Lenovo Thinkpad 8 vs. Asus VivoTab 8

8-Zoll Tablets mit Windows 8.1 im Vergleich

Ist Windows eine Alternative zu iOS und Android auf dem Tablet-PC? Was kann man von der Touch-Oberfläche erwarten und wie schlägt es sich überhaupt in der Sofa- und Handtaschenfreundlichen 8-Zoll-Liga? Ich habe mir zwei Modelle angesehen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Auf der einen Seite das Thinkpad 8 als Vertreter der Oberliga, auf der anderen Seite das VivoTab 8 in der Mittelklasse. Beide Geräte laufen mit einem vollwertigen Windows 8.1 und werden von einem Intel Atom angetrieben.

Technik

Schon beim Auspacken spürt man, dass dort wo Thinkpad drauf steht, auch Thinkpad drin ist. Das Tablet aus dem Hause Lenovo fühlt sich toll an, die Materialanmutung und Verarbeitung ist hochwertig. Das Gehäuse ist aus schwarzem Aluminium, die Kanten sind für einen sicheren Griff gummiert.

Das VivoTab von Asus hingegen kann nur mit einem normalen Kunststoffgehäuse aufwarten, dass sich auch nur wie ein normales Kunststoffgehäuse darstellt. Die glatte Oberfläche lässt hier auch nicht den Hauch einer Wertigkeit aufkommen. Dafür gibt jedoch auch hier die Verarbeitungsqualität keinerlei Grund zur Beanstandung.

Beide Geräte verfügen nur über einen USB-Anschluss, über den sowohl geladen, als auch Verbindung zur Peripherie hergestellt wird – beim Thinkpad immerhin als USB 3.0. Zum Anschluss externer USB-Geräte ist ein USB-Host-Adapter notwendig, wer gleichzeitig auch noch das Tablet aufladen möchte, braucht einen weiteren Adapter. Getestet habe ich dies jedoch nicht.

Beide Tablets verfügen über Bluetooth und WLAN, auch hier ist das Thinkpad mit der Unterstützung des 5-GHz-Bandes wiederum im Vorteil. Das von mir getestete Modell verfügte zudem über ein integriertes LTE-Modem, sowie einem GPS-Empfänger. Diese Ausstattung ist jedoch modellabhängig.

VivoTabIn das Thinkpad hat Lenovo ein knackig scharfes und kaum blickwinkelabhängiges FullHD-Display mit 1920×1080 Pixel Auflösung integriert, beim Asus muss man sich mit 1280×800 und ein wenig Abstrichen beim Blick von der Seite begnügen. Dafür gibt’s hier jedoch einen drucksensitiven Wacom-Digitzer, der passende Stift ist seitlich im Gehäuse verstaut.

Das Thinkpad wird von einem Atom Z3770 befeuert, der auf vier Kernen mit 1,46 GHz läuft und kurzzeitig auf bis zu 2,4 GHz hochtakten kann. Der Z3740 des VivoTabs ist nur minimal schlechter: Sein Grunddakt beträgt 1,33 GHz, der Turbomodus geht bis 1,86 GHz. Beide Geräte sind fix mit 2 GB RAM ausgestattet, die Größe der SSD ist wiederum modellabhängig. Beide Geräte lassen sich per microSD-Karte erweitern.

Beide Geräte sind mit zwei Kameras ausgestattet, die hintere zum Fotografieren, die vordere für Videokonferenzen. Beim Thinkpad gibt es dazu hinten 8 Megapixel und einen LED-Blitz, beim ViviTab sind es nur magere 5 Megapixel ohne jedes Hilfslicht. Die Frontkameras sind von der Qualität her nicht der Rede wert, für Skype reicht’s. Als nettes Gimmik ist fürs Thinkpad ein Cover als Zubehör erhältlich, bei dem sich eine Ecke auf der Rückseite abknicken lässt, um die Sicht zur Kamera freizugeben. Gleichzeitig wird (mittels Magnetkontakt) die Kamera-App aktiviert.

Von den Lautsprechern beider Tablets lassen sich keinerlei Wunder erwarten. Jedoch schaffen es beide, eine akzeptable Tonwiedergabe und Lautstärke für den Betrieb in geschlossenen Räumen hinzubekommen. Selbstverständlich gibt es bei beiden einen Kopfhöreranschluss.

Als Bedienelemente ist bei beiden ein Einschalter und eine Lautstärkewippe vorhanden. Während beim Thinkpad die Windows-Taste, mit der sich das Kachel-Menü aufrufen lässt, auf der Vorderseite angebracht, beim Asus findet sich diese Taste unverständlicherweise an der Seite.

