Jabra Sports Pulse „Special Edition“

Bluetooth-Ohrhörer mit Herzfrequenzmessung

Als vor rund drei Jahren der Boom der Fitness-Gadgets so richtig an Fahrt aufgenommen hat, haben sich alle möglichen Hersteller die Frage gestellt, wie sie ihren Teil dazu beisteuern könnten. Im Hause GN Netcom, dem Unternehmen hinter der Marke Jabra, hat man sich sicherlich auch seine Gedanken gemacht und ist vermutlich zu dem Schluss gekommen, dass sie eben nicht den dreißigsten Fitness-Tracker fürs Handgelenk auf den Markt werfen wollen, sondern sich lieber auf das besinnen, was sie wirklich gut können: Headsets. Denn was machen Sportler unheimlich gerne? Richtig: Musik hören. Herausgekommen ist dabei ein Bluetooth-Headset mit Gimmick, das nicht nur zum Telefonieren und Musikhören taugt, sondern obendrein auch noch den Puls des Trägers messen kann.

Technik

jbsp3Die Jabra Sports Pulse unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht wesentlich von anderen kompakten Sport-In-Ear-Hörern: Man hat zwei Ohrstücke, die statt eines starren Bügels nur durch ein dünnes Kabel miteinander verbunden sind, das man lässig im Nacken trägt. Damit die Ohrpröppel auch sportlichen Betätigungen Stand halten, bohrt man sie nicht nur in den Gehörgang, sondern klemmt sie in der Ohrmuschel fest. Dazu gibt es im Lieferumfang vier verschieden große Passstücke, von denen man letztlich durch Ausprobieren das richtige finden muss.

Für die In-Ear-Hörer selbst legt Jabra nicht nur wie üblich drei verschiedene Größen Ohrpolster aus Silikon bei, sondern zusätzlich noch aus Memory-Schaum, vergleichbar mit den INAIRS, die ich kürzlich getestet habe. Die bieten nicht nur einen besseren Sitz, sondern schirmen das Ohr besser von Umgebungsgeräuschen ab und ermöglichen eine kräftigere Wiedergabe bei tiefen Tönen.

Der Pulsmesser ist im linken Modul untergebracht. Gemessen wird entgegen der Beschreibung nicht im Innenohr sondern in der Ohrmuschel außerhalb des Gehörgangs mittels eines optischen Sensors, der glücklicherweise im nicht sichtbaren Bereich arbeitet. Wer möchte denn schon nachts mit einem grün leuchtenden Ohr durch den Park rennen?

Verbunden wird der Jabra Sports Pulse per Bluetooth mit einem beliebigen bluetoothfähigen Zuspieler. Die Pulsmessung ist jedoch nur mit Smartphones mit iOS und Android möglich. Für diese beiden Systeme gibt es die Apps Jabra Connect und Jabra Sport Life, die man beide für die Ersteinrichtung installieren muss. Die Hauseigene Fitness-App Jabra Sport Life muss man anschließend nicht zwingend verwenden, da durch Jabra Connect das Headset auch als Pulsgurt von anderen Trainings-Apps erkannt wird.

Im Kabel ist an der rechten Seite eine Fernbedienung integriert, die zudem auch das Mikrofon für die Telefonfunktion enthält. Die Fernbedienung verfügt über nur drei Tasten: Play/Pause (bzw. Rufannahme), lauter, leiser. Weitere Funktionen werden durch Tastenkombinationen oder durch mehrmaliges bzw. längeres Drücken aufgerufen.

Direkt am linken Ohrhörer ist zudem noch eine weitere Taste angebracht, mit der man die Jabra-App starten und sich während des Trainings z.B. Statusansagen durchgeben lassen kann.

