Livescribe Echo Smartpen

digitaler Kugelschreiber zeichnet auf, was man schreibt

Wer häufig in Meetings oder Vorlesungen sitzt und das Besprochene oder Vorgetragene mitschreibt, steht immer wieder vor dem Problem des dabei abfallenden Papierbergs, der eben auch nur auf Papier bleibt. Wäre es nicht praktisch, die Notizen gleich digital am auf PC oder Tablet zu haben? Und hat man wirklich alles mitgeschrieben, was erzählt wurde? Die Smartpens von Livescribe lösen gleich beide Probleme: Sie digitalisieren die mitgeschriebenen Texte und zeichnen auf Wunsch währenddessen den Ton mit auf.

Technik

Hinter den Livescribe-Kugelschreibern steckt eine Anfang 2000 von der schwedischen Firma Anoto entwickelte Technik: Im Kopf des Stifts befindet sich neben der Kugelschreibermine eine kleine Kamera, die während des Schreibens das Papier „filmt“. Dort wiederum ist ein feines Punktraster zu finden, anhand dessen die Software des Stifts die genaue Position ermitteln kann. Der Trick dabei ist nun, dass im Gegensatz zu einer optischen Maus nicht nur die Bewegung bzw. die Änderung der Position erkannt wird, sondern die tatsächliche Position. Der Stift weiß immer, wo genau er auf dem Papier er sich befinden, selbst wenn man ihn absetzt, an anderer Stelle weiter schreibt oder bereits geschriebenes verbessert. Mehr noch: Der Stift erkennt sogar, auf welcher Seite man schreibt.

Ermöglicht wird das durch die spezielle Beschaffenheit des feinen Punktrasters. Die Punkte weichen minimal von der „Ideallinie“ des Rasters ab. Das sich daraus ergebende Muster wiederholt sich auf einer Fläche von mehreren Quadratkilometern nicht, so dass sich daraus ganze Bücher herstellen lassen, in denen der Anwender auf beliebige Seiten schreiben kann und stets die richtige Position erkannt wird.

Das hat natürlich zur Folge, dass der Eingabestift ausschließlich auf diesem speziellen Rasterpapier funktioniert. Und sie ahnen es sicher: Ja, das lässt sich der Hersteller selbstverständlich auch bezahlen. Das gute daran immerhin: Die angebotenen Notizbücher und -blöcke machen einen hochwertigen Eindruck, so dass man hier auch etwas geboten bekommt.

Es gibt auch andere digitale Stifte. Zum einen gibt es Modelle, bei denen man einen speziellen Empfänger an den Block oder die Schreibmappe anbringen muss. Deren Positionserkennung ist nicht besonders genau, zudem erkennen sie nicht, auf welcher Seite man schreibt. Ein Tablet-PC mit Eingabestift wäre auch eine Alternative. Doch auf einer Glasplatte mit einem Stylus zu schreiben, ist sehr gewöhnungsbedürftig.

Die Anoto-Technik mit den smarten Kugelschreiben gab es in den vergangenen 10 Jahren in zig Reinkarnationen. Nokia hatte eine Bluetooth-Variante angeboten, mit der man handschriftliche Texte per Handy verschicken konnte. Logitech bot eine komplette Notizbuch-Lösung an, die dem System von Livescribe sehr ähnelte. Und schließlich gibt es diverse Industrielösungen, die nicht für den Endkunden gedacht sind. Sei es ein digitaler Wahlzettel oder Formularerfassung für Kliniken. Denn dadurch, dass der Stift nun einmal die genaue Position kennt, eignet er sich perfekt dazu, Kästchen in Formularen auszufüllen und diese dann elektronisch weiter zu verarbeiten.

