Harmony Touch

Universalfernbedienung mit Smartphone-Feeling

Jeder kennt das: Viele Geräte – viele Fernbedienungen. Abhilfe schaffen hier schon seit längerem Universalfernbedienungen, die die Funktionen von mehreren Geräten steuern können sollen. Das funktioniert mal besser mal schlechter, insbesondere wenn mehrere Geräte gleichzeitig ein- und ausgeschaltet und im Verbund bedient werden sollen. Logitech hat mit der Harmony-Reihe hier schon seit längerem einige gute Produkte im Angebot. Die Harmony Touch bringt nun Smartphone-Feeling ins Wohnzimmer, neben einer Reihe von Standard-Tasten werden zusätzliche Funktionen über einen kapazitiven Touchscreen bereitgestellt.

Technik

Die Logitech Harmony Touch bricht mit dem Design der vorangegangenen Modelle, prominent in der Mitte prangt der Touchscreen als zentrales Bedienelement. Etwas unglücklich darüber positioniert sind die Wiedergabetasten zur Steuerung von Player-Funktionen. Unterhalb findet sich das obligatorische Steuerkreuz, umrahmt mit den typischen Tasten, die man für einen Fernseher oder Receiver benötigt – inklusive der vierfarbigen Knöpfe. Alle Tasten sind beleuchtet, schalten sich allerdings erst dann ein, wenn man eine Taste gedrückt oder den Touchscreen berührt hat. Ein Bewegungssensor hätte hier nochmals einen Komfortgewinn gebracht.

Die Fernbedienung liegt ausgesprochen gut in der Hand, da der Schwerpunkt im unteren Teil liegt, der angenehm rund geformt und mit einem aufgerauten Kunststoff überzogen ist, der ein textiles Gefühl vermittelt. Allerdings hat diese Form auch zum Nachteil, dass die Fernbedienung nicht flach auf dem Tisch liegen kann.

Betrieben wird die Logitech Harmony Touch mit einem fest verbauten Akku, der über die mitgelieferte Ladestation mit Strom versorgt wird. Zur Programmierung wird die Fernbedienung über einen Micro-USB-Anschluss mit dem Computer verbunden. Der benötigt dafür zwingend eine Internet-Verbindung, da die gesamte Konfiguration über den Web-Browser erfolgt. Unter Windows muss dieser Browser Silverlight unterstützen. Sind all diese Voraussetzung erfüllt, ist die Konfiguration fast ein Kinderspiel. Zunächst muss man sich mit einem eigenen Benutzerkonto anmelden, in dem alle Einstellungen auf dem Server von Logitech gespeichert werden. Danach erfolgt die Konfiguration dialogbasiert, d.h. dass man schrittweise nach den zu steuernden Geräten gefragt wird, wie sie miteinander in Verbindung stehen, welche Anschlüsse genutzt werden und diese sich beim Umschalten verhalten. Sofern man nichts außergewöhnliches im Wohnzimmer stehen hat, funktioniert dies ausgesprochen gut.

Spannend wird es immer dann, wenn sich in der gut gefüllten Datenbank von Logitech das eigene Gerät oder eine Funktion davon nicht finden lässt. Dann bietet die Fernbedienung die Möglichkeit, Fernbedienungsbefehle von der originalen Fernbedienung direkt zu erlernen. Das passiert so, wie das früher bei den lernfähigen Fernbedienungen schon war: Über einen Infrarot-Empfänger liest die Fernbedienung den ausgesendeten Code ein und speichert ihn in der Datenbank ab. Auf diese Weise lassen sich auch unbekannte Geräte weitestgehend problemlos einbinden.

Logitech war einer der ersten Hersteller von Universalfernbedienungen, der begriffen hat, dass man bestimmte „Aktionen“ immer wieder erledigen möchte, für die bestimmte Fernbedienungsschritte erforderlich sind. Wer zum Beispiel Fernsehen möchte, der schadet zunächst den Fernseher ein, dann den Satellitenreceiver und zuletzt den Verstärker. Diese Aktionen fassen die Harmony-Fernbedienungen zusammen und senden automatisch der Reihe nach die dazu benötigten Befehle ab. Besonders clever ist dabei, dass sich die Fernbedienung den letzten Zustand merkt. Wer den Fernseher auf diese Weise eingeschaltet hat, aber jetzt DVD schauen möchte, muss logischerweise weder Fernseher noch Verstärker einschalten, sondern nur den DVD-Player zusätzlich einschalten, den Satellitenreceiver abschalten und die Eingänge an Fernseher und Verstärker umstellen. Genau diese Aufgabe versteht die Harmony, indem sie von den Zuständen der Geräte nach der zuletzt aktivierten Aktion ausgeht. Das bedeutet natürlich, dass man zwischendurch nicht mit einer anderen Fernbedienung diesen Zustand verändern darf.

Genauso funktioniert übrigens auch die Aus-Taste der Harmony: Da die Fernbedienung „weiß“, welche Geräte eingeschaltet sind, bekommen auch nur die ein Signal zum Abschalten gesendet.

Nett sind auch die Favoriten: In einem eigenen Menü kann man sich kleine Icons für Fernsehsender ablegen. An dieser Stelle hat man fast vollständig das iPhone-Feeling. Einmal auf eines der kleinen Senderlogos getippt, schon beginnt das Umschaltkonzert und der gewünschte Sender ist eingestellt, wobei es egal ist, in welcher Action man sich gerade befand. Soll heißen: War man gerade beim DVD-schauen, dann wird zunächst die Aktion „Fernsehen“ aktiviert und zum gewünschten Sender umgeschaltet.

