Kindle Paperwhite

einfacher und guter E-Book-Reader

Die digitale Revolution hat auch den Buchmarkt erreicht. Mit dem Kindle hat der allumfassende Versandhändler Amazon ein Zeichen gesetzt, an dem kein Verlag mittelfristig vorbei kommt. Doch lassen wir einmal die politischen und unternehmenswirtschaftlichen Grabenkriege beiseite und werfen einen Blick auf das Wunderkästchen, das nunmehr in der zweiten Version der zweiten Version vorliegt: der neue Kindle Paperwhite.

Technik

Wie alle richtigen E-Book-Reader, die keine verkappten Tablet-PCs sind, verfügt der Kindle Paperwhite über ein reflektives E-Ink-Display. Soll heißen: Der Bildschirm stellt seinen Inhalt nicht durch aktiv leuchtende Elemente dar, sondern reflektiert wie eine gedruckte Seite das Umgebungslicht. Die dahinter stehende Technik wirkt kurios: winzige, schwarzweiße Pulverpartikel werden durch ein elektromagnetisches Feld so ausgerichtet, dass z.B. schwarze Schrift auf einem weißen Hintergrund zu sehen ist. Das besondere dabei ist, dass dieser Prozess nur einmalig erfolgen muss. Sind die Partikel einmal ausgerichtet, bleiben sie in ihrer Position und das Pulver-Display behält ohne weitere Energiezufuhr seinen statischen Bildinhalt bei. Der Nachteil ist, dass solche Displays vergleichsweise langsam reagieren. Eine Darstellung von flüssigen Animationen oder gar Videos ist nicht möglich.

Das macht die E-Ink-Displays zu wahren Dauerläufern, weshalb es auch nicht weiter verwundert, dass die Lebensdauer einer Akku-Ladung bei durchschnittlicher Nutzung mit mehreren Wochen bis Monaten angegeben wird, da letztlich nur zum Umblättern Strom verbraucht wird.

Der Kindle Paperwhite hat gegenüber seinem Vorgänger ein Display mit einer leicht höheren Auflösung (212 ppi statt 167 ppi) und einem deutlich heller wirkenden Weißton. Erinnerte das alte Display noch an die grauen Seiten einer Tageszeitung, erscheint das des Paperwhite zumindest ansatzweise so hell wie das einer herkömmlichen, gebleichten Papierseite.

Zusätzlich hat Amazon dem Paperwhite noch eine LED-Beleuchtung spendiert, die im Rahmen integriert ist und das gesamte Display gleichmäßig ausleuchtet. Waren beim ersten Modell des Paperwhite hier noch insbesondere am unteren Bildschirmrand Unregelmäßigkeiten zu erkennen, ist der neue Paperwhite hier ohne Beanstandungen.

Weggefallen sind auch die Knöpfe am unteren Rand, so dass man den Kindle Paperwhite nun bequem anfassen kann. Bedient wird er vollständig über den Touchscreen, auch das Umblättern. Der einzig verbliebene Schalter ist die Power-Taste an der unteren Kante neben der USB-Ladebuchse.

Der Kindle Paperwhite wird in zwei Varianten angeboten: mit WLAN und zusätzlich noch mit einem 3G-Modul. Zweiteres Modell ist dadurch in der Lage, nahezu überall drahtlos Bücher aus dem Amazon-Shop herunterzuladen oder ein Online-Nachschlagewerk zu nutzen, ohne auf ein WLAN oder den Anschluss an den PC angewiesen zu sein. Ein Mobilfunkvertrag ist nicht notwendig, die SIM-Karte ist bereits integriert, die Kosten trägt Amazon.

Der Kindle Paperwhite ist etwas größer als ein Taschenbuch, aber kaum dicker als ein Bleistift. Mit seinen rund 200 Gramm liegt er gut in der Hand und wirkt zudem sehr stabil. Das Display ist mit einer leicht aufgerauten Folie versehen, die zum einen Reflexionen weitestgehend minimiert, zum anderen die Finger leicht über die Oberfläche gleiten lässt, was für die an der einen oder anderen Stelle benötigten Wischgesten von Vorteil ist.