Seit ein paar Jahren versucht sich nun die US-amerikanische Firma Livescribe daran, die Anoto-Technik für Endkunden schmackhaft zu machen. Herausgekommen ist dabei der Echo Smartpen, der nun seit ein paar Jahren angeboten wird. Der Stift verfügt neben der Schrift-Aufzeichnung zusätzlich noch über Mikrofon und Lautsprecher, um parallel zu den Notizen den Ton mit aufnehmen zu können. Über ein kleines OLED-Display gibt sich der Stift zudem auskunftsfreudig und erlaubt sogar einige Gimmicks, wie z.B. ein Taschenrechner oder ein Übersetzer, aber dazu später.

Das besondere Highlight des Echo Smartpen ist zweifelsohne die Sprachaufzeichnung. Denn die Software des Stifts verknüpft die handschriftlichen Notizen mit der Tonspur. Man kann also nachträglich sehen und hören, was gleichzeitig geschrieben und aufgenommen wurde. Und das ist der eigentliche Clou: Denn so reicht es z.B. aus, sich nur Stichworte zu notieren, da man ja nachhören kann, was um das Stichwort herum gesprochen wurde.

Die Steuerung der Stift-Software erfolgt vollständig über auf dem Papier aufgedruckte Bedienelemente, auf die man mit der Kugelschreibermine tippt. Auf der Seite sind z.B. kleine „Tasten“ aufgedruckt, mit denen man die Aufnahme startet, beendet, Lesezeichen setzen oder an eine bestimmte Stelle springen kann. Das gleiche gilt auch für das Benutzermenü: Hier ist ein kleines Kreuz aufgedruckt, das man wie ein Steuerkreuz zum Navigieren durch das Menü verwendet. Auch gibt es – im Deckel der Notizbücher – einen aufgedruckten Taschenrechner, das Ergebnis wird dann im Display präsentiert.

Gibt man einen aufgezeichneten Text wieder, so kann man mit den besagten Steuertasten durch die Aufnahme springen. Aber es geht noch komfortabler: Tippt man während der Wiedergabe auf ein Wort in seinen handschriftlichen Notizen, so springt der Player an die Stelle in der Aufnahme, an der das Wort geschrieben wurde.

Varianten

Den Livescribe Smartpen gibt es mittlerweile in drei Varianten: Der Livescribe Echo ist zum Betrieb mit dem PC gedacht. Die aufgezeichneten Daten werden mittels USB-Anschluss zur Livescribe-Software übertragen und dort weiter verarbeitet. Der Livescribe Wifi kommt ohne PC aus, benötigt jedoch eine WLAN-Verbindung, über die er dann die Aufzeichnungen zu Evernote überträgt. Der neueste im Bunde ist der Livescribe 3, der nur noch mit Bluetooth 4.0 ausgestattet ist und derzeit ausschließlich mit iOS-Geräten (iPhone, iPad) kommuniziert. Auch verfügt er über kein Mikrofon mehr, die Sprachaufzeichnung erledigt die auf dem iOS-Gerät laufende App. Eine Unterstützung für Android und weitere Systeme ist angekündigt.

Getestet habe ich hier den Echo, da mir diese Lösung am universellsten erscheint. Dessen PC-Software ist auch am vielfältigsten, denn sie stellt einerseits die aufgezeichneten Notizen in einer digitalen Bibliothek dar, in der man dann auch auf den jeweiligen Seiten den Ton abspielen (und parallel sehen kann, was geschrieben wurde), sondern bietet auch den Export z.B. ins PDF-Format an. Auch ist ein automatischer Upload zu Evernote möglich.

Die PC-Software bietet überdies auch noch die Möglichkeit, auf einem geeigneten Laserdrucker sich selber Seiten mit dem Anoto-Punktraster auszudrucken. Das erspart einem den Kauf der etwas teureren Notizbücher. Allerdings funktioniert der Ausdruck nicht auf jedem Drucker. Empfohlen werden Laserdrucker der Marke OKI. Da ich ein solches Gerät im Büro zur Verfügung habe, konnte ich das auch ausprobieren: Funktioniert!

