iRobot Braava Jet 240 Wischroboter

Putziges Kerlchen für kleine Räume

Putzen gehört nicht gerade zu meinen liebsten Freizeitbeschäftigungen, weshalb ich mir schon vor Jahren einen Staubsauger-Roboter zugelegt habe, der erstaunlich zuverlässig zumindest den gröbsten Alltagsschmutz aus der Wohnung beseitigt.

Was bleibt, ist das regelmäßige feuchte Wischen der verschiedenen glatten Böden. Das ist an sich zwar schnell mit der Hand erledigt, aber das ganze Drumherum mit dem nassen Feudel und der Tatsache, dass man sich am Ende dann doch immer irgendwie selbst den Weg abschneidet, ist dann doch ein wenig lästig.

Warum also nicht einen Wisch-Roboter dem trockenen Kollegen zur Seite stellen? Der US-amerikanische Pionier von Haushalts- und Rüstungsrobotern hatte dazu vor einigen Jahren bereits die Serie „Scooba“ auf den Markt gebracht, die im weitesten Sinne eine Adaption vorhandenen Roomba als Nass-Sauger darstellte. Die Technik war jedoch aufwendig und wartungsintensiv: Der Auffangbehälter bzw. -beutel des Schmutzwassers musste gereinigt und regelmäßig ersetzt werden.

iRobot hat das letztlich selbst erkennen müssen und sich vom Nass-Sauger-System verabschiedet und statt dessen mit der Serie Braava reine Wisch-Roboter vorgestellt, die lediglich mit einem Putztuch den Boden reinigen – trocken oder feucht. Für große Flächen bis zu 90m² gibt es den großen iRobot Braava 390t, für Räume bis 25 m² den kleineren iRobot Braava Jet 240. Für letzteren habe ich mich entschieden, da ich ihn vornehmlich für Küche und Bad benutzen möchte.

Technik

Im Gegensatz zu den Staubsauger-Robotern ist der Braava schon fast als primitiv zu bezeichnen. Er besteht aus einem rechteckigen Gehäuse, das außer einer zurück federnden Stoßstange vorn und den obligatorischen Treppenabsturzsensoren an der Unterkante komplett ohne weitere Außensensoren auskommt.

Über die gesamte Breite auf der Unterseite befindet sich die Halterung für das wechselbare Wischtuch, das einfach seitlich eingesteckt wird und dann links und rechts ein wenig übersteht. Angetrieben wird der Braava Jet durch zwei große, profilierte Räder aus weichem Gummi.

Da der Braava Jet dazu gedacht ist, in verschiedenen Räumen separat genutzt zu werden, hat der Hersteller auf eine feste Ladestation verzichtet, wie man sie von den anderen Geräten her kennt. Statt dessen hat der Braava Jet hinten einen leicht zu entnehmenden Wechselakku, den man nach der Benutzung in das Steckerladegerät steckt.

Auf der Oberseite gibt es nur einen großen Taster, sowie zwei im weißen Gehäuse versteckte Kontrollleuchten. Unter einer breiten Klappe, die gleichzeitig den Tragegriff des knapp 1 kg schweren Wischroboters darstellt, befindet sich die auslaufsicher verschließbare Öffnung des Wassertanks.

Das Wischwasser sprüht der Braava Jet über eine kleine Spritzdüse direkt vor sich auf den Boden und nimmt es anschließend mit dem Wischtuch auf. Abgegeben werden immer nur einzelne Sprühstöße.

Die Farbe des Wischtuchs bestimmt das Reinigungsprogramm: weiß = trocken, orange = feucht mit geraden Bahnen, hellblau = nass mit seitlichen Wischbewegungen

Der Braava Jet kann mit unterschiedlichen Wischtüchern bestückt werden, die gleichzeitig auch den Betriebsmodus bestimmen: Es gibt eine Art Staubtuch für eine reine Trockenreinigung, sowie zwei verschieden farbige Feuchttücher, die ansonsten identisch sind. Mit dem hellblauen Tuch vollführt der Braava Jet jedoch abwechselnd seitliche Vor- und Zurückbewegungen, so wie man auch selbst einen Wischmopp führt. Mit dem orangefarbenen Tuch hingegen fährt er nur gerade Bahnen. Gedacht ist diese Unterscheidung um die Intensität und auch die Dauer der Reinigung bestimmen zu können.

Welches Tuch man gerade einsetzt erkennt das Gerät an einem in der Halterung des Tuchs eingestanzten Loch.

