Garmin HUD

Head-Up-Display als Erweiterung fürs Navigationssystem

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Seinen Ursprung findet das Head-Up-Display, kurz HUD genannt, in Kampfjets: Die Piloten bekommen über einen halbdurchlässigen Spiegel Informationen zur Fluglage und dem Zielsystem direkt in ihr Sichtfeld eingeblendet, so dass sie im entscheidenden Moment den Blick nicht vom Feind abwenden müssen. Seit einigen Jahren werden vergleichbare HUD-Systeme auch für PKW angeboten: Anfangs nur in der Oberklasse, aber mittlerweile gegen Aufpreis auch im mittleren Segment. Auch wenn immer wieder vom Krieg auf deutschen Straßen berichtet wird, dient das HUD hier hauptsächlich zur Darstellung der Richtungsanweisungen des Navigationssystems und des Tachos.

Garmin möchte nun mit seinem HUD die Lücke für alle Autobesitzer schließen, die diesen Komfort in ihrem vorhandenen Fahrzeug genießen möchten. Denn ein nachträglicher Einbau seitens des Herstellers ist nicht möglich, da das HUD im Armaturenbrett eingebaut ist. Das Garmin HUD ist jedoch kein vollwertiges Navigationsgerät, sondern nur ein per Bluetooth mit der auf dem Smartphone laufenden Navi-App verbundenes Anzeigegerät.

Technik

Das Garmin HUD ähnelt zunächst einmal einem ganz gewöhnlichem Navigationssystem, das man sich per Saugnapf an die Scheibe pappt: Ein rechteckiges, schwarzes Kästchen mit einem Anzeigefeld. Es wird jedoch nicht an, sondern unter die Scheibe gelegt. Dazu verfügt das Gerät über einen flexiblen, breiten Fuß, der mit diesem klebrig-nass wirkenden Kunststoff versehen ist, den es auch in Form von kleinen Pads zu kaufen gibt, um sich damit Handy oder andere Utensilien am Armaturenbrett rutschfest zu befestigen. Der Fuß lässt sich leicht abwinkeln und verdrehen, zudem kann seine Platte leicht verbogen werden, um sich den jeweiligen Konturen des Untergrunds anzupassen.

Auf der Oberseite befindet sich ein Vakuum-Fluoreszenz-Display, dessen Spiegelbild das eigentliche HUD darstellt. VFDs fand man früher oft als Anzeigemodule in Stereoanlagen und Videorekordern. Diese Display-Art ist auf die Darstellung fester Symbole begrenzt, ist dafür jedoch besonders lichtstark, was der Grund dafür sein dürfte, warum sich Garmin dafür entschieden hat. Ein LCD oder OLED wäre vermutlich bei hellem Sonnenlicht nicht mehr ablesbar gewesen.

Diesen Vorteil erkauft man sich jedoch mit der Beschränkung auf feste Anzeigesegmente, aus denen man die gewünschten Symbole zusammensetzen muss. So zeigt das Garmin HUD auch nur die Richtungspfeile, den Spurassistenten, sowie Entfernung, Ankunftszeit, Geschwindigkeit und Tempolimit an. Eine Darstellung der Landkarte oder komplexer Kreuzungen ist nicht möglich.

HUDs in Flugzeugen oder den Oberklasselimousinen erzeugen ein Bild, das optisch mehrere Meter vor einem zu schweben scheint. Erreicht wird das dadurch, dass durch eine aufwändige Spiegeloptik der Strahlengang verlängert wird. Der Sinn dahinter ist einfach: Wie eine Kamera müssen auch die Augen abhängig von der Entfernung das Motiv scharf stellen. Wer ein Objekt in der Nähe betrachtet, sieht den Hintergrund unscharf und umgekehrt. Die professionelle HUD-Technik soll erreichen, dass man ohne umzufokussieren gleichzeitig die Umwelt und die Anzeige im Blickfeld hat.

Genau diesen genialen Gedanken kann das Garmin HUD nicht bieten, da ihm diese aufwändige und voluminöse Optik fehlt, die die Größe eines Schuhkartons hätte und daher auch in das Armaturenbrett eingebaut ist.

Geblieben ist letztlich, dass man sich die Anzeige ins Sichtfeld projizieren kann. Das geschieht wahlweise über einen halbtransparenten Spiegel, den man oben auf das Gerät aufsteckt, oder über eine Folie, die man sich von innen an die Scheibe klebt. In beiden Fällen schwebt das Bild dann – je nach bevorzugter Position – dann in Blickrichtung, allerdings ist ein Umfokussieren mit den Augen nötig. Blickt man in die Ferne durch das projizierte Bild hindurch, sieht man nur verschwommene Flecken.

