Kenwood KDC-BT73DAB

Autoradio mit DAB+ und Bluetooth-Freisprechanlage

Das klassische Autoradio scheint immer mehr zu einem Nischenprodukt zu verkommen, seit die meisten Neufahrzeuge mit integrierten Unterhaltungssystemen ausgestattet werden. Doch die sind nach wenigen Jahren technisch so veraltet, dass es sich durchaus lohnt, einen Blick auf die aktuellen Autoradios zum Nachrüsten zu werfen.

Da aus meinem Wagen schon länger das vorgerüstete Modell rausgeflogen ist, habe ich nun ein Upgrade auf die neueste Generation mit digitalem Radioempfang DAB+ gewagt – und nicht bereut.

Technik

Zu Autoradios von Kenwood muss man eigentlich nicht viel sagen. Na, ich mach es trotzdem. Zur Grundausstattung des KDC-BT73DAB gehört zunächst einmal der gewohnt hervorragende analoge UKW-Tuner, sowie ein CD-Laufwerk, das auch Daten-CDs mit MP3-Dateien und anderen Formaten anspielt. Zusätzlich gibt’s zwei USB-Anschlüsse, von denen einer hinten an einem rund 50cm langen Kabel und der andere vorn hinter einer Blende gemeinsam mit einem 3,5mm-AUX-Eingang erreichbar ist. An die USB-Anschlüsse lasst sich auch ein iPhone oder iPod anschließen, der direkt als solcher erkannt wird und sich über das Radio steuern lässt.

Das „BT“ in der Typenbezeichnung steht für Bluetooth: Das Autoradio hat eine vollständige Bluetooth-Freisprechanlage von Parrot integriert, die auch das A2DP-Protokoll zur Wiedergabe von Musik ermöglicht. Ein Mikrofon mit ausreichend langem Kabel zur Montage am Seitenholm, Dach oder an der Lenkradsäule wird mitgeliefert.

Das Highlight des Radios ist klar der DAB+-Empfänger für das digitale Radio. Leider ist dafür eine zusätzliche Antenne notwendig. Zum Lieferumfang gehört daher eine recht unauffällige Scheibenantenne, die als Folie von innen an eines der Fenster geklebt wird. Das Antennenkabel ist lang genug, so dass auch eine Montage an der Heckscheibe möglich ist.

Das Radio verfügt klassisch über vier Lautsprecher-Anschlüsse, sowie über entsprechende Vorverstärkerausgänge, wenn man eine Endstufe direkt anschließen möchte. Ansonsten findet sich am Kabelbaum alles, was man bei einem Autoradio erwartet, inklusive einem Steuerkabel für fahrzeugspezifische Lenkradfernbedienungen. Dazu ist dann noch ein dem jeweiligen Fahrzeugtyp entsprechender Adapter notwendig. Zusätzlich lässt sich das KDC-BT73DAB auch per Infrarot steuern, entsprechende Fernbedienungen sind als Zubehör ebenfalls erhältlich.

Kenwood hat den Vorverstärker mit allerlei DSP-Spielereien ausgestattet, um das Klangbild den persönlichen Vorlieben und den jeweiligen Gegebenheiten anzupassen. Neben dem 13-Band-Equalizer und der obligatorischen Loundness-Funktion finden sich zudem noch Klangverbesserungsprogramme, die digitale Quellen aufmotzen oder das Klangbild gegenüber den typischen Hintergrundgeräuschen auf der Straße verbessern wollen („Highway Sound“).

Zweifelsohne interessant sind die schier unendlichen Einstellmöglichkeiten der Lautsprecher. Jeder der Ausgänge lässt sich an die Art und Position des angeschlossenen Lautsprechers einstellen. Wo früher ein schnöder Balance- und Fade-Regler ausreichten (die gibt’s hier auch noch), kommen jetzt Laufzeitkorrektur, Raumklang und dergleichen hinzu, die den Ton merklich in seiner virtuellen Position und Weite beeinflussen.

Das I-Tüpfelchen ist am Ende noch die variable Beleuchtung, deren Farbe sich weitestgehend optimal an die Instrumentenbeleuchtung im Fahrzeug anpassen lässt. Zwar gibt es auch alberne Spielereien, die die Farben im Takt der Musik „tanzen“ lassen, aber sowas braucht man nicht wirklich. Das grob aufgelöste, dreizeilige LCD lässt sich invertieren, wobei sich dies auch davon abhängig machen lässt, ob das Fahrzeuglicht eingeschaltet ist. Einen Lichtsensor, der die Beleuchtung an das Umgebungslicht anpasst, gibt es nicht.