Texterkennung

Um eine Illusion direkt zu zerstören: Der Smartpen zeichnet die Handschrift auf, so wie man sie geschrieben hat – und mehr nicht. Das heißt, dass man anschließend eine 1:1-Kopie erhält, aber keine Umwandlung in Text. Dazu ist eine zusätzliche Software nötig, die man zumindest beim Echo noch nachträglich kaufen und einsetzen kann. Allerdings sind zumindest bei meiner Sauklaue die Ergebnisse eher bescheiden. Wenn ich mich jedoch bemühe, sauber und ordentlich zu schreiben, wandelt die Software die Notizen tatsächlich in weitestgehend korrekt formatierte Texte um. Sogar Tabellen und kann sie in begrenztem Maße erkennen, gekritzelte Diagramme werden als Grafik in den Text eingebunden.

Praxis

Der Stift liegt trotz seiner Dicke gut in der Hand. Vom Gefühl her erinnert er an einen dieser alten, hochwertigen Füllfederhalter. Vor dem Schreiben muss der Smartpen eingeschaltet werden – darf man nicht vergessen! Die Erkennung, dass man tatsächlich etwas schreibt, erfolgt über den Druck auf die Mine. Dabei kam es bei mir bisher zu keinen Problemen, besonders fest aufdrücken muss man nicht.

Möchte man den Ton parallel mit aufzeichnen, muss man zunächst auf dem Papierrand auf die Aufnahmetaste drücken. Im Display wird nun die Aufnahmezeit angezeigt. Das Gerät, das ich im Einsatz habe, hat 8 GB Speicherkapazität, was für unzählige Stunden Aufnahme ausreicht. Die Aufnahmequalität und -empfindlichkeit lässt sich übrigens einstellen.

Schreibt man während der Aufnahme fleißig mit, so nimmt der Smartpen unweigerlich die Schreibgeräusche mit auf, die sich dann als leichtes Kratzen bemerkbar machen. Allerdings sind sie so leise, dass sie die Verständlichkeit der Sprachaufnahme nicht beeinträchtigen. Der Smartpen verfügt neben dem eingebauten und erstaunlich verständlichen Lautsprecher auch über einen 3,5mm-Kopfhöreranschluss. Darüber offenbart sich die exzellente Aufnahmequalität, die auch in größeren Räumen mit mehreren Personen eine gute Wiedergabe ermöglicht.

Livescribe bietet zusätzlich noch ein paar „spezielle“ Ohrhörer an, in die noch Mikrofone integriert sind. Mit ihnen lassen sich bei der Aufnahme die Kratzgeräusche vermeiden – allerdings hat man dann ein Kabel am Stift baumeln. Dieses Problem umgeht der Livescribe 3, indem er die Aufnahme auf das externe Gerät auslagert.

Ich nutze den Echo Smartpen nun seit einem knappen Jahr regelmäßig in Besprechungen. Da ich mich schwer tue, alles wörtlich mitzuschreiben, ist die Tonaufzeichnung für mich die perfekte Gedächtnisstütze, um nach ein paar Wochen nochmal nachzuschauen bzw. zu hören, was genau nun eigentlich gesagt wurde. Das ist letztlich für mich auch der Haupteinsatzzweck.

Fazit

Der Livescribe Echo Smartpen ist für mich eine gute Unterstützung in Besprechungen, bei denen viele technische Details angesprochen werden, von denen man sich nur schwer alles merken oder gar aufschreiben kann. Ich schreibe dabei in Stichworten mit, die Details höre ich mir dann bei Bedarf nachträglich an. Auf eine Digitalisierung der Unterlagen verzichte ich in der Regel, da außer mir sowieso niemand mehr entziffern kann, was ich dort geschrieben habe. Die Akkulaufzeit und die Speicherkapzität des 8-GB-Modells haben mich bisher auch noch nicht im Stich gelassen.

Produktlink: Livescripe Smartpen

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