Praxis

Wie nicht anders zu erwarten, ist die Inbetriebnahme des Kindle Paperwhite sehr leicht. Nach dem Einschalten wird man in einem Wizard durch die einzelnen Schritte geführt, verbindet sich nach bekanntem Muster mit einem WLAN und gibt seine Amazon-Kontodaten an. Viel mehr ist nicht zu tun. Schon kann man loslegen und entweder über den Kindle selbst oder am PC auf den Amazon-Seiten E-Books kaufen (oder leihen). Die Bücher automatisch auf den Kindle übertragen. Bücher, die man vom Gerät entfernt, bleiben in der Online-Bibliothek erhalten und lassen sich jederzeit erneut herunterladen.

Die Bedienung der Grundfunktionen ist simpel: Auf der Startseite bekommt man die verfügbaren Bücher mit ihren Cover-Bildern angezeigt. Durch Antippen wird das jeweilige Buch geöffnet und an der Seite aufgeschlagen, an der man es zuletzt verlassen hat.

Umgeblättert wird durch einfaches Antippen des Bildschirms, tippt man links am Rand, blättert der Kindle eine Seite zurück, tippt man an den oberen Rand, öffnet sich das Menü. Tippt man auf ein Wort und lässt den Finger dort einen Moment ruhen, wird es markiert. Die Markierung kann man nun durch einfaches Ziehen auf mehrere Wörter erweitern.

Der so markierte Text lässt sich nun wahlweise mit einer Anmerkung versehen (über eine eingeblendete Bildschirmtastatur), im Wörterbuch (sofern installiert) oder der Wikipedia (bei bestehender Online-Verbindung) nachschlagen.

Öffnet man das Menü über das Antippen des oberen Randes, wird eine Statuszeile eingeblendet, die voraussichtliche Zeit angezeigt, die man noch zum Fertiglesen des aktuellen Kapitels benötigt – eine wirklich praktische Funktion! Über das Menü kann man zudem ins Inhaltsverzeichnis des Buchs springen, die Lesezeichen verwalten und schließlich das Buch verlassen.

Als weitere Funktionen hat Amazon dem Kindle noch einen Vokabeltrainer spendiert, über den man die Wörter pauken kann, die man im Wörterbuch nachschlagen musste, sowie speziell für Kinder eine Art Belohnungssystem, das sie ermutigen soll, etwas mehr zu lesen. Mangels Interesse habe ich mir diese Funktionen jedoch nicht näher angeschaut.

Komplettiert wird der Funktionsumfang noch durch einen Web-Browser, den Amazon vorsichtshalber schon direkt im Menü als „Betaversion“ deklariert hat. Sofern eine Web-Site nicht über zu viel Schnickschnack verfügt, gelingt die Darstellung in der Regel auch recht gut. Die Bezeichnung „Beta“ trägt er jedoch zurecht, da er dann doch gelegentlich abstürzt oder hängen bleibt.

Die Textdarstellung erfolgt in einer einstellbaren Schriftart, sowie in während des Lesens veränderbaren Schriftgröße. Einzig die Fehlende Silbentrennung führt dazu, dass es bei zu großer Schrift zu hässlichen Umbrüchen und Lücken im Text kommt.

Inhalte

Die wohl brennendste Frage ist, woher man Lesestoff für den E-Book-Reader bekommt. War es bei früheren Modellen wohl nur möglich, auf die Amazon-Bibliothek zuzugreifen, sind die heutigen Kindle schon deutlich liberaler. Zum einen bietet Amazon selbst einen kurios anmutenden Service an, mit dem man eigene Inhalte auf das Gerät laden kann. Schickt man an eine für jedes Gerät individuell konfigurierbare E-Mail-Adresse ein Textdokument, wird es der eigenen Bibliothek hinzugefügt und automatisch auf den Kindle übertragen, was dann zwischen einer und zehn Minuten dauern kann. Unterstützt werden alle gängigen Dateiformate von Textverarbeitungsprogrammen, sowie PDF und den hauseigenen E-Book-Formaten.

