Gardena Micro-Drip-System

Automatische Bewässerung für Balkon und Garten

Ich mag es, wenn es um mich herum schön grün ist. Mangels eigenem Garten aber dank großzügiger Pflanzkübel auf der Terrasse habe ich mir meine eigene, kleine, grüne Oase geschaffen. Wenn da nicht das leidige Problem mit der Bewässerung wäre. Im Sommer jeden Tag mit vollen Gießkannen durchs Wohnzimmer schwappen – ohne mich. Dankenswerterweise lässt sich jedoch auch dies automatisieren, was mich nach einigen Experimenten letztlich zum Bewässerungssystem von Gardena geführt hat.

System

Gardena ist aus deutschen Gärten ja kaum wegzudenken. Die orange Gartenschlauchkupplung dürfte jeder kennen. Neben den klassischen Rasensprengern, die das Wasser großflächig verteilen, hat das Unternehmen jedoch auch ein Bewässerungssystem im Programm, das zielgerichtet mit einer Vielzahl an verschiedenen Schläuchen und Düsen das Wasser direkt zu den Pflanzen bringt.

Das Mittel der Wahl für die punktuelle Bewässerung nennt sich Micro Drip. Das Prinzip ist simpel: Statt mit dem dicken Strahl quer durchs Beet zu pflügen, tropft über einen längeren Zeitraum eine kleine Menge Wasser genau dorthin, wo es benötigt wird. In Gartenbaubetrieben findet diese Form der Bewässerung seit langem Verwendung, da sie sehr effizient und schonend ist. Der Nachteil ist jedoch, dass man ein vollständiges Rohrleitungssystem installieren muss, doch das zahlt sich aus.

Wie bei Gardena schon von den Gartenschläuchen üblich, verfügt das gesamte System über einheitliche Anschlüsse, so dass man letztlich einen großen Baukasten vor sich hat, mit dem man seinen individuellen Bedarf perfekt abdecken kann.

Bewässerungssteuerung

Kernstück des Systems ist der Bewässerungscomputer, eine Zeitschaltuhr für den Wasserhahn. Über ihn stellt man die Dauer und den Zeitpunkt ein, wann die Bewässerung laufen soll. Das Angebot der verschiedenen Modelle ist leider recht unüberschaubar, die Funktionsunterschiede zum Teil recht subtil. Hinzu kommt noch, dass mehrere Modellgenerationen im Handel sind, was die Sache nicht einfacher macht. Die Spanne reicht dabei vom einfachsten Modell mit reinen Zeitprogrammen für rund 30 Euro bis hin zum solarbetriebenen Computer mit Mehrzonensteuerung für über 100 Euro.

Allen gemein ist das Grundprinzip: Sie werden oben an den Wasserhahn geschraubt, unten kommt der Wasserschlauch zur Bewässerung dran. Gesteuert wird bei allen Geräten mindestens die Dauer eines einzelnen Bewässerungslaufs, sowie dessen Häufigkeit in modellabhängig wählbaren Intervallen von mehrmals täglich bis zu Tages- und Wochenrhythmen.

Eine Besonderheit gibt es nicht bei allen Modellen: Der Anschluss eines Feuchte- oder Regensensors, damit auch nur dann bewässert wird, wenn es wirklich nötig ist, was ich für eine äußerst sinnvolle Variante erachte.

Rohrsystem

Gardena Micro-Drip arbeitet mit einem Wasserdruck von 1,5 Bar in seinen Schläuchen und Leitungen, was durch einen entsprechenden Druckminderer hergestellt wird. Es stehen zwei Rohrstärken zur Verfügung: Der 13mm-Querschnitt ist für die grobe Verteilung zuständig, an die 4,6mm-Schläuche werden schließlich die verschiedenen Tropfdüsen angeschlossen und führen direkt zu den Pflanzen.

Für beide Querschnitte gibt es beliebige Kreuz- und T-Stücke, Winkel, Halterungen, usw., so dass man sein Leitungssystem beliebig komplex gestalten kann. Für kleine Anlagen kann man auf die Versorgungsleitungen mit größerem Querschnitt verzichten und direkt mit dem kleinen arbeiten. Das reduziert die Anzahl der Steckverbindungen und Kosten.

