Netatmo Wetterstation

Wetterdaten innen und außen per App und Browser

In meiner Kindheit hatte gefühlt jeder Haushalt irgend eine Wetterstation, die aus Thermometer, Barometer und Hygrometer bestand, meist klassisch als drei Rundinstrumente. Dann kamen die digitalen Wetterstationen mit Funkmodulen, die allerdings vom Aussehen und Bedienbarkeit eher enttäuschend waren. Heute, wo fast jeder ein Smartphone mit sich herum trägt und selbstverständlich die Wetter-App auf seinem Homescreen hat, scheinen derartige Wetterstationen aus der Mode gekommen zu sein. Dabei übersieht man jedoch leicht, dass die Wetter-Apps nur die Daten von verschiedenen Wetterdiensten anzeigen, die nicht zwingend die lokale Wetterlage widerspiegeln. Warum also nicht die heimische Wetterstation ins Zeitalter 2.0 bringen? Genau diese Brücke schlägt die Netatmo Wetterstation mit Internet-Anbindung.

Technik

Zur Grundausstattung der Netatmo Wetterstation gehört ein Innenraum- und ein Außenmodul. Beide wirken mit ihrem Aluminium-Gehäuse sehr edel und sind weit entfern von dem Plastik-Charme herkömmlicher Geräte.

Innenmodul

Das Hauptgerät ist dazu gedacht, idealerweise im Hauptwohnbereich zu stehen. Per Micro-USB-Kabel wird es mit Strom versorgt und bindet sich per WLAN ins heimische Netz ein. Das Gerät verfügt über insgesamt fünf Sensoren und erfasst damit Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, sowie den Lautstärkepegel und CO2-Gehalt der Raumluft. Während die ersten drei Werte den allermeisten von den üblichen Stationen bekannt vorkommen sollten, sind die letzten beiden eher ungewöhnlich. Netatmo möchte damit die Bewertung des „Wohlfühlklimas“ in der Wohnung komplettieren, zu dem ihrer Meinung nach eben auch der Lärmpegel und die Luftqualität gehört. Um die Sorgen nach Überwachung zu zerstreuen: Es wird nur der Lautstärkepegel gemessen, es findet keine Tonaufzeichnung statt.

Für die erste Inbetriebnahme ist eine USB-Verbindung zu einem PC oder Mac notwendig, eine Software hilft dabei, die Verbindung mit dem WLAN herzustellen, die Firmware zu aktualisieren und weitere Module anzukoppeln. Danach arbeitet das Gerät autark und kommuniziert nur noch per WLAN.

Auf der Oberseite ist eine Sensortaste integriert. Berührt man diese, leuchtet der auffällige Schlitz kurz auf, die Farbe gibt eine Bewertung des Raumklimas in einer Skala von grün bis rot an. Gleichzeitig löst man damit eine sofortige Messung aus, ansonsten findet diese automatisch im 5-Minuten-Rhythmus statt.

Außenmodul

Galaxy-S4-courbes_CMit dem Hauptgerät können mehrere zusätzliche Module verbunden werden. Eines davon wird mitgeliefert: das Außenmodul. Es ist batteriebetrieben und kann somit beliebig positioniert werden. Die Verbindung zum Hauptgerät findet per Funk über ein eigenes Datenprotokoll statt, es ist also keine WLAN-Abdeckung nötig, die Reichweite entspricht denen der üblichen Temperatur-Funksensoren, also je nach Bebauung irgendwas zwischen 5 und 30 Metern. Das Außenmodul erfasst zwei Werte: Temperatur und Luftfeuchtigkeit, die es in kurzen Abständen an die Hauptstation funkt.

Mitgeliefert wird bereits Befestigungsmaterial, das durchaus außergewöhnlich ist: An der Rückseite des Geräts befindet sich ein Schlitz, mit dem es sich an eine Schraube oder Nagel gehängt werden kann. Um den Sensor an ein Geländer oder Rohr zu befestigen, liegt ein Riemen bei, der wie ein Armband aussieht und einen Befestigungs-Pin an einer Seite hat. Das ist, wie ich finde, eine ziemlich geniale Idee, denn so lässt es sich ohne Schwierigkeiten am nächsten Balkongeländer ohne Montageaufwand befestigen.

Software

WebappDie Netatmo Wetterstation verfügt außer der Raumklima-Anzeige über keine weitere Visualisierung der Messwerte. Diese lassen sich ausschließlich über internetfähige Computer oder Smartphones darstellen. Netatmo ist, wie man heute sagen würde, „Cloud basiert“. Das heißt, dass die Messwerte direkt per Internet auf die Server von Netatmo in das persönliche Benutzerkonto geladen werden, wo man sie dann per Web-Browser oder App (für iOS, Android und Windows Phone) abfragen kann. Zur Anmeldung des Benutzerkontos ist lediglich eine gültige E-Mail-Adresse nötig, so dass man die Station weitestgehend anonym betreiben kann.

