer wieder ungewollt mit den Fingern drauf fasst. Neuere Kameras haben daher das Objektiv wieder in die Mitte des Gehäuses verlegt, so dass es weit genug entfernt von den das Gehäuse umschließenden Fingern ist. So hat auch die Olympus TG-1 ihr Objektiv zentral in der Mitte.

Auch der restliche Aufbau der Kamera wirkt eher klassisch: Auslöser oben rechts, Rückseite mit großem, hochauflösendem Bildschirm, Zoom-Wippe, Steuerkreuz, Wählrad und Video-Aufnahmetaste.

Das Gehäuse macht einen sehr stabilen Eindruck. Es soll einen Sturz aus 2 m Höhe unbeschadet überstehen, Wasserdruck bis zu 12 m aushalten, bruchsicher bis 100 kg sein und das Kamerainnere auch bei -10 °C intakt halten. Die Ecken und Kanten sind abgerundet, an den Stellen, an denen man (als Rechtshänder) die Kamera festhält, sind gummierte Flächen angebracht. Rechts gibt es noch eine äußerst robust wirkende Öse für die mitgelieferte Handschlaufe.

Es gibt zwei Klappen an dem Gehäuse, eine für Akku und Speicherkarte und eine weitere hinter der sich USB- und HDMI-Anschluss befinden. Die Klappen sind mit Vertrauens erwecken den Dichtungen versehen, bei denen man spürt, dass sie beim Schließen unter einem gewissen Druck stehen. Beide Klappen werden mit zwei Sicherheitsriegeln verschlossen.

Etwas enttäuschend am Gehäuse ist das Stativgewinde aus Kunststoff an der Unterseite. Hier hätte ich ein Metallgewinde erwartet, zumal man eine Outdoor-Kamera ja auch mal gerne mittels Klemmstativ an Fahrzeugen oder Sportgerät befestigen möchte. Immerhin ist es nahezu mittig unter dem Objektiv angebracht.

Die Ausstattung kann sich für eine kompakte Outdoor-Kamera wirklich sehen lassen: Prominent an der Oberseite befindet sich der GPS-Empfänger, der auf Wunsch die aktuellen Positionsdaten mit jedem Bild speichert. Ein Blitz ist selbstverständlich auch an Bord, der sogar in der Lage ist, Olympus-Systemblitze fernzusteuern. Als Autofokus-Hilfslicht ist eine weiße LED eingebaut, die im Makro-Modus statt des Blitzes als Lichtquelle dient.

Beim Objektiv hat sich Olympus nicht lumpen lassen: Die Olympus-Linsen, die zwar nicht den traditionsstarken Namen zu Zuiko tragen, weisen eine Anfangslichtstärke von 2,0 auf. Ein Wert, den man in dieser Klasse selten findet. Das Objektivsystem verfügt über einen optischen Vierfach-Zoom, der angenehm weitwinkelig startet. Wem das nicht ausreicht, für den hat Olympus noch ein kleines Gimmick im Angebot: Der Ring um das Objektiv lässt sich entfernen, wodurch ein Bajonettverschluss zum Vorschein kommt. Als Zubehör sind ein Tele- und ein Weitwinkelkonverter erhältlich, die sich hier an das Gehäuse einsetzen lassen.

