Huawei Mediapad

Eleganter 7-Zoll Tablet-PC

Nach dem Reinfall mit einem französischen Billig-Tablet möchte ich es nochmal wissen und starte einen neuen Versuch, mir ein kleines, handliches Android-Tablet zuzulegen. Die Wahl fiel auf das Huawei Mediapad, auch wenn der (noch) recht unbekannte Name abschreckend wirken könnte. Doch weit gefehlt: Das Mediapad entpuppt sich als solides Tablet, das einfach Spaß macht.

Ausstattung

Das Huawei Mediapad hat einen 7 Zoll großen Bildschirm und ist damit etwa halb so groß wie das iPad. Ich persönlich halte diese Größe für ideal, denn so lässt sich das Gerät auch problemlos mitnehmen, ohne dass es zu dick aufträgt. Der Bildschirm ist das Highlight des Mediapads, denn er hat stolze 1280×800 Pixel Auflösung und kommt damit in die Nähe des neuen hochauflösenden Retina-Displays des Platzhirsch aus Cupertino.

Der interne Speicher des Mediapad misst nur magere 8 GB. Da jedoch ein MicroSD-Karteneinschub vorhanden ist, lässt sich dieses kleine Manko leicht beseitigen. 32 GB sollen in jedem Fall funktionieren, es ist zu lesen, dass es auch 64-GB-Karten annimmt – habe ich bisher noch nicht selbst getestet. Ich hab eine 16er drin und die ist nicht einmal halb voll. Wem das nicht reicht, der kann über den USB-Host-Anschluss mit Hilfe eines USB-OTG-Adapters beliebige Speichermedien anschließen – inklusive USB-Stick und Festplatten.

Neben einem WLAN-Modul im n-Standard hat Huawei dem Mediapad auch noch ein UMTS-Modul spendiert, was bei den Wettbewerbern in der Regel ordentlich Aufpreis kostet. Gespart haben sie allerdings bei den Kameras. Davon sind wie üblich zwei verbaut: Vorn eine niedrig auflösende für Videotelefonie, hinten ein 5-Megapixel-Modell zum Fotografieren. Die Bildqualität ist jedoch recht bescheiden und auf dem Niveau von mittleren Handy-Kameras.

Im inneren werkelt ein S7-Zweikernprozessor mit 1,2 GHz Taktfrequenz, dem 1 GB RAM zur Verfügung steht. Die flüssige Videowiedergabe bis 1080p wird vom Grafikchip unterstützt.

Das Gehäuse des Huawei Mediapad besteht aus Aluminium, die Front vollständig aus Glas, das allerdings nicht entspiegelt ist. Wer das Gerät zum ersten Mal sieht, könnte meinen, Apple hatte hier seine Finger im Spiel. Bemerkenswert, dass Samsung den Vertrieb von Tablet-PCs mit runden Ecken verboten bekommt, Huawei sich aber anscheinend ungestraft an das Design des iPhone 4 anlehnen darf.

An den Kanten sind bauarttypisch die Bedienelemente und Schnittstellen untergebracht: Links der Kopfhöreranschluss nebst zwei Laustprecheröffnungen, oben der Ein-/Ausschalter und Lautstärkeregler, rechts die Ladebuchse, USB-Anschluss und HDMI-Ausgang. Auf der Rückseite unter einer recht schwergänggen Kunststoffabdeckung sind microSD- und SIM-Karte verstaut.

Software

Noch bevor ich das Gerät nennenswert gestestet habe, war zunächst einmal das von Huawei seit April angebotene Update auf Andoid 4.03 „Ice Cream Sandwich“ fällig. Damit sind dann auch die in den älteren Testberichten auftauchenden Schwächen in der oft stockenden Bedienung behoben.

Zu Android ICS müsste ich eigentlich einen eigenen Artikel schreiben. Gegenüber „Honeycomb“ zeigt es zahlreiche Detailverbesserungen, das grundlegende Bedienkonzept ist geblieben. Am unteren Rand hat man eine Statusleiste, mit links drei Softkeys (Zurück, Home und Tasks) und rechts der Uhrzeit nebst Info-Symbolen. Mit ein wenig Eingewöhnung findet man sich sofort zurecht.

Über den Google Play Store sind schnell diverse Apps installieren – und bei den meisten auch genauso schnell wieder deinstallieren, denn vieles, was da angeboten wird, ist einfach kaum zu gebrauchen. Es ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, wenn man eine bestimmte Funktion vermisst.