Tropfer

GardenaTropfBlume.jpgMittlerweile gibt es unzählige verschiedene Tropfdüsen für das Micro-Drip-System. Die einfachsten tun genau das, was der Name ursprünglich impliziert: sie tropfen. Und das mit einer definierten Wassermenge – die orangefarbigen Standard-Tropfer mit 2 Litern pro Stunde. Die grauen Tropfer lassen schon 4 Liter pro Stunde durch, und so geht es dann mit diversen anderen Modellen weiter. Es gibt verstellbare Tropfer, es gibt Zerstäuber und Spritzdüsen. Welche man nutzen möchte, hängt vom jeweiligen Einsatzgebiet ab.

Gemein haben alle diese Tropfer, dass sie über ein kleines Gewinde verfügen, mit dem sie sich entweder in ein spezielles T-Stück oder ans Ende des 4,3mm-Schlauchs eindrehen lassen – ziemlich pfiffig.

Die Standard-Tropfer haben zudem eine integrierte Reinigungsfunktion: Die Wassermenge wird innen durch eine kleine Kugel reguliert. Verschmutzt die Düse, drückt man bei eingeschalteter Bewässerung mit einer Kunststoffnadel in die Düse hinein, wodurch die Kugel herab gedrückt wird. Das Wasser schießt nun mit größerem Druck durch die Öffnung und spült das System – einfach und genial. Beim Betrieb an der Wasserleitung ist eine Reinigung jedoch praktisch nicht notwendig.

Wem die Montage der vielen Tropfer und Düsen zu mühsam ist, kann direkt zu einem Tropfschlauch greifen, den Gardena noch nicht allzu lange im Angebot hat. Hier sind alle direkt in den Schlauch alle 30cm kleine Tropfer integriert, die 2 Liter pro Stunde abgeben. Man muss praktisch nur den Schlauch durchs Beet oder den Kübel legen – fertig. Die Düsen sind selbstreinigend ausgelegt.

Aufbau

Die Anforderung ist bei mir klar: Ich habe eine Reihe Pflanzkübel, in denen sich Blumen, Sträucher und diverse Gemüsepflanzen befinden. All das soll regelmäßig mit Wasser versorgt werden, damit ich auch in meiner Abwesenheit davon ausgehen kann, dass hier nichts vertrocknet.

Schritt 1: Wasser

Die wichtigste Frage, die sich direkt am Anfang stellt: Wo kommt das Wasser her. Ich habe leider keinen Außenanschluss, also muss es irgendwie aus der Wohnung auf die Terrasse kommen. In meiner vorherigen Wohnung hatte ich die Möglichkeit, über einen nicht genutzten Rolladenkasten im Badezimmer einen Schlauch nach außen zu führen. In meiner jetzigen Wohnung musste ich dazu ein kleines Loch in den Fensterrahmen der Küche bohren, durch das ich den 4,3mm-Schlauch und das Kabel für den Feuchtigkeitssensor geführt habe. Der Wasseranschluss wird direkt unter der Spüle genutzt, dort befindet sich auch der Bewässerungscomputer.

Schritt 2: Rohre verlegen

Aufgrund der Aufstellung der Kübel kann ich alle in einer Reihe mit einem fortlaufenden Schlauch versorgen. Das minimiert den Aufwand mit den Steckverbindungen. Der 4,3mm-Schlauch ist recht stabil und lässt nur einen Biegeradius von rund 10 bis 15cm zu. Damit es dennoch halbwegs sauber aussieht und nicht überall die Schläuche abstehen, nutze ich die rechtwinkeligen Verbindungsstücke, um etwas besser um die Ecken zu kommen. Zur Befestigung der Schläuche bietet Gardena kleine Erdspieße an.

Die Schläuche werden auf die Verbindungsstücke mit sanfter Gewalt aufgeschoben. Eine kleine Feder hält mit einer Art Widerhaken den Schlauch fest und zieht sich bei Zug fester zu. Ich habe es bisher erst einmal erlebt, dass eine Verbindung sich geöffnet hat.