Die Software birgt keine großen Überraschungen. Wie bei Olympus typisch, gibt es eine ganze Reihe an Szenenprogrammen, mit denen sich alle nur erdenklichen Alltagssituationen meistern lassen. Szenenprogramme, wie Nachtaufnahme, Porträt, Landschaft, usw., sind obligatorisch. Wie es sich für eine Outdoor Kamera gebührt, gibt es selbstverständlich Programme für Strand und Schnee und unter Wasser. Amüsant sind zwei Tiermodi: wahlweise Hund oder Katze muss dabei nur in das Objektiv schauen, schon wird automatisch ein Foto ausgelöst. Eine HDR-, 3D- und Panoramafunktion runden das Bild ab. Für Spielkinder der Generation Instagram hat die Kamera noch einen Magic-Modus parat, bei dem bestimmte Effekte direkt in das Foto eingearbeitet werden können. Und wer aus seiner Freundin schon immer einmal ein Fotomodell machen wollte, kann von der Bauty-Funktion Gebrauch machen, die direkt nach der Aufnahme einer Reihe von Retuschen vornimmt, die verblüffender Weise sogar einzeln konfigurierbar sind. Wem es zu kompliziert ist, stets den richtigen Szenen-Modus zu finden, kann die Kamera getrost im iAuto-Modus belassen, der zu jedem Schnappschuss versucht, den besten Szenen-Modus zu wählen.

Wie die meisten Kameras besitzt auch die Olympus TG-1 einen P-Modus, bei dem sich in alle Parameter der Aufnahme eingreifen lässt. Eine direkte Beeinflussung von Blende und Belichtung ist jedoch nicht möglich. Besonders hervorzuheben ist die Makro-Funktion, die sie schon fast als Mikroskop eignet. Wie es sich für eine Action-Kamera gebührt, gibt es eine Serienbildfunktion in drei Geschwindigkeiten. In voller Auflösung schießt die TG-1 knapp fünf Bilder pro Sekunde, mit verminderter Auflösung sind Highspeed-Aufnahmen mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde möglich.
Direkt über das Einstellenrad ist zudem der Sport- und Nachtmodus erreichbar, sowie zwei vom Benutzer frei konfigurierbare Modi, um schnell mit den bevorzugten Einstellungen arbeiten zu können.

Fotos können mit bis zu zwölf Megapixeln im 4:3-Format und acht Megapixeln im 16:9-Format aufgenommen werden, per Sensor-Shift werden leichte Verwackler ausgeglichen. Als Qualitätsstufen der Bildaufnahme stehen lediglich hoch und normal zur Verfügung. RAW-Aufnahmen werden nicht unterstützt. Die Olympus TG-1 kann zudem Full-HD-Videos aufnehmen. Für die Videoaufzeichnung gibt es eine eigene Aufnahmetaste an der Rückseite. Bei den Aufnahmen ist sowohl der mechanische als auch ein elektronischer Bildstabilisator am Werk, so dass die Videos angenehm ruhig erscheinen. Die Aufnahmedauer pro Clip ist unabhängig von der Größe der Speicherkarte auf 30 min beschränkt. Während der Aufnahme ist der optische Zoom verfügbar, wobei währenddessen der Ton leicht abgeblendet wird, um die Motorengeräusche zu unterdrücken. Der Autofokus ist permanent aktiv.

Praxis

Die Olympus TG-1 liegt angenehm in der Hand. Mit ihren 230 g ist sie zwar kein Leichtgewicht, aber immer noch leicht genug für den vorgesehenen Einsatzzweck. Die Masse wirkt sich auch positiv auf die Stabilität bei freihändigen Fotos aus.

Je nach eingesetzter Speicherkarte, benötigt die Kamera bis zu 5 s nach dem Einschalten, um für das erste Bild einsatzbereit zu sein. Das ist nicht weltrekordverdächtig, liegt aber noch im Rahmen. Dafür wird man mit einem außerordentlich schnellen Autofokus und einer praktisch nicht vorhandenen Auslöseverzögerung belohnt – und genau darauf kommt es bei einer Action-Kamera an. Die Kamera schaltet sich automatisch in einen Energiesparmodus, wenn man sie eine Zeit lang nicht benutzt. Aus diesem wacht sie jedoch innerhalb von einer knappen Sekunde wieder auf.

Im vollautomatischen Modus sucht sich der Autofokus bisweilen nicht immer den optimalen Punkt aus, so dass es mitunter dazu kommt, dass der Vordergrund oder Hintergrund – je nachdem, was man nun im Blickfeld hatte – unscharf bleibt. Für solche Situation empfiehlt es sich, den P-Modus zu verwenden, da sich hier ein festes Autofokus-Feld vorwählen lässt. Für den Schnappschuss-Alltag ist jedoch der iAuto-Modus durchaus brauchbar, da er erstaunlich gut anhand der analysierten Bildinhalte den passenden Szenen-Modus wählt.