Grundsätzlich kommt das Mediapad mit einer Basisausstattung daher: E-Mail funktioniert – wahlweise Google-Mail oder beliebige andere Konten. Ein Kalender ist auch vorhanden, der allerdings auch wieder an Google gekoppelt ist. Angenehm ist, dass Huawei eine App spendiert, die das Anzeigen und Bearbeiten von Office-Dokumenten ermöglicht. Sehr gut.

Beim Browser hat man die Qual der Wahl. Neben dem Standard-Browser bietet Google seit kurzem auch Chrome an, wobei sich mir hier der Unterschied nicht wirklich erschließt. Ich verwende meistens Opera Mobile, aber das ist reine Geschmackssache.

Unbegreiflich ist mir hingegen, dass es offensichltlich keine Google-App gibt, die das Fotoalbum mit Picasa verbindet, bzw. die Picasa-Alben aufs Gerät holt. War da nicht mal irgendwas mit „alles in der Cloud“? Zwar gibt es zahlreiche Drittanbieter-Apps für Picasa, doch die habe ich zunächst mal links liegen gelassen.

Netzwerk

Verblüfft war ich, dass Android von Hause aus keine Tools zur Netzwerk-Konnektivität mitbringt, so dass man auch hier wiederum auf Apps angewiesen ist. Wer also auf Fotos, Musik und Videos aus dem Heimnetzwerk zugreifen möchte, der ist auf die explizite Unterstützung der jeweiligen Anwendungen angewiesen. Der mitgelieferte Bildbetrachter und Videoplayer verweigern dies vehement.

Noch abenteuerlicher wird das Thema VPN: Zwar bietet Android ab Version 4 von Hause aus VPN-Unterstützung, jedoch hängt dies von einem unscheinbaren Modul namens tun.ko ab, das den verschlüsselten IP-Tunnel herstellt. Aus mir nicht begreiflichen Gründen ist dieses Modul im von Huawei zur Verfügung gestellten Image nicht aktiviert. Nachträglich aktivieren lässt es sich nur mit Root-Rechten, die man ohne Hack nicht hat.

Mit einer Drittanbieter-App und viel Friemelei lässt sich auch ohne Root-Rechte ein VPN-Zugang herstellen. Doch hier habe ich es nicht hinbekommen, auf die Netzwerkfreigaben in meinem privaten Netz zuzugreifen. Weiß der Geier, was da faul ist.

Multimedia

Das Mediapad eignet sich aufgrund seiner hohen Auflösung auch hervorragend als Videospieler. Allerdings funktioniert die Hardware-Beschleunigung nicht mit allen Codecs. So lange es sich um MPEG oder H.264 handelt, ist alles in Ordnung. Dann werden selbst Full-HD-Videos flüssig wiedergegeben. WMV hingegen funktioniert nur mit Software-Decoder, und da ist der 1,2-GHz-Prozessor schnell am Ende.

Für Youtube bringt Android eine eigene App mit. Die Wiedergabe ist auch hier einwandfrei. In einigen Browsern funktioniert auch die eingebettete Darstellung, allerdings kommt es hier bisweilen zu kleineren Problemen, so dass z.B. kein Bild dargestellt wird.

Kommunikation

Das Mediapad eignet sich aufgrund seiner Größe bestens als Kommunikationsmaschine, da selbst das schreiben auf der Bildschirmtastatur (im Querformat) durchaus praktikabel ist. Richtig Spaß macht es allerdings erst, wenn man eine externe Tastatur angschlossen hat: Die Auswahl an Bluetooth-Keyboards ist ja groß. Allerdings hat Huawei hier versäumt, einen Tastaturtreiber mit deutschem Layout anzubieten. Dass sowas bei Android nicht standardmäßig dabei ist, verstehe ich auch nicht. Immerhin gibt es eine Drittanbieter-App, die die korrekte Tastenanordnung übernimmt, wenn auch nicht kostenlos.

Telefonieren lässt sich mit dem Mediapad übrigens auch. Zwar sind die Telefonfunktionen nicht so präsent wie bei echten Android-Handys, aber über die Telefon-App lässt sich die Wähltastatur einblenden und das Tablet als Telefon verwenden. Da das Mediapad über keinen „Hörer“ verfügt, geht das nur im Freisprechmodus oder per angeschlossenen Headset. SMS, MMS, usw. funktionieren tadellos.