Schritt 3: Tropfer

Anfangs hatte ich noch aufwändig mit einzelnen Tropfern gearbeitet. Das bedeutet, dass man den Schlauch alle paar Zentimeter durchschneiden und einen Tropfer einsetzen muss. Da meine Kübel gleichmäßig bepflanzt sind, und die Versorgung jeder einzelnen Pflanze viel zu aufwändig wäre, greife ich daher zu dem bereits erwähnten Schlauch mit integrierten Tropfern, den ich dazu in Schlangenlinien durch die Kübel geführt und mit den Erdspießen fixiert habe.

Schritt 4: Bodenfeuchtesensor

Der Sensor ist ein Erdspieß mit einem leider recht sperrigen Kasten am oberen Ende, was wohl hauptsächlich dem Umstand geschuldet ist, dass er batteriebetrieben ist. An der unteren Spitze sind Öffnungen mit einem Filz, über den die Feuchtigkeit aufgenommen wird. Für die Erstinstallation soll man die Spitze daher direkt in Wasser tauchen, damit sich dieser Filz einmal vollsaugen kann. Anschließend wird der Spieß des Sensors eingegraben (nicht mit Gewalt eingesteckt!). Dabei muss sichergestellt werden, dass sich kein Hohlraum um die Spitze befindet. Nach wenigen Stunden hat sich das Feuchtigkeitsniveau angeglichen. Der Sensor kennt letztlich nur zwei Zustände: feucht und trocken – und meldet dies per Kabel an den Bewässerungscomputer. Über ein Stellrad an der Oberseite lässt sich die Schwelle einstellen, eine LED zeigt (nach Betätigung eines Tasters) den jeweiligen Zustand an.

Schritt 5: Programmierung

Ich habe mich für das Steuergerät Gardena SelectControl entschieden. Das ist eines der ersten Geräte im Angebot, das eine reine Steuerung auf Basis der Bodenfeuchte anbietet. Bei den bisherigen Modellen hat der Feuchtigkeitssensor letztlich nur den nächsten Bewässerungslauf komplett unterbunden. Zumindest laut Beschreibung soll das Modell SelectControl im Sensor-Modus nachts die Feuchtigkeit prüfen und so lange bewässern, bis die eingestellte Zeit oder die gewünschte Feuchtigkeit erreicht ist. Daher gibt es auch nicht viel an dem Gerät einzustellen: Nach dem Einschalten muss man nur Datum und Uhrzeit festlegen, und im Sensormodus die maximale Bewässerungsdauer in Minuten (1 bis 59).

Alternativ ließe sich auch ein fester Rhythmus vorgeben oder eines von drei vorgegebenen Programmen, das „typische“ Bewässerungsszenarien für Blumen, Gemüse oder Sträucher durchführt. Ein rein manueller Betrieb ist auch möglich, wobei man auch hier eine Maximalzeit vorgibt, was ich äußerst praktisch finde. Frühere Geräte hatten nur „an“ und „aus“, so dass man daran denken musste, das Wasser wieder abzustellen. So kann man direkt sagen: Wasser marsch für 10 Minuten! – und muss sich um nichts weiter kümmern.

Praxis

Wasserschleppen adé! Gerade an heißen Tagen kommt man ja kaum mit dem Gießen hinterer. Bei hochsommerlichen Temperaturen reicht ein Wochenende aus, um die Pflanzen nachhaltig zu schädigen. Das Bewässerungssystem sorgt für eine regelmäßige und gleichmäßige Versorgung – und das funktioniert auch erstaunlich gut. Wichtig bei Pflanzkübeln und Blumenkästen ist, dass sie über einen Ablauf verfügen. Die Wassermenge bzw. die Bewässerungsdauer stellt man dann so ein, dass unten gerade so etwas heraus läuft, wobei man hier beachten sollte, dass die Erde niemals vollständig ausgetrocknet ist. Also lieber häufige und kurze Intervalle einstellen.

Für mich ist das nicht die erste Bewässerungsanlage, die ich installiert habe. Meine ersten Gehversuche im Blumenkasten unternahm ich mit dem „Tropf Blumat“ – ein totaler Reinfall. Während die klassischen Blumat-Tonkegel sich als Urlaubsbewässerung von Topfpflanzen bewährt haben, versagten sie im Tropf-Blumat-System in meinen Blumenkästen auf ganzer Linie.