Die Geräte sind vorinstalliert und werden ohne Installationsmedien geliefert. Eine Neuinstallation ist theoretisch auch nicht notwendig, da Windows 8 eine Funktion besitzt, das System in den Auslieferungszustand zurück zu versetzen. Wie gut das im Fall eines Systemcrashs funktioniert, vermag ich an dieser Stelle nicht zu beurteilen. Wie üblich haben sich auf beiden Geräten die Hersteller mit allerlei vorinstallierten Tools verwirklicht, jedoch kann man weder in dem einen noch den anderen Fall davon sprechen, dass dies negativ auffallen würde.

Praxis

Zunächst ein paar generelle Worte zum Windows-System auf Tablets: Es funktioniert. Und so lange man sich nur in der Modern-UI bewegt, macht es auch richtig Spaß. Die wenigen Touch-Gesten, die dazu notwendig sind, hat man schnell erlernt, schon kann man mit wenigen Wischern zwischen den Anwendungen wechseln, sie auf dem Bildschirm aufteilen, durchs Startmenü wirbeln. Alles läuft flüssig, es ruckelt nichts, die Apps starten ohne merkliche Verzögerung.

Sehr viel mehr als Windows Phone leidet die Desktop-Version jedoch darunter, dass es im Vergleich zu iOS und Android zu wenig Apps gibt. Es werden zwar immer mehr, aber gerade namhafte Anbieter, wie z.B. Spotify glänzen im Windows-Appstore mit Abwesenheit. Das führt zwangsläufig dazu, dass man immer wieder auf den Windows-Desktop ausweichen muss, der hier ja nach wie vor vorhanden ist. Hier merkt man auch, dass Microsoft sich Mühe gegeben hat, auch die eigentlich für die Maus optimierte Oberfläche fingerfreundlicher zu gestalten. Systemanwendungen, der Datei-Explorer, usw. haben größere Schaltflächen bekommen, das Antippen von selbst kleinen Elementen, die auf dem Bildschirm nur wenige Millimeter groß sind, funktioniert erstaunlich gut – so lange diese halbwegs einsam sind. Stehen z.B. zwei Buttons oder Links direkt nebeneinander, ist es dann doch eher ein Geschicklichkeitsspiel.

An genau dieser Stelle hat sich Lenovo mit dem brillanten FullHD-Display selbst ein Bein gestellt. Stellt man den Windows-Desktop auf die native Auflösung von 1920×1080 ein, sind die Schrift und die Bedienelemente so winzig, dass man sie auf dem Bildschirm kaum noch erkennen, geschweige denn bedienen kann. Zwar lässt sich die Textgröße anpassen, jedoch führt das bei einigen Anwendungen zu hässlichen Skalierungsunschärfen. Diese Problematik kann mich nicht zwingend Windows anlasten, denn jede Anwendung muss selbst dafür sorgen, dass sie mit unterschiedlichen Auflösungen zurecht kommen muss, was die Sache jedoch nicht besser macht. Passt man die Darstellung auf dem Display so weit an, dass man alles bequem mit dem Finger antippen kann, sind manche Dialoge für den Bildschirm zu groß.

Hier kann das VivoTab von Asus mit seinem Digitizer punkten. Mit dem Wacom-Stift lässt sich präzise jeder Punkt treffen, mag er noch so klein sein. Ohne würde man sich hier genauso schwer tun. Um mal schnell ein paar Kleinigkeiten auf der klassischen Windows-Oberfläche zu erledigen, reichen die Finger aus. Aber nach kurzer Zeit holt man dann doch den Stift heraus – anders geht es nicht.

Der Eingabestift fungiert als Maus: Sobald man sich mit der Stiftspitze dem Bildschirm auf rund 1 cm nähert, blendet sich direkt darunter der Mauszeiger ein. Berührt man mit der Spitze den Bildschirm, wird die als linker Mausklick interpretiert. Für einen rechten Mausklick muss man entweder den Stift einen Moment gedrückt halten (gleiches gilt übrigens auch für die Finger-Bedienung) oder die am Stift angebrachte, aber leider schwer zu findende Taste gedrückt halten. Sobald der Mauszeiger eingeblendet ist, lässt sich der Touchscreen übrigens nicht mehr mit den Fingern bedienen. Damit ist es möglich, zum Schreiben oder Zeichnen die Hand mit dem Handballen auf der Bildschirmoberfläche abzustützen, ohne eine Fehlbedienung zu verursachen.

Möchte man Texte eingeben, bietet Windows 8.1 eine Bildschirmtastatur, die in der Modern UI automatisch eingeblendet wird, sobald man in ein Eingabefeld tippt. Auf dem Desktop muss man die Tastatur über ein Symbol in der Taskleiste manuell einschalten. Da die Tastatur dann in der Regel das darunter liegenden Fenster überdeckt, gibt eine Funktion, die selbiges nach oben in den sichtbaren Bereich verschiebt.