Alle wichtigen Zustände des Geräts bekommt man per Sprachansage durchgegeben. Ob die Bluetooth-Verbindung steht, die Herzfrequenzmessung läuft oder ob der Akku schwach ist. Auf der Innenseite des rechten Ohrhörers gibt es zudem eine kleine Status-LED. Dass sie auf der Innenseite angebracht ist, hat durchaus seinen Sinn: Denn sie braucht man nur dann, wenn man die Ohrhörer nicht aufgesetzt hat. Und hat man sie aufgesetzt, könnte man sie auch dann nicht sehen, wenn sie außen wäre. 😉

USB-Ladeanschluss
USB-Ladeanschluss

Im rechten Ohrhörer befindet sich unter dem Ohrpassstück eine Micro-USB-Buchse, über die der Akku geladen und bei Bedarf eine neue Firmware eingespielt werden kann. Das Laden ist ein bisschen fummelig, da man dazu erst das Polster beiseite schieben muss. Mit ein bisschen Übung klappt das aber ganz gut. Die Akkulaufzeit gibt der Hersteller mit 5 Stunden an, was auch realistisch ist.

Die man es von einem Sport-Headset mindestens erwartet, ist das Jabra Sports Pulse spritzwassergeschützt, so dass ihm Schweiß und Regen nichts ausmachen soll. Zum Schwimmen oder Duschen ist es jedoch nicht geeignet. Auf die Schweißresistenz gibt Jabra sogar drei Jahre Garantie.

Praxis

Zur Ersteinrichtung sollten auf iOS- und Android-Geräten zunächst die Jabra-Apps Connect und Sport Life installiert werden. Danach flutscht es von ganz alleine, wenn man den Anweisungen der App folgt: Lange den mittleren Knopf auf der Kabelfernbedienung drücken, die kleine Stimme im Ohr meldet, dass man die Bluetooth-Koppelung starten kann, Koppelung bestätigen, fertig. Da es sich um eine Fitness-App handelt, müssen hier dann noch die üblichen Körperdaten, wie Alter, Geschlecht und Gewicht angegeben werden. Beim Einrichtungsprozess fällt eines auf: da fehlt doch was. Wo meldet man sich an? Wie jetzt? Richtig: Nirgends. Es gibt kein Benutzerkonto und keine Jabra-Cloud, an die man seine Daten schicken muss. Die in der App erfassten Daten bleiben auch in der App. Immerhin ist ein CSV-Export vorgesehen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die App gliedert sich in drei Bereiche:

Kardio-Training

Hier sind alle Ausdauer-Sportarten zusammengefasst, wie z.B. Laufen, Rad fahren, Wandern, Spinning, etc. Gemessen wird dabei die Zeit, die Herzfrequenz und, sofern aktiviert, die zurückgelegte Strecke per GPS. Optional lässt sich hierbei ein Ziel vorgeben, bei dem sich aus Entfernung, Zeit, Pulszone, Geschwindigkeit, Kalorienverbauch oder einem Trainingseffekt wählen lässt. Ein Intervalltraining mit Vorgabe einer Geschwindigkeit über eine Zeitspanne ist ebenfalls einstellbar. Für Indoor-Trainings lässt sich das GPS-Tracking sinnvollerweise deaktivieren. Allerdings scheint es hier in der Android-Version der App einen Fehler zu geben, denn der Entfernungsmesser zählt dann auch bei völligem Stillstand langsam und stetig hoch.

Cross-Training

In der App sind bereits 13 Trainingszirkel hinterlegt, die sich aus verschiedenen Übungen, wie z.B. Kniebeugen, Liegestütz, usw., zusammensetzen. Insgesamt kennt die App rund 50 verschiedene Übungen, aus denen man sich auch eigene Zirkel zusammenstellen kann. Während des Trainings werden per Sprachausgabe dann die genauen Kommandos durchgegeben, wann man was ausführen soll, unterstützt mit kleinen Grafiken. Die jeweils letzten 5 Sekunden einer Übung werden zusätzlich angesagt. Aufgezeichnet wird hier ebenfalls wieder der Verlauf inklusive der Herzfrequenz.