Also habe ich aufgerüstet zum Einsteiger-Set „Vollautomatische Blumenkastenbewässerung“ von Gardena, das über eine kleine Tauchpumpe verfügt und ein Regenfass oder dergleichen voraussetzt. Das war mein Einstieg in die Micro-Drip-Welt. Jedoch habe ich hier den Wasserbedarf der Blumen unterschätzt, denn das kleine Fass war schneller leer, als ich nachfüllen konnte, was letztlich auch wieder zur Wasserschlepperei führte. Auch musste ich feststellen, dass das Regenwasser immer wieder Verunreinigungen vom Dach enthielt, die die Funktionsfähigkeit der Tropfer beeinträchtigte. Widersinnigerweise führt eine Verschmutzung der Standard-Tropfer nicht etwa dazu, dass weniger Wasser durchfließt, sondern eher in einem dünnen Strahl hinaus schießt, bis man mit dem Reinigungswerkzeug diesem Spuk ein Ende bereitet hat.

Also kam die nächste Ausbaustufe mit einem an die Wasserleitung fest installierten Bewässerungscomputer nebst Bodenfeuchtesensor, von dem ich jedoch schnell feststellen musste, dass er für gewöhnliche Blumenkästen nicht geeignet ist, da die Durchfeuchtung hier nicht gleichmäßig genug zu sein schien.

Die Bastelorgie mit den einzelnen Tropfern, die zwischen kurz abgeschnittene Schlauchstücke gesetzt werden müssen, kann man sich dank der neuen Tropfrohre sparen. Das macht meiner Meinung nach auch den Großteil der angebotenen Tropfer und Düsen überflüssig, wenn man eher eine flächige Versorgung anstrebt. Für die punktuelle Bewässerung eignen sich die verstellbaren Tropf-Düsen am besten, da man hier recht fein einstellen kann, wieviel Wasser zur Pflanze kommen soll.

Fazit

Wer keine Lust auf die Wasserschlepperei hat, der sollte sich auf keine Experimente einlassen, sondern gleich zum Micro-Drip-System von Gardena greifen. Das Sortiment ist groß, die Verfügbarkeit bestens. Auch der Preis ist meiner Meinung nach nicht übertrieben, auch wenn sich natürlich der Kleinkram summiert.

Gardena bewirbt das System auch mit dem Argument, dass es wassersparend ist. Mir fehlt dazu die Vergleichsmöglichkeit, auch messe ich nicht den tatsächlichen Wasserverbrauch. Vom Prinzip her kann dies zutreffen, denn schließlich kann man die Tropfer so positionieren, dass sie zielgenau nur die einzelnen Pflanzen bewässern. Ob sich dieser Aufwand lohnt, muss jeder selbst entscheiden. Ein Vorteil, der nicht von der Hand zu weisen ist, besteht in jedem Fall in der langsamen Bewässerung. Man überschwemmt das Beet oder den Kübel nicht, das Wasser kann sich besser verteilen und ins Erdreich einziehen.

Der aktuell von mir eingesetzte Bewässerungscomputer hat ein eigenes Programm, das sich ausschließlich auf den Bodenfeuchtesensor verlässt und zudem nur nachts bewässert. Das soll angeblich effektiver sein. Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, ob das auch bei meinen Pflanzkübeln, die ja nur ein begrenztes Wasserreservoir haben, in dieser Form funktioniert und ob die Pflanzen auch bei extremer Hitze über den Tag kommen. Ich werde das jedenfalls genau beobachten.

Die wichtigsten Bausteine:



Gardena Bewässerungsuhr SelectControl 01885-20


Gardena 1361-20 Micro-Drip-System Tropfrohr oberirdisch – Set mit Druckminderer


Gardena 8343-20 Micro-Drip-System Reihentropfer


Gardena 8392-20 Micro-Drip-System Regulierbarer Reihentropfer


Gardena 1327-20 Micro-Drip-System Rohrhalter


Gardena 1350-20 Micro-Drip-System Verteilerrohr 4,6 mm


Gardena 1188-20 Bodenfeuchtesensor


Gesamtes Sortiment Gardena Micro-Drip

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