Praxis

Wer schon einmal ein Kenwood-Autoradio aus den letzten Jahren besessen hat, findet sich auf Anhieb in den Menüs zurecht, wobei der Hersteller beim KDC-BT73DAB ein wenig entschlackt und die Bedienung etwas geradliniger gestaltet hat. Navigiert wird mit dem Lautstärkeregler, der angenehm solide in der Hand liegt und durch seine umlaufende Gummierung und den spürbaren Rasten einen hochwertigen Eindruck hinterlässt. Das Funktionsprinzip ist einfach: Drücken zum Bestätigen, drehen zum Blättern. Nur ab und zu weicht das Bedienkonzept innerhalb des Konfigurationsmenüs ein wenig ab, dann blättert man mit den daneben liegenden Tasten. Links neben dem Drehrad befindet sich die Zurück-Taste, die ansonsten zum Aufrufen der Senderspeicher oder der Titelsuche verwendet wird.

Die Ersteinrichtung insbesondere der umfangreichen Klang- und DSP-Optionen braucht Zeit. Erschwerend kommt hinzu, dass einige der Einstellungen für jede Tonquelle einzeln gewählt werden können bzw. müssen. Eine Übernahme der Voreinstellung gibt es leider nicht.

Radio

Die Montage der DAB-Klebeantenne ist auch für einen Laien möglich, sofern es das Fahrzeug zulässt. Die Antenne selbst ist eine rechtwinkelige Drahtschleife auf einer dünnen Kunststofffolie. Um die Montage zu erleichtern, liegt die Antenne auf einer stabileren Folie, die am Ende abgezogen wird. Angeschlossen wir die Antenne über eine kleine, schwarze Anschlussbox, die am Ende auf die Scheibe geklebt wird und Kontakt mit der Folienantenne hat. Zusätzlich muss ein Kontakt zur Karosserie per Metallfolie hergestellt werden. Dazu ist es notwendig, die Innenraumverkleidung abzunehmen. Wer sich das nicht zutraut, sollte da besser einen Fachmann ran lassen.

Der Empfang von digitalem Radio unterscheidet sich ein wenig von dem klassischen analogen UKW-Radio. Übertragen wird DAB in so genannten Ensembles. Das bedeutet, das auf einem Kanal mehrere Sender gebündelt sind, die man dann letztlich per Menü bequem auswählen kann. Der Sendersuchlauf fällt daher auch erfreulich kurz aus, da es nur relativ wenige Kanäle gibt, auf denen dann fünf bis zehn Sender verfügbar sind.

Kenwood hat sich für den optimalen Radioempfang beim KDC-BT73DAB etwas besonderes einfallen lassen: Reicht der DAB-Empfang nicht aus, schaltet das Radio auf die analoge UKW-Frequenz um, sofern der Sender auch dort verfügbar ist. Ein Problem dabei ist jedoch, dass die digitale und analoge Übertragung systembedingt minimal zeitversetzt stattfindet. Um dennoch einen nahtlosen und damit unhörbaren Übergang zwischen den beiden Empfangsarten zu ermöglichen, digitalisiert das Radio auch den analogen Empfang, speichert ihn zwischen, korrigiert den Zeitversatz und kann so beliebig von einer auf die andere Quelle umschalten.

Das funktioniert erstaunlich gut. Nur dann, wenn beide Empfangsarten stark gestört sind und man gerade frisch auf den Sender umgeschaltet hat, kommt es mal dazu, dass der Ton beim Umschalten springt. Sobald man jedoch einen Sender für kurze Zeit und mit ausreichender Empfangsqualität empfängt, funktioniert das Überblenden nahtlos.

Manchmal ist man verblüfft, wenn plötzlich typische UKW-Empfangsstörungen aus den Lautsprechern kommen – das Radio hat hier offensichtlich unbemerkt von digital nach analog umgeschaltet.

Ist kein analoger Sender als „Backup“ vorhanden, kommt es bei schwachem Digitalempfang unweigerlich zu Aussetzern. Das Radio blendet den Ton hier sanft ein und aus, so dass das abgehackte Signal nicht zu unangenehm erscheint.

Das Radio verfügt über die zwei Betriebsarten DAB und analog, zwischen denen man mit dem Quellen-Schalter wechseln kann. Bei beiden gibt es eine eigene Senderspeicherliste, die jeweils 18 Einträge aufnehmen kann. Sofern die entsprechende Funktion eingeschaltet ist, sucht sich das Radio in beiden Betriebsarten automatisch den besseren Empfang. Hat man also in der analogen Liste einen Sender, der auch digital zu empfangen ist, so wird der digitale Ton wiedergegeben. Eigentlich hätte man sich daher auch die separaten Betriebsarten sparen können.

Um die Sache noch weiter zu verwirren, gibt es eine eigene Liste „Mixed Preset“, in der man auf 6 Speicherplätze gemischt Sender aus DAB oder analogem Empfang legen kann. Der Sinn erschließt sich mir nicht so recht.

Freisprechanlage

Das KDC-BT73DAB ist eine vollwertige Telefon-Freisprechanlage, die vom französischen Spezialisten auf dem Gebiet Parrot stammt. Die Einrichtung klappt mit den meisten modernen Bluetooth-Handys problemlos, je nach Modell kann es jedoch Einschränkungen geben, daher sollte man vorher einen Blick in die Kompatibilitätsliste des Herstellers werfen.