Beeindruckend ist in der Tat die Fähigkeit der Olympus TG-1 bei schlechten Lichtverhältnissen. Freihändige Aufnahmen am Abend ohne Blitz liefern häufig gute bis sehr gute Ergebnisse – vorausgesetzt, das Motiv bewegt sich nicht. Bildstabilisator und F-2.0-Objektiv scheinen hier in der Tat einen guten Dienst zu leisten. Im Automatikmodus wählt die Kamera allerdings auch gerne einmal einen höheren ISO-Wert, wodurch Details gerne der dann ziemlich geforderten Rauschunterdrückung zum Opfer fallen. Aber hier muss man letztlich Kompromisse eingehen: verwackelte Bilder oder verwaschene Details in der Vergrößerung.

Die Kombination aus mechanischen und elektronischen Stabilisator leistet bei den HD-Videoaufnahmen sehr gute Dienste. Bis auf harte Erschütterungen (z.B. die Schritte beim Gehen) und Vibrationen werden Verwackler sanft abgefedert. Die Aufnahmen können sich durchaus sehen lassen, auch wenn die Bildqualität letztlich nicht an die einer echten Videokamera heran kommt. Der während der Aufnahme permanent arbeitende Autofokus findet in der Regel zuverlässig den richtigen Schärfepunkt. Allerdings kommt es insbesondere bei schnellen Bewegungen oder Vibrationen dazu, dass der Mechanismus überfordert ist. Es ist leider nicht möglich, den Autofokus während der Videoaufnahme zu deaktivieren oder zu beeinflussen.

Einen grundsätzlich zwiespältigen Eindruck hinterlässt die GPS-Funktion bei solchen Kameras: Sie ist dafür prädestiniert, unterwegs und auf Touren verwendet zu werden, um bei den aufgenommenen Bildern jeweils den Standort mit abzuspeichern. Da der GPS-Empfänger jedoch zusätzlichen Strom verbraucht, der gerade unterwegs ja recht begrenzt ist, kann der Anspruch auf ein Geotagging schnell zu einem leeren Akku führen. Man ist hier also immer gut beraten, mindestens einen Ersatzakku mitzunehmen. Mit dem GPS-Empfänger lassen sich auch vollständige Tracks aufnehmen. Dazu bleibt das GPS auch dann aktiv, wenn man die Kamera ausgeschaltet hat. Was das für den Akku bedeutet, kann man sich entsprechend vorstellen. Ich habe es bisher zumindest auf einem mehrstündigen Spaziergang ausprobiert, der Akku hielt durch, und Fotos konnte ich auch machen. Etwas enttäuschend ist jedoch, dass der aufgezeichnete Track nur als liebloses Textfile auf der Speicherkarte landet und dem Anwender keinerlei Hilfsmittel angeboten werden, diese Datei in irgendeiner Form auszuwerten. Wer sich allerdings damit ein wenig auskennt, wird sich über die protokollierten GPS-Rohdaten freuen.

Um die Positionsbestimmung zu beschleunigen, verfügt die Kamera über A-GPS. Dazu ist es allerdings notwendig, dass man vor einer Tour mithilfe eines auf der Website von Olympus gut versteckten Tools Hilfsdaten herunter lädt und auf die Kamera spielt. Die Gültigkeit dieser Daten beträgt 14 Tage, so dass man sie in jedem Fall vor einer Tour aktualisieren muss.

Eine Landkartendarstellung verfügt die Kamera nicht. Es werden lediglich die GPS-Koordinaten angezeigt, sowie Land, Stadt und die nächstgelegene Sehenswürdigkeit. Ob das so wirklich sinnvoll ist, lasse ich dahingestellt. Immerhin funktioniert das Geotagging gut, so dass man später in Picasa oder anderen Programmen brav seine Stecknadel in einer Landkarte vorfindet.

