myTime

Online-Supermarkt für Lebensmittel

Der Online-Handel boomt und erschließt immer neue Geschäftsfelder. Waren es anfangs nur Elektronik-Artikel und Bücher, erledigt man heute (bisweilen laut schreiend) auch seine Schuh- und Kleidungskäufe per Internet. Selbst Möbel, die ja ohnehin geliefert werden müssen, kann man online ordern.

Ein großes Feld ist aber noch immer nicht vollständig beackert: Lebensmittel. Zwar hat Amazon vor ein paar Jahren großspurig angekündigt, hier einzusteigen, doch bis auf ein paar Konserven, Kekse und andere haltbare Dinge kann man kaum was dort bestellen – und dann ohnehin nur über Marketplace-Händler.

In das logistisch aufwändige Geschäft mit der leicht verderblichen Ware haben sich daher nur wenige Händler vor gewagt. Einen davon habe ich aus Neugierde vor kurzem selber einmal ausprobiert: myTime.de.

Anbieter

Hinter myTime.de steckt die Unternehmensgruppe Bünting, die hauptsächlich im Nordwesten Deutschlands mit Supermärkten unter den Namen Markant, Minipreis und familia vertreten sind. Mit myTime.de bieten sie nun seit April 2012 bundesweit das komplette Lebensmittelsortiment eines Supermarkts auf dem Versandweg an – immerhin rund 30.000 verschiedene Artikel. Als Vertriebspartner nutzt myTime DHL, die mit ihrer Express-Sparte eine schnelle Auslieferung garantieren sollen.

Angebot

Bei myTime findet man alles, was auch ein lokaler Supermarkt führt. Angefangen von Obst und Gemüse, Fleisch und Wurstwaren bis hin zu all dem, was man sonst in den Regalen so findet, bis hin zu Getränken. Es sind alle namhaften Markenprodukte vertreten, sowie diverse regionale Marken aus dem norddeutschen Raum. Hier und da gibt es kleine Lücken im Sortiment, aber das bewegt sich im selben Rahmen, wie man es auch von den lokalen Märkten her kennt, wo man ab und zu die bestimmte Müsli-Sorte nicht findet.

Verpackung

Die größte Herausforderung ist der Versand von Ware, die gekühlt werden muss. myTime verwendet hierzu Styropor-Boxen mit einer Wandstärke von rund 10cm. Diese Boxen werden in einem Pfandsystem für 5 Euro an den Kunden herausgegeben und können portofrei zurück geschickt werden. Das Pfand bekommt man mit der nächsten Bestellung gutgeschrieben oder direkt ausbezahlt.

Die Kühlung erfolgt durch Kühlakkus, die mit der Ware in die Boxen gelegt werden. Damit soll selbst Tiefkühlware unbeschadet die über 12stündige Reise mit dem Express-Kurier überstehen. Auf den ersten Blick kurios ist es, dass man einen Verpackungszuschlag zahlen muss, je weniger Kühlware man bestellt. Der Grund liegt aber darin, dass es eben nur die Standard-Kühlboxen in einer Größe gibt. Je mehr Luft sich in der Box befindet, desto mehr muss gekühlt werden. Das Phänomen kennt man vom Kühlschrank, der auch weniger verbraucht, je voller er ist.

Obst und Gemüse verpackt myTime in mit Holzwolle ausgepolsterten Pappkartons. Das ist durchaus pfiffig, denn nicht nur, dass die Obst- und Gemüsetücke dadurch gepolstert ist, die Holzwolle nimmt auch Feuchtigkeit auf, so dass hier nichts schwitzt oder angammeln kann.

Die übrige Ware wird mit konventionellem Polstermaterial bruchsicher verpackt, so dass nichts verrutschen kann.

Praxis

Bestellt habe ich einmal querbeet meinen gesamten Wocheneinkauf: Müsli, abgepacktes Brot (frisch gab es kein Vollkorn), Marmelade, Eier, Dosenfleisch, verschiedener Wurstaufschnitt, verschiedene Käsesorten, Fleischsalat, Joghurt, Kräuterquark, Paprika, Äpfel und Tomaten.