Richtig Spaß machen all die verschiedenen Messenger-Apps, inklusive Skype. Hier funktioniert auch die Videotelefonie, wenn, ja wenn da nicht ein hässlicher Bug wäre: Das eigene Video sieht der Gesprächspartner leicht verzerrt und mit extremen Grünstich. Laut diversen Forenbeiträgen scheint dies jedoch kein Fehler des Mediapads zu sein, sondern vielmehr von Android 4.0, bei dem ein fehlerhafter Codec mitgeliefert wird. Denn die Anzeige des eigenen Videobildes ist einwandfrei, erst das übertragene zeigt die Fehler. Warum Skype so lange braucht, um dafür ein Update zu liefern, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls sollen auch andere Android-4-Geräte denselben Fehler aufweisen.

Wer eine Fritz!Box zu Hause hat, kann sein Android-Gerät auch als Heim-Telefon verwenden. Dabei wird die Telefonie-Verbindung per WLAN hergestellt. Das funktioniert auch gut, man hat zudem noch Zugriff auf allerlei Komfort-Funktionen der Box.

Doch auch hier gibt es einen kleinen Haken: Der Betrieb eines Bluetooth-Headsets mit Skype oder der Fritz-App ist nicht möglich, da die App-Entwickler den Ton auf der falschen Schnittstelle ausgeben. Ob hier Abhilfe in Sicht ist, steht in den Sternen.

Praxis

Das Huawei MediaPad macht Spaß. Die Größe empfinde ich genau richtig, denn es ist groß genug, um auf dem scharfen Bildschirm alles erkennen zu können, aber klein genug, um länger in der Hand gehalten oder im Handgepäck unauffällig verstaut zu werden.

Verwirrend ist der Stromverbrauch: Bluetooth und GSM/UMTS entpuppen sich hier als wahre Stromfresser, die auch im Standby vom Leistungsvorrat zehren. Das ist insbesondere deshalb ärgerlich, weil ein Tablet-PC ja nicht wie ein Handy ständig in Empfangsbereitschaft sein muss. Hier offenbaren sich die konzeptionellen Schwächen des Android-Systems in der Tablet-Welt.

Abhilfe schafft hier nur, das Mobilfunkmodul abzuschalten. Dummerweise fehlt Android dazu der Schalter. WLAN und Bluetooth kann man separat umschalten. Allerdings gibt es noch den Flugmodus, der allerings alle Funkmodule auf einen Schlag abschalten. Mit der App „Airplane Mode Modifier“ kann man jedoch konfigurieren, welche Module vom Flugmodus-Umschalter betroffen sein sollen. Schaltet man hier alles bis auf das GSM/UMTS-Modul aus, dann funktioniert der Airplane-Modus als reiner Schalter fürs Mobilfunkmodul. Na, warum denn nicht gleich so?

Verwirrung herrscht auch bezüglich der Speicherverwaltung: Das Mediapad verfügt über ein wenig Telefonspeicher, einen 8 GB großen internen Flash-Speicher und einem microSD-Slot. Im Auslieferungszustand ist als „Primärspeicher“ der Telefonspeicher eingestellt. Das führt dazu, dass der interne Flash als „SDCARD“ angezeigt wird. Die microSD-Karte als „SDCARD2“. Soll das jemand verstehen? Die Anwendungen werden dann auch in den Telefonspeicher installiert, was ziemlich unsinnig ist. Man muss erst den Primärspeicher auf „SDCARD“ umstellen. Dann landen die Apps standardmäßig auf den internen Flash und lassen sich manuell auf die (echte) SD-Karte verschieben.

Von diesen Ungereimtheiten mal abgesehen macht das alles ansonsten einen ziemlich soliden Eindruck. Die Benutzeroberfläche reagiert flüssig, nur selten stockt es mal, wenn viel zu tun ist. Die 1 GB RAM sorgen auch dafür, dass zumindest ein paar der letzten Anwendungen noch im Speicher bleiben können, bevor sie rausgekegelt werden. Die Auto-Magie dahinter muss man eigentlich auch nicht verstehen. Klar ist mir nur, dass man Anwendungen nicht beenden muss. Sie werden irgendwann einfach entladen — und weg sind sie. Beim nächsten Start stellen sie (meisten) ihren vorherigen Zustand wieder her.

Fazit

Der Kauf hat sich gelohnt. Ich bin mit dem Mediapad zufrieden, auch wenn Android hier und da ein paar Macken aus meiner Sicht hat. Das Gerät hat sich bei mir im Alltag als schnell verfügbares Surf- und Kommunikationstablett bewährt. Wenn jetzt noch der Bug mit Skype behoben wird, wäre ich völlig zufrieden.

Huawei MediaPad

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