Im Benutzerkonto kann man mehrere Stationen verwalten, sowie anderen Nutzern Zugriff auf die eigenen Messdaten einräumen kann. Wenn man möchte, kann man die Daten der Außeneinheit auch komplett öffentlich freigeben. Sie werden dann in einer Wetterkarte angezeigt, auf der man dann die Werte aller weltweit verfügbaren Netatmo-Wetterstationen sehen kann. Dazu ist es allerdings notwendig, dass man auch den Standort der Station mit angibt.

Das, was die Netatmo Wetterstation so interessant macht, ist die Speicherung der Verlaufsdaten. Im Benutzerkonto lassen sich neben den aktuellen Werten auch die vergangenen abrufen, die als Verlaufsgrafik dargestellt werden. So kann man zum einen wunderbar die Wetterentwicklung draußen beobachten, sowie die Veränderungen der Innenraumtemperatur überwachen, was zur Optimierung des eigenen Heiz-Verhaltens auch nicht gerade uninteressant ist.

Erweiterungen

Pack-PluvioNetatmo bietet zu seiner Wetterstation noch zwei Module an: weitere Innenraummodule, die Temperatur, Feuchtigkeit und CO2 messen, sowie ein Regensensor, der die Regenmenge erfasst. Die von Netatmo ebenfalls angebotene Heizungssteuerung ist zunächst einmal unabhängig von der Wetterstation.

Praxis

Nach dem Auspacken fällt zunächst auf, dass außer einem mickrigen Faltblatt, das nur auf die Web-Site verweist, keine weitere Anleitung beigelegt ist: Nur die beiden Module, Batterien, Netzteil und das Montagematerial.

Wählt man die angegebene Internet-Adresse an, wird man jedoch Schritt für Schritt durch den Installationsvorgang geleitet. Kleiner Wermutstropfen ist am Anfang, dass man zwingend einen Windows-PC oder Mac benötigt, um mittels einer herunterzuladenden Software die Erstkonfiguration vornehmen muss. Danach funktioniert aber alles online.

Wer die beiden Geräte gerade aus dem Laden nach Hause getragen hat, wird am Anfang noch etwas verkehrte Werte angezeigt bekommen: Die Gehäuse müssen sich ja zunächst an die jeweilige Umgebungstemperatur anpassen. Auch die CO2-Messung erfordert zunächst eine Kalibrierung, die mehrere Stunden in Anspruch nimmt.

Am komfortabelsten lassen sich die Wetterdaten im Browser anzeigen, da man hier auch mehrere Verlaufsgrafiken untereinander darstellen kann, um z.B. einen Bezug zwischen Außen- und Innentemperatur herstellen zu können. In den Apps wird immer nur ein Graph angezeigt.

Etwas ausbaufähig ist die App für Windows Phone, denn im Gegensatz zur Android-Version fehlen hier die Push-Nachrichten, die einen beim Erreichen bestimmter Schwellwerte eine Benachrichtigung auf dem Smartphone anzeigt.

Ein besonderes Gimmik der Netatmo-Station ist die Möglichkeit, Automatisierungen über den Internet-Dienst „If This Then That“ vornehmen zu können. IFTTT verbindet verschiedene Dienste miteinander, so dass man auf ein Ereignis hin bei dem einen eine bestimmte Aktion bei einem anderen auslösen kann. Konkret lässt sich im Zusammenhang mit der Netatmo Wetterstation z.B. festlegen, dass eine SMS an eine bestimmte Nummer gesendet werden soll, wenn die Temperatur eines Sensors einen bestimmten Wert erreicht oder unterschreitet.

Fazit

Die Netatmo Wetterstation macht einfach Spaß. Besonders die Verlaufsgrafiken gefallen mir, denn so lässt sich wunderbar sehen, wie sich das Wetter drinnen und draußen über den Tag hinweg verändert. Die CO2-Anzeige hingegen gibt mir ein wenig Rätsel auf, und ich weiß nicht so recht, inwieweit ich ihr trauen soll. Denn kaum betritt man den Raum, klettert der Wert unaufhörlich nach oben. Wer sich deswegen also Sorgen machen möchte, kann das ja gerne Ernst nehmen.

Ansonsten gefällt mir das zeitlose Design der Alu-Röhren. Ich hätte mir noch eine Innen-Anzeige gewünscht, so dass man nicht immer gezwungen ist, das Handy zu zücken.

Netatmo Wetterstation Starterkit

Netatmo Wetterstation Zusatzmodul Innenraumsensor

Netatmo Wetterstation Zusatzmodul Regensensor

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  1. Netatmo Regenmesser – Digitaler Regensensor für vernetzte Wetterstation | Der Technonaut

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