Das Garmin HUD benötigt zwingend ein Smartphone, auf dem wahlweise die Navigationssoftware von Garmin, Navigon oder die HUD-App läuft, die im Grunde nur eine abgespeckte Version des Navigon Navigators darstellt. Mit dem Start der jeweiligen App baut das Smartphone per Bluetooth die Verbindung mit dem HUD auf. Ist keine Navigation gestartet, werden nur Himmelsrichtung und Geschwindigkeit angezeigt.

Praxis

Die Installation im Auto ist schnell erledigt: Gerät auspacken, von seinen gefühlt hundert Schutzfolien befreien und aufs Armaturenbrett legen. Spätestens jetzt muss man sich entscheiden, ob man den Aufsteckspiegel oder die Folie im Fenster nutzen möchte. Für den Test habe ich mich für den Spiegel entschieden, da hier die Positionierung variabel ist, ohne endgültig irgend etwas auf die Scheibe kleben zu müssen.

Die Koppelung mit dem Smartphone ist schnell erledigt und nicht komplizierter als bei einem beliebigen anderen Bluetooth-Gerät. Der Navigon-Software muss anschließend noch mitgeteilt werden, dass man nun ein HUD besitzt, mehr ist nicht zu tun. Mit dem nächsten Start der Navigon-App erhalte ich auch gleich den Hinweis, dass eine neue Firmware-Version für das HUD vorliegt, die man auch sogleich installieren kann. Fein, es wird also daran gearbeitet. Das ist schon mal ein vertrauenswürdiges Signal.

In Navigon selbst gibt es nicht viel einzustellen, lediglich die Helligkeit vom automatischen in den manuellen Modus. Ich wähle die Automatik, die auch während meines Tests leicht träge aber stets zuverlässig funktioniert. Bei strahlendem Sonnenschein ist die Anzeige noch erkennbar, bei Dunkelheit so stark gedimmt, dass sie nicht blendet.

Für jemanden, der sich an die Kartendarstellung zur besseren Orientierung auf komplexen Kreuzungen und Autobahnabfahrten gewöhnt hat, ist die reine Pfeildarstellung ein gewaltiger Rückschritt. Ohne regelmäßige Blicke aufs Smartphone-Display komme ich daher nicht aus. Auch die in meinen Augen sehr hilfreiche Errungenschaft, dass das Navi die Orte auf den Verkehrsschildern anzeigt, geht bei reiner Nutzung des HUD verloren. Ich merke zum ersten Mal, wie sehr ich mich an diese Dinge gewöhnt habe.

Gut ist hingegen, dass man die Geschwindigkeit und die (laut Navi-Karte) erlaubte Höchstgeschwindigkeit direkt im Blick hat, sowie die voraussichtliche Ankunftszeit und die Entfernung zur nächsten Richtungsänderung. Vor Geschwindigkeitsübertretung und vor Radarfallen wird (sofern in der Software aktiviert) auch mit jeweils einem eigenen Symbol gewarnt, so dass man hier entsprechend reagieren kann.

Mit den Richtungspfeilen habe ich meine Probleme. Zwar bilden sie letztlich alles ab, was auch auf dem Navi-Display in der kleinen Pfeilansicht dargestellt wird, aber nur damit navigieren kann ich insbesondere in der Stadt nicht. Gibt es zwei Straßen auf der rechten Seite, in die man abbiegen könnte, muss man sich bei den Pfeilsymbolen auf die exakte Entferungsangabe verlassen. Das Handydisplay hingegen zeigt klar an, ob man die erste oder zweite Einmündung nehmen muss.

Das HUD hat auch Symbole für Kreisverkehre, die an sich auch aussagekräftig sind. Doch während sich die Kartendarstellung mit dreht, bleibt das Kreisverkehrsymbol starr, und man muss sich an den Zeitpunkt des Einfahrens in den Kreisel zurück erinnern, in welcher Himmelsrichtung nun die Abfahrt war, die man nehmen müsste.

All das, so denke ist, ist reine Gewöhnungssache. Ich habe mich an die grafische Darstellung auf der Karte gewöhnt, so dass ich mit dieser schematischen nun meine Anfangsschwierigkeiten habe.

Allerdings bleibt es nicht nur bei der Darstellung, an der ich mich störe. Das Gerät vor mir auf dem Armaturenbrett bleibt ein Fremdkörper im Sichtfeld. Bei Sonnenschein spiegeln sich das Display und die Spiegelplatte in der Frontscheibe, was ich als störend empfinde. Alternative wäre hier, das HUD aus meinem unmittelbaren Sichtfeld zu rücken. Doch dann wäre der Sinn dahin.