Erhältlich sind Mikrofasertücher, die man nach der Nutzung per Hand oder in der Maschine auswaschen kann. Wem selbst das zu viel Arbeit ist oder wer den verschmutzten Lappen nicht anfassen möchte, kann auch zu den Einwegtüchern aus Zellstoff greifen, die nach der Nutzung einfach in den Mülleimer geworfen werden – praktischerweise über einen Auswurfknopf, so dass sich hier niemand die Finger schmutzig machen muss.

Der Braava putzt den Boden übrigens weitestgehend mechanisch: Während des Putzvorgangs vibriert das Tuch permanent, hinzu fährt er je nach Programm immer wieder vor und zurück. Die Einwegtücher sind außerdem mit einem leichten Reinigungsmittel versetzt, das sich durch die aufgenommene Feuchtigkeit löst. Bei den Mehrwegtüchern kann man sich damit behelfen, dass man sie entweder direkt mit einem Spritzer Universalreiniger versieht oder diesen einfach auf den Boden schüttet, so dass es unterwegs aufgenommen wird. In den Wassertank des Braava darf übrigens kein Reinigungsmittel, da dies die Düse verstopfen könnte.

Wie könnte es auch anders sein: Zum Braava Jet gibt es auch eine Smartphone-App (für iOS und Android), über die man das Reinigungsprogramm starten und stoppen, sowie ein paar wenige Grundeinstellungen ändern kann, wie z.B. die zu verwendende Wassermenge. Eine echte Fernsteuerung gibt es nicht, die Verbindung wird ohnehin nur zwischen dem Smartphone und dem Braava direkt per Bluetooth aufgebaut und reißt bereits nach wenigen Metern ab.

Die von den Saugrobotern bekannten Infrarot-Lichtschranken zum Abgrenzen von Räumen oder Bereichen gibt es für den Braava nicht. Es ist lediglich möglich, über die App oder durch langes Drücken der Starttaste eine „virtual Wall“ einzurichten, die als gerade Linie nach links und rechts vom Startpunkt des Geräts aus gezogen wird. Über diese gedachte Linie wird der Braava anschließend nicht fahren und sich nur auf den Bereich vor ihm konzentrieren. Das ist praktisch, wenn man z.B. keine Türe schließen kann oder nur eine Hälfte des Raums bearbeiten lassen möchte.

Praxis

Der Braava Jet ist schnell betriebsbereit: Unterm Wasserhahn den Tank auffüllen, Akku einsetzen, das gewünschte Tuch einklinken und los geht’s. Aber halt: Von meinem Roomba Staubsaugerroboter bin ich es gewohnt, dass ich ihn von der Ladestation starten lasse, und er sucht sich seinen Weg mehr oder weniger chaotisch selbst. Der Braava unterscheidet sich hier grundlegend, da er in einem festgelegten Muster mit gleichmäßigen Bahnen den Raum abfährt. Dabei orientiert er sich zunächst erst einmal nach rechts, weshalb man ihn in einer Zimmerecke starten sollte, so dass sich links und hinter ihm eine Wand befinden. Von dort aus fährt er dann rund 5 m geradeaus, dreht sich um 180° nach rechts herum wischt dann Bahn für Bahn die gesamte Fläche. Ist der Raum länger als 5 m, dann nimmt er sich den ausgelassen Teil anschließend an, sowie auch den Bereich links von seiner Startposition. Die bereits gewischte Fläche wird im Anschluss ein zweites Mal quer zu den vorherigen Bahnen abgefahren.

Wände und Möbel erkennt der Braava ausschließlich durch Berührung. Die nicht weiter gepolsterte Stoßstange aus Kunststoff klappert dabei mit einem hohlen Geräusch gegen das Hindernis, aufgrund der geringen Geschwindigkeit sind jedoch keine Beschädigungen zu befürchten. Hat der Braava einmal ein Hindernis berührt, so nähert er sich der Stelle bei der nächsten Wischbahn mit verminderter Geschwindigkeit. Um Tischbeine und frei stehende Möbelstücke tastet sich der Wischroboter langsam herum, Wände werden so nach wie möglich abgefahren. Die Genauigkeit, mit der das Maschinchen sich anscheinend hier eine Navigationskarte aufbaut, ist verblüffend und kommt nur selten aus dem Tritt. Selbst dann, wenn er sich in einen Engpass manövriert hat und sich scheinbar nur mit Mühe wieder befreien kann. In der Regel steht der Braava Jet nach getaner Arbeit wieder an seinem Ausgangspunkt, selbst in verwinkelten und mit Möbeln zugestellten Räumen und quittiert dies mit einem Signalton.