Obwohl das Asus-Tablet über einen langsameren Prozessor verfügt, merkt man im praktischen Umgang kaum etwas davon. Auf Benchmarks habe ich bewusst verzichtet, denn für mich zählt allein die Praxis. Ich käme ohnehin nicht auf die Idee, performancehungrige Anwendungen auf einem Tablet laufen zu lassen. Beide Geräte schaffen es ohne Probleme, Videos in der vollen Bildschirmauflösung wiederzugeben. Lediglich beim Asus kam es bei aus dem lokalen Netz gestreamten Videos ab und zu zu Aussetzern, was vermutlich dem langsameren WLAN-Chip geschuldet ist.

Dafür hat das VivoTab wiederum beim Akkuverbrauch die Nase vorn: Nicht nur auf dem Datenblatt hat es eine längere Ausdauer, auch in der Praxis merkt man das. Beim Thinkpad sinkt schon nach wenigen Stunden der Akkustand beträchtlich, so dass man ungeduldig nach dem Netzteil und seinem äußerst sperrigen USB3.0-Stecker fummelt. Das Asus hält hier einfach länger, wobei aber auch hier regelmäßiges Nachtanken angesagt ist. Das gilt insbesondere für den Standby-Betrieb, in den die Tablets schalten, wenn man den Ausschalter betätigt. Sie laufen dann auf Sparflamme weiter und haben nach spätestens zwei Tagen keinen Saft mehr. Da hilft es nur, sie bei längerem Nichtgebrauch komplett herunter zu fahren. Leider gibt es keine Ladestation für die Geräte, in die man sie wie das Schnurlostelefon oder die elektrische Zahnbürste nach Benutzung bequem stellen könnte.

Den Preisunterschied zwischen beiden Geräten merkt man auch mehr als deutlich beim Touchscreen. Während das Thinkpad eine fettabweisende und zumindest leicht entspiegelnd wirkende Beschichtung aufweist, ist das VivoTab ein Fingerabdruckmagnet. Schon nach kürzester Zeit ist es komplett verschmiert, so dass man zwangsläufig an sich selbst zu zweifeln beginnt, was für widerliche Wurstfinger man wohl hat. Auch beim Thinkpad sammeln sich mit der Zeit Fingerabdrücke, jedoch in einem erheblich geringeren Maße. Die Beschichtung (und die fehlenden Fettschlieren) führen beim Thinkpad auch dazu, dass der Finger bei den üblichen Touch-Gesten viel leichter über die Oberfläche gleitet.

Fazit

Ist Windows in der Tablet-Welt angekommen? Jaein! Die Modern-UI ist eine vollwertige Oberfläche für Touchscreen-Geräte, die eine flüssige und intuitive Bedienung ermöglich. Es mangelt hier jedoch an der Vielfalt an sinnvollen Apps bzw. speziell auf die Fingerbedienung angepassten Anwendungen. Bis dahin ist man leider immer wieder gezwungen, auf den klassischen Desktop zu wechseln, der meiner Meinung nach auf einem 8-Zoll-Display ohne Eingabestift nicht bedient werden kann. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn schon damals waren die kleinsten Bildschirme mindestens 14 Zoll groß – und die Auflösung noch viel geringer.

Zum Couchsurfen ist jedoch auch ein 8-Zoll-Gerät gut geeignet, denn E-Mail, Facebook, Browser, Kalender, und vieles, vieles mehr stehen in der Modern-UI zur Verfügung. Im Detail tun sich dann Lücken auf.

Die beiden von mir getesteten Geräte haben beide ihre Vor- und Nachteile. Es ist wieder einmal ärgerlich, dass die Hersteller bei beiden am falschen Ende gespart haben. Hätte Lenovo seinem Thinkpad 8 einen Digitizer spendiert, wäre es ein perfektes Gerät dieser Klasse. Hätte Asus die paar Euro für eine Anti-Fett-Beschichtung ausgegeben, so dass man nicht auf eine Displayschutzfolie zurückgreifen muss, wäre auch das VivoTab ein super Gerät seiner Preisklasse.

Das Thinkpad ist mit 64 GB derzeit für knapp 300 Euro zu haben, das VivoTab kostet mit 32 GB rund 200 Euro. Für das Geld bekommt man bei beiden ein gutes Tablet mit kleinen Schwächen.

Lenovo ThinkPad 8 20BN002QGE Intel Quad-Core, 2GB RAM, Full-HD IPS, 64GB Speicher, LTE, GPS

Asus VivoTab 8 M80TA-DL006H 20,3 cm (8 Zoll) Tablet-PC (Intel Atom Z3740, 1,3GHz, 2GB RAM, 32GB HDD

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