Nach der Koppelung verbindet sich das Radio nach dem Einschalten automatisch mit dem Handy und lädt sich das Telefonbuch herunter. Dadurch ist es möglich, auch am Radio selbst eine Nummer aus dem Telefonbuch zu wählen, bzw. den Namen eines eingehenden Anrufers zu sehen.

Rufaufbau und Annahme kann komplett über die Bedienelemente des Radios erfolgen, für den Schnellzugriff auf die Telefonfunktionen gibt es eine eigene Taste. Der Ton des Gesprächs wird auf die Fahrzeuglautsprecher übertragen, die Echo-Unterdrückung leistet hervorragende Arbeit, die Gesprächsqualität ist exzellent.

Musikwiedergabe

Die Wiedergabefunktionen des KDC-BT73DAB sind weitestgehend vereinheitlicht. Sofern es die digitalen Quellen unterstützen, wird der Inhalt als Verzeichnis oder aufgeteilt in Interpret, Album, usw. dargestellt. Um diesen Komfort auch bei USB-Sticks zu ermöglichen, bietet Kenwood ein kleines Tool für den PC an, mit dem man den Inhalt des Sticks indizieren und in einer Art Datenbank ablegen kann, die dann vom Radio beim Zugriff gelesen wird.

Unterstützt werden die gängigen Musikformate, also MP3, AAC und WMA. Eine lückenlose Wiedergabe von digitalen Datenträgern ist nicht möglich, sondern nur bei Audio-CDs, vom iPod oder per Bluetooth-Streaming, wenn das das Handy mitmacht.

Vor- und Zurückspulen in digitalen Musikdateien ist leider quälend, da das Radio maximal in 10-Sekunden-Schritten springt und man die Vorspultaste daher lange gedrückt halten muss. Eine Beschleunigung dieser Schritte, wie man es von anderen Playern kennt, gibt es leider nicht.

Das Radio merkt sich beim Aus- oder Umschalten die letzte Wiedergabeposition und setzt beim erneuten Einschalten dieser Quelle dort wieder fort. Das funktioniert gut, auch bei Bluetooth-Quellen. Allerdings setzt es dort voraus, dass das Handy auch tatsächlich das fortsetzt, was man sich zuletzt angehört hat. Es kann leider passieren, dass der Wiedergabe-Befehl vom Handy falsch interpretiert wird. Hat man sich z.B. zuletzt einen Podcast über eine entsprechende App angehört, kann es passieren, dass beim Einschalten über das Radio nun der Musik-Player statt dessen gestartet wird, da die Podcast-App zwischenzeitlich geschlossen wurde, usw. Nunja.

Für Android bietet Kenwood zudem einen eigenen Music-Player an, der die Steuerungsfunktionen des Radios besser unterstützen soll – getestet habe ich das noch nicht.

Zusätzlich unterstützt das Radio eine für iOS und Android verfügbare App namens „aha Radio“. Dabei handelt es sich um eine Software, die neben klassischen Audioquellen auch Wetterbericht, Facebook-Nachrichten und dergleichen als „Radio“ anbietet – also von einem Sprachsynthesizer vorliest. Die Wiedergabe dieser „Kanäle“ lässt sich dann auch über das Radio steuern. Auch das habe ich noch nicht ausprobiert.

Fazit

Gegenüber meinem vorherigen Kenwood-Autoradio hat der Hersteller hier qualitativ wieder eine kleine Schippe draufgelegt. Zwar lässt sich das Frontpanel zum Diebstahlschutz abnehmen, aber diesmal wackelt hier nichts. Der zentrale Drehknopf ist wertig, die Tasten haben einen guten Druckpunkt.

Als wenig zeitgemäß empfinde ich das grobe Punktmatrix-LCD, das nur lächerliche drei Zeilen Text darstellen kann. Das ist ein klarer Rückschritt gegenüber vorherigen Modellen, wobei man letztlich sagen muss, dass dieses dreizeilige LCD immerhin gut ablesbar ist. Das gilt allerdings nur dann, wenn die Sonne nicht zu stark scheint, denn durch das gebogene Display-Glas kommt es je nach Einbauposition zu unschönen Reflexionen.

Abgesehen davon steht das Radio technisch auf der Höhe der Zeit. Die Klangeinstellungen erlauben beeindruckende Anpassungen, die sich im wahrsten Sinn des Wortes hören lassen können. Allein die exzellente Bluetooth-Freisprechanlage, die in diesem Fall ja bis auf das Anbringen des Mikrofons keine weitere Installation erfordert, rechtfertigt den Kauf eines solchen Radios allemal.

Der digitale Empfang entspricht meinen Erwartungen, die automatische Umschaltung übertrifft sie sogar und ermöglicht nahezu nahtloses Musikvergnügen.

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