Doch was ist mit E-Books aus anderen Quellen? Auch die lassen sich auf dem Kindle lesen, sofern sie nicht verschlüsselt sind. Das Zauberwort heißt Calibre – eine freie Software, die die Konvertierung zwischen den verschiedenen Formaten ermöglicht und auch die Kindle-Formate unterstützt.

Mit Calibre lassen sich zudem die eigenen E-Books komfortabel verwalten und zudem auf Wunsch auch anpassen, wenn z.B. das Coverbild nicht passt oder die Angaben über Autor, Titel, usw. nicht stimmen. Calibre unterstützt direkt den Versand der Dateien per E-Mail an die Kindle-Adresse oder den Abgleich per USB.

Zubehör

Ein Buch hat den Vorteil, dass es relativ robust und unempfindlich ist, was man von einem elektronischen Gerät nicht gerade behaupten kann. Empfehlenswert ist daher eine passende Hülle für den E-Book-Reader, die das Gerät schützt, so lange es nicht verwendet wird.

Amazon selbst bietet eine ausgesprochen schöne und wertige Hülle an, deren Deckel aus echtem Leder besteht und Rücken aus robustem Gummi, in den der Kindle nahtlos eingesetzt wird. Ein besonderer Clou: Schließt man den Deckel, schaltet sich der Kindle automatisch ab, öffnet man ihn, schaltet er sich ein. Für Neugierige: Im Deckel ist ein kleiner Magnet, im Kindle selbst rechts unten in der Ecke ein Reed-Kontakt.

Fazit

Der Kindle Paperwhite ist eine gelungene Weiterentwicklung des Kindle der ersten Generation. Die Schwächen des ungleichmäßig ausgeleuchteten Displays der ersten Serie sind zudem behoben.

Das Display ist ausgesprochen scharf, bei ausreichendem Umgebungslicht ist ein angenehmes Lesen möglich. Wird es zu dunkel, ist die zuschaltbare und manuell in der Helligkeit regelbare Beleuchtung eine echte Hilfe. Zu bemängeln ist hier lediglich, dass man im hellen Sonnenlicht nicht erkennt, ob man versehentlich noch die Beleuchtung eingeschaltet hat und damit unnötig Strom verbraucht. Bei eingeschalteter Beleuchtung merkt man auch den verblüffenden Unterschied zwischen dem Lesen auf einem rein reflektiven Display und einem selbst leuchtenden: Das Lesen mit Umgebungslicht ist spürbar weniger anstrengend.

Die Anschaffung der Hülle kann ich nur jedem wärmstens empfehlen, auch wenn man sie nicht gerade als Schnäppchen bezeichnen kann. Von Hüllen diverser Drittanbieter würde ich Abstand nehmen, denn nur die originale ist so passgenau, dass sich das Gerät nahtlos einfügt und perfekt geschützt ist. Das Lesen mit nach hinten umgeschlagenen Deckel ist zudem sehr angenehm.

Da der Kindle Paperwhite nicht allein auf das Angebot von Amazon angewiesen ist, sondern über die Software Calibre auch mit anderen E-Books bestückt werden kann, macht ihn besonders attraktiv – zumal Amazon ihn ja immer wieder zu regelrechten Kampfpreisen anbietet.

Kindle Paperwhite, neue Generation, WLAN

Kindle Paperwhite, neue Generation, WLAN + 3G

Kindle Paperwhite Lederhülle, verschiedene Farben

Diverse Vergleichsfotos des Kindle Paperwhite mit vorherigen Modellen und anderen Geräten

Calibre E-Book-Management-Software

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