Eine der brennendsten Fragen dürfte sich jeder stellen: Wenn der Braava das Wischwasser vor sich auf den Boden sprüht, wie verhindert er, dass er dabei nicht versehentlich Möbel oder Wände anspritzt? Die Antwort ist so einfach wie genial: Bevor der Braava einen Sprühstoß auslöst, fährt er immer um eine ganze Länge rückwärts. Das Wasser kann demnach nur auf dem Stück Boden landen, auf dem er selbst eben noch stand. Clever, oder? Allerdings kann es passieren, dass er locker herab hängende Gardinen oder Decken, die beim „antasten“ keinen Widerstand leisten, nicht sauber erkennt und dann doch anspuckt.

Der Akku wird im Steckerladegerät aufgeladen und reicht locker für einen 25m²-Raum aus.

Der Akku ist erstaunlich leistungsstark. In meiner Wohnung mit Räumen zwischen 5 und 30 m² hat der Braava bisher noch nie vorzeitig wegen eines leeren Akkus abbrechen müssen. Vom Wassertank kann man das jedoch leider nicht sagen: Offensichtlich verfügt das Gerät über keinen Füllstandssensor. So kann es bei größeren Räumen passieren, dass ihm irgendwann das Wasser ausgeht, er aber fröhlich weiter arbeitet. Über die App lässt sich jedoch in drei Stufen einstellen, wieviel Wasser genutzt werden soll. Nachdem ich die Menge von den Werkseinstellungen auf die nächst kleinere umgestellt habe, hat der Braava auch bei meinem größten Raum bis zum Schluss noch sprühen können. Dass das Reinigungsergebnis dadurch gelitten hätte, kann ich subjektiv nicht behaupten.

Apropos Reinigungsergebnis: Der Braava weiß nicht, wie schmutzig der Boden ist. Somit gibt es auch kein automatisches Intensiv-Reinigungsprogramm für Flecken oder stark verschmutzte Stellen. Da das Reinigungstuch auch nicht zwischendurch ausgewaschen wird, ist die Menge an Schmutz ohnehin begrenzt, die ein solches Gerät aufnehmen kann. Den dicken Klecks Nutella würde er daher eher gleichmäßig verteilen, als es sauber aufzuwischen. Der Wischroboter eignet sich daher mehr für die regelmäßige Reinigung von leicht verschmutzten Böden und erledigt hier auch einen guten Job. Genauso wie beim Saugroboter gibt es aufgrund der Größe und Beweglichkeit des Geräts auch hier Stellen, die er nicht erreichen kann. Der Braava Jet ist jedoch so schmal, dass er in der Regel auch diese typischen Engstellen im Bad zwischen Toilette und Wand erreicht.

Fazit

Der iRobot Braava Jet 240 nimmt einem das lästige Aufwischen nicht vollständig ab, jedoch reduziert er den Aufwand deutlich, da man mit ihm für eine gewisse Grundsauberkeit sorgen kann. Die Handhabung ist denkbar einfach, und man muss sich nicht mit Schmutzwasser, Putzhandschuhen und Lappen herum schlagen. Ich lassen den Kleinen einfach morgens vorm Verlassen des Hauses in Küche oder Bad los laufen, wenn man zurück ist, hat man einen ordentlich geputzten Boden.

Für Küche und Bad nutze ich eines der „blauen“ Mikrofasertücher, die ich nach Gebrauch in einem Korb sammle und dann regelmäßig in der Maschine wasche. Fürs Laminat im Wohnzimmer greife ich zu den Einwegtüchern, die sich in meinen Augen für größere Flächen etwas besser eignen.

Noch ein Tipp: Die von diversen Anbietern aus Fernost preiswert angebotenen Mehrwegtücher stehen dem mit rund 20 Euro in meinen Augen leicht überteuerten Original-Tuch von iRobot in nichts nach. Da lohnt es sich, gleich einen ganzen Stapel zu kaufen, um stets saubere Tücher im Schrank zu haben. 

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iRobot Braava Jet 240

8.5

Reinigungsergebnis

7.5/10

Akulaufzeit

10.0/10

Lautstärke

8.0/10

Pro

  • Einfache Handhabung
  • Gute Navigation
  • Gute Objekterkennung
  • Akku reicht für mehr als einen Raum

Kontra

  • Wasservorrat reicht in Werkseinstellung nicht für große Räume
  • Stoßstange klappert laut gegen Hindernisse
  • Verfährt sich manchmal

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