Praxis

Ich bin grundsätzlich skeptisch, was Dialog basierte Einstellungsmenüs mir an festen Wegen so vorgegeben. In der Regel fange ich schon nach kürzester Zeit an zu fluchen, weil das was ich tun will, einfach nicht funktioniert. Mit derselben Befürchtung bin ich auch an die Logitech Harmony Touch herangegangen. Aber ich muss sagen, ich wurde angenehm überrascht. Natürlich ist die eine oder andere Einstellung für „Profis“ etwas umständlich zu erreichen. Was bei früheren Harmony-Modellen bemängelt wurde, ist bei der Touch wieder möglich: Makros. Für Spezialaufgaben lassen sich nahezu beliebig Fernbedienungsbefehle nacheinander aufreihen und abspielen. Selbst an das Einfügen von Pausen und die Vorgabe der Geschwindigkeit wurde gedacht. Das gilt übrigens auch für die Makros die hinter den Aktionen liegen. Auch hier lässt sich vorgegeben, wie lange auf die Reaktion (insbesondere beim Einschalten) eines Geräts gewartet werden soll. Diese Einstellungen lassen sich sogar generell für ein Gerät einstellen und das sogar recht benutzerfreundlich.

Die Konfiguration von Fernseher, Verstärker, DVD-Player, Satellitenreceiver, Videorecorder (ja, hab ich wirklich!) und eines Mediaplayers war in überschaubarer Zeit erledigt. Selbst verständlich funktioniert auf Anhieb nicht alles richtig, aber ein Teil dieses Finetunings, wie zum Beispiel die Wahl des richtigen Eingangs oder die Veränderung der Pausen, lässt sich direkt an der Fernbedienung einstellen und wird beim nächsten Anschluss an den PC mit in das Profil übernommen.

Alles in allem würde ich sagen, dass mich die Konfiguration meines Technikparks netto ein bis zwei Stunden gekostet hat – eine Arbeit die sich rentiert, denn meine originalen Fernbedienungen hole ich jetzt nur noch im Notfall heraus, wenn ich zum Beispiel Senderlisten verändern möchte.

Nahezu alles, was man im normalen Fernsehalltag so benötigt, erledigt die Logitech Harmony Touch hervorragend. Der kapazitive Touchscreen reagiert angenehm empfindlich, so wie man es von einem modernen Smartphone auch gewohnt ist.

Es gibt natürlich auch das eine oder andere, was ich nicht optimal gelöst empfinde: So prangt in der Mitte des Touchscreen in der unteren Zeile ein ?-Symbol. Das dient dazu, immer dann wenn eines der Geräte auf einen neuen Befehl nicht sofort reagiert hat, den gewünschten Zustand nachträglich herbeizuführen. Das ist wirklich praktisch, jedoch brauche ich es so gut wie nie. Dennoch komme ich versehentlich regelmäßig auf dieses Symbol, da es echt unglücklich einen sehr prominenten Platz einnimmt. Auch ist es in meinen Augen nicht besonders optimal gelöst, zusätzliche Funktionen der einzelnen Geräte aufzurufen. Statt wie bei den Favoriten mehrere Symbole nebeneinander kopieren zu können, werden die Fernbedienungsbefehle untereinander zeilenweise angeboten, so dass man praktisch immer durchblättern muss, um die gewünschte Funktion zu finden. Immerhin kann man sich diese Liste sortieren, so dass die wichtigsten Funktionen direkt auf der ersten Seite angezeigt werden.

Auch hatte ich mit dem ersten Gerät Probleme, als ich nach einer Woche Urlaub zurückgekehrt bin und der Akku vollständig entladen war. Aus mir nicht erklärbaren Gründen, ließ sich die Fernbedienung nicht mehr aktivieren. Nach dem Auflade blieb sie in einer Endlosschleife hängen in der der Bildschirm nur flackert. Nach Reklamation erhielt ich ein neues Gerät, das ich problemlos innerhalb weniger Minuten wieder in Betrieb nehmen konnte – denn sämtliche Einstellungen sind online gespeichert und mussten nur auf die neue Fernbedienung übertragen werden. Ein Hoch auf Cloud!

Ein Wort noch zu der Akkuleistung: Enttäuschend. Nach nur wenigen Tagen ist der Akku leer. Allerdings hält mein Smartphone auch nur zwei Tage. Die Ladestation, in die die Logitech Harmony Touch aufrecht hineingestellt wird, hat seinen festen Platz in Griffweite. Sofern ich es nicht vergesse, wird die Fernbedienung einfach dort geparkt – das dürfte sicherlich auch die Frauen freuen, denn so ist alles hübsch aufgeräumt.

Fazit

Ich hatte früher mal eine Philips Pronto. Das war die erste Fernbedienung mit Touchscreen. Die Konfigurationsmöglichkeiten waren nahezu unendlich, jedoch verbrachte man Tage und Wochen damit. Die Logitech Harmony Touch ist nun die erste Universalferbedienung, die ich in den letzten Jahren in die Finger bekommen habe, die nun die Wünsche erfüllt, die meinen hohen Erwartungen entsprachen. Mit ein paar Einschränkungen kann ich leben, zumal die Software regelmäßig verbessert wird, wie man liest.

Logitech Harmony Touch

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  1. Harmony Ultimate – Noch mehr Fernbedienung | Der Technonaut

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