Dimmbare LED-Lampen für GU10-Sockel

Vier Modelle als Ersatz für Hochvolt-Halogenlampen im Vergleich

Vor nicht allzu langer Zeit waren Halogen-Spots der letzte Schrei im Bereich der Wohnungsbeleuchtung. Mit den kleinen Scheinwerferchen kann man gezielt Licht-Akzente setzen, durch die Halogen-Technik haben sie zudem eine höhere Lichtausbeute als herkömmliche Glühlampen. Zwar sind Halogen-Lampen (noch) nicht vom Glühlampenverbot betroffen, aber dennoch lohnt es sich, Gedanken um einen Ersatz zu machen. Also habe ich mich auf dem Markt umgesehen und verschiedene Modelle ausprobiert. Voraussetzung: Sie sollen mindestens so viel Licht wie die vorhandenen 50-Watt-Spots abgeben und zudem dimmbar sein.

Technik

LEDs arbeiten mit niedrigen Spannungen. Das bedeutet, dass bei einer an 230V betriebenen Lampe ein Transformator nötig ist. Dank der Erfindung es elektronischen Schaltnetzteils sind diese glücklicherweise mittlerweile so klein, dass sie komplett im Lampensockel Platz finden. Wollte man nun die Helligkeit regeln, würde man das normalerweise dann über ein entsprechendes Regelsystem in diesem Netzteil vornehmen. Aber dummerweise befindet sich in den Hausverkabelungen der Regler vor dem Netzteil, nicht darin. Also wird der Lampe bereits der „gedimmte Strom“ angeliefert, und das Netzteil muss sehen, wie es damit fertig wird. Zu allem Überfluss gibt es dann auch noch zwei unterschiedliche Arten von Dimmern, die Phasenan– und –abschnittsdimmer, die eigentlich für induktive (Glühlampen und herkömmliche Transformatoren) und für kapazitive Lasten (elektronische Transformatoren) gedacht sind. Ohne hier zu sehr ins Detail gehen zu wollen, es ist kompliziert.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich eine LED nicht so einfach durch „mehr oder weniger Strom“ auch heller und dunkler regeln lässt, da eine LED immer eine bestimmte Mindesthelligkeit abgibt. Also muss man hier mit einem hochfrequenten Flimmern – also schnelles Ein- und Ausschalten – dafür sorgen, dass die Lampe heller und dunkler wird. Die Elektronik in der dimmbaren LED muss also dafür sorgen, dass der „gedimmte Strom“ aus der Leitung in die Lichtpulse umgesetzt wird, die die LED in der gewünschten Helligkeit erscheinen lässt. Ufff. Wären wir doch nur bei den Glühlampen geblieben.

Beim Kauf einer dimmbaren LED hat man also nicht nur das Problem, dass die Form, die Helligkeit und die Lichtfarbe stimmt. Es kommt noch hinzu, dass ihre Elektronik mit dem genutzten Dimmer zurecht kommt.

Alle elektronisch gesteuerten, dimmbaren Lampen haben eines gemein: Sie können nicht stufenlos bis zum vollständigen Erlöschen geregelt werden. Es gibt bei allen dieser Lampen eine minimale Helligkeitsstufe, die sie nicht unterschreiten können, sondern statt dessen komplett ausschalten.

Praxis

Zum Vergleich habe ich mir LED-Spots von OSRAM, SEBSON, Lighting Ever und Auraglow besorgt. Alle Lampen bewegen sich im Preisbereich um 10 Euro pro Stück. Beworben werden alle mit Wattzahlen um 5 Watt, was einer Lichtausbeute einer 50-Watt-Halogenlampe entsprechen soll. Die Lichtfarbe ist mit „warm“ angegeben und alle Modelle sind dimmbar. Bis auf das Modell von SEBSON handelt es sich bei allen um Spots, die einen mehr oder weniger gebündelten Lichtkegel werfen sollen.

Betrieben werden sie in einer dreiflammigen Deckenleuchte, in die PAR16-Spots mit GU10-Fassung eingesetzt werden – also die klassischen Hochvolt-Halogenspots. Hier kommt es also auch noch auf die Bauform an, die möglichst nah am Halogen-Original liegen muss. Als Dimmer wird ein elektronisches Gerät von Intertechno eingesetzt, das explizit zum Betrieb mit LED- und Energiesparlampen vorgesehen ist.

Alle Lampen im Testfeld haben sich problemlos in die Leuchte einsetzen lassen, die Maße stimmen also. Auch gab es bei keiner unangenehmes Filmmern und Flackern am Dimmer – das ist auch schon mal ein gutes Zeichen. Aber nun zu den eigentlichen Unterschieden:

OSRAM LED Superstar PAR16 advanced 5,3W

superstarBei meinem ersten Versuch greife ich gleich zu einem vermeintlichen Top-Modell. OSRAM hat sich nicht nur bei der Entwicklung der modernen Glühlampe vor 110 Jahren einen Namen gemacht, sondern war auch das Unternehmen, das die erste weiße LED vorgestellt hat. Also sollte man hier eine gewisse Kompetenz erwarten.

Der Plastik-Leuchtenkörper der PAR16-Strahler wirkt reichlich schmucklos. Sie sind mit fünf einzelnen LED-Chips bestückt und sollen einen Abstrahlwinkel von rund 36° haben. Die Passform ist gut, nur sehen sie in Leuchten, in denen sie offen stehen, nicht besonders hübsch aus.

Die Lichtfarbe kommt für meinen Geschmack nicht vollständig an die der Halogen-Lampen heran, würde ich jedoch als gut bezeichnen. Auch die Maximalhelligkeit stimmt mit den angegebenen 50 Watt Äquivalent überein.