Der Betrieb ohne Spiegelplatte gestaltet sich in meinem Wagen mit relativ flacher Frontscheibe zudem als schwierig. Um ungewollte Reflexe zu verhindern, ist das Display des HUD mit einer Folie versehen, die das Licht nur in eine Richtung abstrahlen lässt. Das bedeutet, dass der Spiegel exakt im 45°-Winkel zum Display stehen muss. Meine Frontscheibe ist jedoch deutlich flacher, was bedeutet, dass ich das HUD so weit kippen muss, dass dieser Winkel hergestellt wird.

Um das zu erreichen, ragt das Gerät dann so weit hoch, dass ich praktisch auch direkt darauf schauen könnte (wenn es die Displayfolie zulassen würde). Das führt das gesamte Prinzip ein wenig ad absurdum. Ich komme irgendwie zu dem Schluss, dass man auf den ganzen HUD-Quatsch hätte verzichten und daraus gleich ein kleines Display-Kästchen machen können, das man einfach in die Ecke der Frontscheibe stellt.

Die Firmware zeigt zudem auch noch ein paar Schwächen. Das fängt schon einmal damit an, dass das Gerät ohne Koppelung im Standby-Zustand vier dicke Stiche anzeigt. Wozu? Hätte ein kleines Pünktchen nicht gereicht? Hat man auf seinem Handy die Navi-Software nicht gestartet, glotzt man also auf die sinnlosen Striche.

Direkt nach dem Einschalten versucht sich das HUD mit dem Handy zu koppeln. Das kündigt es mit einer wahren Disco-Lichtshow an: Das Kreisel-Symbol rotiert und ein dicker Schriftzuf „PAIRING“ weist einen auf diesen Zustand hin. Zu allem Überfluss scheint zu diesem Zeitpunkt der Lichtsensor nicht aktiv zu sein, die Helligkeit des HUD ist auf Maximum. Das bedeutet, dass man in der Nacht mit diesem Las Vegas Konkurrenz machenden Aufmerksamkeitsstaubsauger in voller Helligkeit konfrontiert wird.

Das bringt mich zu ein paar praktischen Fragen: Das Gerät liegt gut sichtbar auf meinem Armaturenbrett und weist zudem mit dem Logo „GARMIN“ jeden Passanten deutlich darauf hin, dass hier etwas liegt, was von irgend einem Wert sein könnte. Sprich: Im draußen geparkten Auto würde ich das HUD nicht liegen lassen. Mit dem Aufsteckspiegel ist es jedoch recht sperrig, so dass man es nicht mal eben unterm Sitz oder im ohnehin immer leicht überfüllten Handschuhfach verschwinden lassen kann. Umklappen lässt sich der Spiegel nicht, man muss ihn mit Kraft (und Angst, dass die Clipse abbrechen) entfernen. Wohin damit dann, damit er nicht verkratzt? Irgendwie nicht durchdacht.

Nutzt man die Spiegelfolie auf der Scheibe, entfällt dieses Problem natürlich doch dann muss man jedesmal beim Einsteigen das Gerät wieder neu ausrichten, dass es genau unter der Folie sitzt.

Fazit

Eigentlich habe ich mir schon ein wenig denken können, dass ein solches HUD letztlich nur eine kleine Spielerei sein kann. Das Fokus-Problem war mir vorher bewusst, jedoch hat mich dann doch ein wenig überrascht, wie es letztlich an Kleinigkeiten scheitert. Gerade die unnötigen Schikanen im Standby-Modus und die Paarungs-Disco zwingen einen dazu, das Gerät zumindest immer brav am fummeligen Schalter oder durch Ziehen des Stecker auszuschalten.

Mein Urteil ist daher ernüchternd: Wenn die Firmware so weit verbessert wird, dass einen das Display im ungenutzten Zustand nicht blendet, wer mit der einfachen Pfeildarstellung zurecht kommt und wer sein Auto ohne Sorgen um Einbrüche abstellen kann, dann ist das Garmin HUD durchaus empfehlenswert. Die wichtigsten Daten immer im Blickfeld zu haben, stellt schon einen Komfortgewinn dar. Bei größeren Autos, die mehr Platz zwischen Fahrer und Frontscheibe haben, ist die Positionierung auch sicherlich deutlich einfacher.

Garmin 010-12024-00 HUD Head-Up Display Projection Navigationsgerät 

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