Fitness-Test

Bei dem so genannten VO2max-Test soll das aktuelle Fitness-Level ermittelt werden. Der Test besteht letztlich aus einem Belastungs- und einem Entlastungs-Teil, bei dem dann gemessen wird, wie schnell die Herzfrequenz steigt und bei Beendigung wieder auf den Ruhepuls abfällt.

Nach abgeschlossenem Training kann man das Ergebnis speichern und auf Wunsch auch „teilen“. Die gespeicherten Trainings lassen sich anschließend über den Verlauf abrufen.

Es würde sich nicht um einen Sport-Headset handelt, wenn man nicht auch noch nebenbei Musik hören könnte. Dazu lässt sich direkt in der App der favorisierte Musik-Player einrichten, wie z.B. Spotify. Beginnt man ein Training, wird automatisch die Wiedergabe gestartet. Während der Sprachansagen wird die Musik leicht abgeblendet.

Die Wiedergabequalität der In-Ears bewegt sich auf überdurchschnittlichem Niveau im Vergleich mit anderen Modellen – insbesondere, wenn man die Ohrpolster aus Memory-Schaum verwendet. Die Schallisolierung gegenüber Umweltgeräuschen ist dann auch besonders gut. Das hat jedoch seine Vor- und Nachteile: Zwar steigt dadurch die Wiedergabequalität und man kann mit geringerer Lautstärke Musik hören, jedoch bekommt man nicht mehr viel von seiner Umgebung mit. Das sollte man bedenken, wenn man auf öffentlichen Straßen unterwegs ist.

Das kurze Kabel, das nur im Nacken liegt, überträgt kaum störende Geräusche an die Ohrhörer, so lange es nicht an irgend einem Jackenkragen scheuert. Das Kabel lässt sich jedoch auch etwas strammer anziehen, dazu liegen zwei verschieden farbige Clips mit bei – Geschmackssache.

Das Jabra Sports Pulse kann sich mit mehreren Bluetooth-Quellen verbinden – sogar gleichzeitig, wobei dann immer die zuletzt gestartete „gewinnt“. Die Verbindungsqualität selbst funktioniert tadellos, man kann sich sogar einige Meter vom Smartphone entfernen, bis die Verbindung schließlich abreißt.

Fazit

Das Headset macht insgesamt einen sehr soliden Eindruck, von der Verarbeitung, dem Tragekomfort und letztlich der Wiedergabequalität. Die Akkulaufzeit von rund fünf Stunden sollte für die meisten sportlichen Aktivitäten ausreichen.

Die Trainings-Taste am linken Ohrteil erweist sich manchmal als ein bisschen lästig, da man gerade beim Einsetzen gerne mal versehentlich drauf drückt. Die App Jabra Sports Life bietet eigentlich alles, was die Zielgruppe zum Training braucht. Allerdings funktioniert sie letztlich nur mit dem Jabra-Headset – wer ab und zu auch mal ohne Musik trainiert und dann gerne auf einen klassischen Pulsgurt zurückgreifen möchte, ist auf andere Apps angewiesen. Lobend erwähnt werden sollte hier in der Tat, dass es keinen Cloud-Zwang gibt.

Einigermaßen unverständlich ist, warum die übrigen Jabra-Apps, wie z.B. Jabra Assist oder Jabra Sound nicht mit dem Sports Pulse verwendet werden können.

Jabra Sport Pulse „Special Edition“ Wireless Bluetooth Kopfhörer

Jabra Sports Pulse

Jabra Sports Pulse
8.7

Audioqualität

9/10

Bedienung

8/10

Verarbeitung

9/10

Pro

  • Fester Sitz
  • Gute Qualität
  • Zuverlässige Pulsmessung
  • Gute Geräuschdämmung

Kontra

  • 5h Akkulaufzeit
  • Zu gute Geräuschdämmung

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen

Wenn Sie fortfahren, die Web-Site zu nutzen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Zurück