Enttäuschend ist hingegen die Dimmfähigkeit. Die minimale Helligkeit ist für meinen Geschmack nicht dunkel genug, und beim Hochregeln gibt es ein seltsames Verhalten: Denn bei Erreichen der maximalen Helligkeit gibt es eine sichtbare Stufe von „leicht gedimmt“ zu „ungedimmt“. Hinzu kommt noch, dass diese Stufe leicht verzögert erreicht wird – und das bei allen drei Lampen unterschiedlich. Wenn ich also den Dimmer langsam nach oben regle, dann gibt es einen Punkt, wo die Lampen abrupt auf die hellste Stufe umspringen, aber nicht gleichzeitig. In der Praxis bedeutet das, dass man ein wildes auf- und abflammen hat, wenn man versucht, eine gewünschte Helligkeit einzustellen. Gleiches gilt für die untere Schwelle: Die Lampen schalten sich unterschiedlich ein und aus, so dass man seine Mühe hat, sie auf ein niedriges Level einzupegeln.

Produktlink: OSRAM LED Superstar PAR16 5,3W

Auraglow 5W COB LED

auraglowDer Lampenkörper der Lampen des Herstellers Auraglow ist in komplett weißem Kunststoff gehalten. Der Spot besteht nur aus einem zentralen LED-Chip, die Streuscheibe soll das Licht entsprechend lenken.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Diese Lampen sind bei mir sofort ausgeschieden. Denn sie erreichten nicht einmal ansatzweise die von mir gewünschte und beworbene Helligkeit einer 50W-Lampe. Die Lichtfarbe war in Ordnung, aber aufgrund der deutlich geringeren Lichtausbeute ist sie aus dem Rennen. Immerhin gibt die Dimmbarkeit keinen Grund zur Beanstandung, die Lampen lassen sich ohne sichtbare Stufen bis zu einer angenehm schummrigen Minimalhelligkeit herunter regeln.

Produktlink: Auraglow 5W COB LED

SEBSON Dimmbare GU10 LED Lampe 5,5W

sebsondimDie Lampen von SEBSON haben gegenüber den übrigen Spots eine Besonderheit: Sie sind keine. Der Abstrahlwinkel beträgt bei diesem Modell 110°, sie sind also bestens geeignet, einen Raum gleichmäßig auszuleuchten. Ich habe (nicht dimmbare) Lampen von SEBSON bereits im Flur und der Küche im Einsatz und begrüße das sanfte, breit gestreute und dadurch schattenarme Licht. Die SEBSON-Lampen haben im Gegensatz zu den anderen Spots ein Cluster aus vielen einzelnen SMD-LED-Chips, wie man auf dem Bild auch gut erkennen kann. Dadurch wird die gleichmäßige Ausleuchtung erreicht.

Im Wohnbereich hat mir das jedoch nicht so sehr zugesagt, wie ich gleich vorweg schicken möchte. Aber das k.o.-Kriterium war letztlich die Lichtfarbe: Es wirkt einfach ungemütlich, es wirkt für meinen Geschmack etwas zu kühl, bzw. geht ein wenig ins grünliche hinein. Das ist zugegebermaßen minimal, aber wenn man den direkten Vergleich hat, dann gibt es ein Licht, das einem angenehmer, eins das einem unangenehmer erscheint.

Die Dimmfähigkeit der SEBSON-Lampe gab auch hier keinen Anlass zur Kritik, die Minimalhelligkeit war sehr niedrig.

Produktlink: SEBSON Dimmbare GU10 LED Lampe 5,5W

Lighting EVER  5 Watt dimmbare GU10 LED

LE5w-gu10Die Spots von Lighting EVER sind aus einem silbernen Kunststoff gefertigt, der mit angedeuteten Kühlrippen verziert ist. Das ist Geschmackssache, aber passt verblüffend gut in meine Leuchte. Hinter der Streuscheibe sitzen drei LED-Chips, die ihr Licht wie die anderen Spots im Bereich von rund 30 bis 40° bündeln.

Die Lichtfarbe ist brillant. Es ist der einzige LED-Spot in meinem Testfeld, der meiner Meinung nach 100% an das Licht der Halogen-Spots heran kommt – zumindest im ungedimmten Zustand. Dreht man bei Halogen-Lampen den Dimmer herunter, werden sie leicht rötlich. Das kann auch der LED-Spot von Lighting EVER nicht imitieren, er bleibt bei seiner Farbe. Die Gesamthelligkeit übertrifft meiner Meinung nach sogar die meiner 50W-Halogenspots.

Auch die Dimmbarkeit ist ausgezeichnet: Keine Stufen, kein Flackern. Die untere Schwelle liegt leicht über denen von SEBSON und Auraglow, ist aber immer noch niedrig genug, um sie als dezente Schummerbeleuchtung durchgehen zu lassen.

Produktlink: Lighting EVER  5 Watt dimmbare GU10 LED

Fazit

Mein persönlicher Testsieger steht fest: Lighting EVER, da sie in puncto Helligkeit, Lichtfarbe und Design meinen Vorstellung eines guten Ersatzes für meine Hochvolt-Halogenlampen am nächsten kommen. Auf eine LED-Lampe, die die sich beim Dimmen ändernde Lichtfarbe imitiert, wird man wohl noch ein wenig warten müssen, obgleich diesbezüglich schon einiges angekündigt wurde.

UPDATE

Unterdessen hat sich viel getan auf dem Markt. Meine derzeitigen Favoriten für die Raumbeleuchtung sind die „WarmGlow“-LEDs von Philips, die beim Dimmen die Farbtemperatur verändern, um dem Eindruck einer Halogen-Glühlampe noch näher zu kommen. Hier geht’s zum Test.

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  1. Philips WarmGlow – Dimmbare LEDs als echter Halogen-Ersatz – Der Technonaut

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