Begeistert hat mich die Klopf-Bedienung der Kamera: Wer dicke Handschuhe an hat, wird mit den kleinen Knöpfen so seine Last haben. Aktiviert man jedoch das so genannte Touch Control lässt sich die Kamera durch beheiztes klopfen an eine der Seiten steuern. Man muss sich das letztlich so vorstellen, wie bei der Bedienung über das Steuerkreuz, nur dass man durch Klopfen links, rechts, oben, unten und hinten die Eingabemarke bewegt. Das funktioniert nach ein klein bisschen Übung erstaunlich gut, in jedem Fall ist es hundertmal besser, als jedes Mal die Handschuhe ausziehen zu müssen. Die Empfindlichkeit des Erschütterungssensors lässt sich dazu einstellen, denn man sollte sich darüber im Klaren sein, dass auch Erschütterungen in der Tasche zu einer Fehlbedienung führen können.

Die automatischen Szenen-Modi rangieren irgendwo zwischen sehr praktisch bis zu unnötige Spielerei. Mir nicht wirklich verständlich ist, warum es zwar zwei automatische Haustier-Modi gibt, bei denen die Kamera automatisch auslöst, dieselbe Funktion jedoch nicht für menschliche Gesichter vorhanden ist. Das wäre für Partys doch der Spaß schlechthin. Der HDR-Modus, bei dem aus drei mit unterschiedlicher Belichtung aufgenommenen Bildern ein dynamikverstärktes Foto entsteht, liefert bei Abendaufnahmen unbewegter Motive durchaus beeindruckende Ergebnisse. Die Panoramafunktion hingegen hat bei der Hälfte meiner Versuche – und ausgerechnet im Freien – versagt: die Bilder wurden so unsauber aneinander gesetzt, dass das Panorama unbrauchbar war. Bei meinen ersten Spielereien in geschlossenen Räumen jedoch war das Ergebnis hervorragend. Die aufgenommenen 3D-Fotos haben mich überrascht. Bei der Aufnahme muss man zwei Fotos nacheinander schießen, wobei man für das zweite die Kamera ein kleines Stück verschieben muss. Ein Fadenkreuz im Display weist einem den Weg. Das ist sehr fummelig, aber wenn man es hinbekommen hat, entspricht das Resultat den Erwartungen. Auf einem 3D-Fernseher wiedergegeben erhält man wirklich räumlich wirkende Bilder.

Fazit

Nachdem ich mir diverse andere Outdoor-Kameras angesehen habe, kann ich die Olympus TG-1 vorbehaltlos empfehlen. Andere Kameras haben zwar bisweilen noch andere sinnvolle Funktionen, wie zum Beispiel eine Kartendarstellung, Selbstauslöseautomatik oder ausgefeiltere Bildeinstellungen. Allerdings enttäuschen die meisten anderen Geräte, wie auch die Vorgängermodelle von Olympus, in der Bildqualität. Mit der TG-1 erhält man eine vollwertige Kompaktkamera, die qualitativ gute Fotos macht, und ihr Versprechen bei schwierigen Lichtverhältnissen einlöst. Durch ihre Robustheit und Wasserdichtigkeit braucht man keine Angst zu haben, sie über alle mit hinzunehmen. Die Bedienung ist einfach, die Automatikfunktionen funktionieren, das Gesamtkonzept überzeugt. Dennoch muss man sich darüber im Klaren sein, dass ein solches System nur einen Kompromiss darstellt. Andere Kompaktkameras bieten mehr Zoom, mehr Akku, mir dies, mehr das. Dafür sind sie jedoch ein Fall für die Wertstoffsammlung, wenn man sie in den Bereichen einsetzen möchte, für die die Olympus TG-1 konzipiert ist.

Olympus TG-1

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