Die Auswahl über den Online-Shop war einfach und entspricht den gängigen Standards. Die Mengen werden direkt in den jeweiligen Verpackungseinheiten angegeben, bei loser Ware (z.B. Obst, Gemüse, Aufschnitt) in Stück oder Gewicht.

Statt eines Wunschtermins habe ich die schnellstmögliche Lieferung gewählt, am übernächsten Tag stand gegen 10 Uhr der DHL-Express-Bote vor der Tür. Unmittelbar nach dem Empfang habe ich als erstes ein Thermometer in die Kühlbox gehalten, das gerade so unter 10°C stehen geblieben ist. Das ist knapp über dem Grenzwert von 8°C, allerdings habe ich nicht die Kerntemperatur der Lebensmittel gemessen. Außerdem fand die Lieferung im Winter bei Außentemperaturen unter 10°C statt. Wie kalt die Ware im Sommer bleibt, kann man anhand dessen schwer sagen.

Alles war ordentlich verpackt, sogar die Eier hatten einzeln (!) nochmals eine kleine Papp-Banderole und waren unbeschädigt. Von den zehn bestellten Tomaten hatten jedoch zwei deutliche Druckstellen und waren eingerissen. Die Äpfel und Paprika waren einwandfrei. Die übrige Ware entsprach der Qualität, wie ich sie aus einem guten Supermarkt erwarte.

Nach dem Auspacken stapelte sich ein ordentlicher Haufen Verpackungen im Flur: Neben der Kühlbox gab es noch jede Menge Material, das zum Auspolstern der übrigen Teile verwendet wurde. myTime.de empfiehlt bei der Rückgabe der Kühlbox jedoch ausdrücklich, auch das übrige Verpackungsmaterial zurück zu senden. Sprich: Ich hab den Berg komplett wieder in das Versandpaket zurück getan und wieder zurück geschickt. Auf Wunsch lässt myTime.de die Sendung von DHL auch wieder abholen, was ich ebenfalls in Anspruch nahm.

Fazit

Ich werde sicherlich kein Stammkunde beim Online-Lebensmittelkauf werden. Nicht, weil ich mit der Lieferung unzufrieden war, sondern weil ich vor dem Hauptproblem stehe, dass ich das Paket persönlich entgehen nehmen muss. Wer also berufstätig ist, kann mit dem Online-Händler nicht viel anfangen. Immerhin kann man den Liefertag vorwählen, somit auch einen Samstag. Aber praktisch ist das nur, wenn man dann auch von 8 bis 13 Uhr zu Hause ist und auf den Postboten wartet.

Ich kann mir gut vorstellen, dass der Lebensmittel-Versand für Personen interessant ist, die das Haus nicht so ohne weiteres verlassen können oder zu weite Wege zum nächsten Supermarkt haben. Besonders schnell ist der virtuelle Einkauf auch nicht, denn die richtige Ware im Online-Shop auszusuchen, braucht auch seine Zeit. Allerdings kann man beim nächsten Einkauf die Produkte vom vorherigen übernehmen und sich Merkzettel anlegen, um das zu optimieren.

Dennoch war es zumindest für mich eine ungewohnte Erfahrung. Wenn ich in einen Supermarkt gehe, dann habe ich nicht immer einen komplett ausgearbeiteten Einkaufszettel dabei, sondern lasse mich von den Regalen durch die Warengruppen leiten, so dass mir währenddessen einfällt, was ich benötige. Das entfällt hier, das Durchstöbern der Liste ist ein wenig müßig.

Ansonsten hat mich die Qualität überzeugt, wobei ich schon gewusst hätte, wie gut die Kühl- und insbesondere Tiefkühlware im Sommer die Lieferung übersteht.

Link: www.mytime.de

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