Archos G9

ein Reinfall

Tja, voller Erwartung habe ich die Ankündigung des Tablet-Rechners „Archos G9“ gelesen. Bei einem Bekannten hatte ich zuvor das Vorgängermodell in den Händen und war angenehm überrascht. Nach langer Wartezeit habe ich nun mein Archos G9 bekommen – und bin enttäuscht. Aber der Reihe nach:

Austattung

Von den technischen Daten her lässt das Archos G9 eigentlich kaum Wünsche offen. Es ist mit einem Dualprozessor mit 1,2 GHz ausgestattet, bietet ein handliches 8-Zoll-Display mit kapazitiven Touchscreen, hat 16 GB internen Speicher, der sich per microSD erweitern lässt.

Hinzu kommt noch ein USB-Anschluss, der auch Host-fähig ist, sowie ein recht pfiffiger Erweiterungsslot in Form eines USB-Stick-Einschubs für ein UMTS-Modem. Als Betriebssystem kommt das gerade noch aktuelle Andoid 3.2 Honeycomb zum Einsatz, das speziell für Tablets herausgegeben wurde.

Als kleinen Gimmick kann man den metallverstärkten Plastikstummel auf der Rückseite ansehen, mit dem sich das Tablet leicht schräg aufstellen kann. Zum einen taugt es in der Position gut als Medienplayer, zum anderen unter Zuhilfenahme einer Bluetooth-Tastatur als Notebook-Ersatz.

Verarbeitung

Schon beim Auspacken merkt man schnell, warum dieses Gerät nur 280 Euro kostet. Es ist ein nicht besonders sorgfältig gefertigtes Stück Plastik, dem jeder auch noch so kleine Reiz fehlt. Das Display ist nur mit einer Kunststoff-Oberfläche statt Glas versehen, die zudem Fingerabdrücke sammelt wie ein Teenager Knutschflecke. Die Spaltmaße des Gehäuses sind auf dem Niveau eines billigen China-Radioweckers, der microSD-Einschub ist nicht mehr als ein unmotivierter Schlitz an der Seite. Der Einschaltknopf und Lautstärkeregler ist ein Stück Plastik desselben Materials und Farbe wie das übrige Gehäuse.

Richtig schlimm wird es, wenn man das Gerät in den Händen hält: Denn wenn man die Rückseite an ein paar bestimmten Stellen berührt, verfärbt sich das Display.

Bedienung

Die Bedienung und und das Handling des Systems selbst ist auf dem Niveau vergleichbarer Honeycomb-Geräte. In den meisten Fällen reagiert das Archos flüssig, allerdings machen die bei kapazitiven Bildschirmen so essentitell wichtigen Wischgesten keinen Spaß, da die Plastik-Displayscheibe den Finger zu stark abbremsen. Hier offenbaren sich dann auch letztlich die Schwächen des Android-Systems, denn um ans Ende oder den Anfang einer Web-Site zu scrollen, muss man sich auf dem Bildschirm einen Wolf schrubben. Letzteres ist besonders lästig, da die URL-Zeile nur dann sichtbar ist, wenn die angezeigte Seite am oberen Anfang steht.

Überhaupt habe ich so meine Probleme, mich mit dem Android-System anzufreunden – zu undurchsichtig erscheint mir das Multitasking-Konzept. Zwar lassen sich mehrere Anwendungen parallel öffnen, doch weiß man nicht, ob sie wirklich offen bleiben oder nur beim Umschalten neu gestartet werden. Beim Browser wird das besonders deutlich: Schreibt man in ein Online-Formular einen Text, wechselt dann die Anwendung, um etwas nachzusehen, dann wird beim Zurückschalten auf den Browser die Seite neu geladen – und der angefangene Text ist weg. Multitasking geht anders.

Es gibt Anwendungen, die im Hintergrund arbeiten können, wie z.B. Mail-Programm, Skype, usw. Doch auch hier fragt man sich: Laufen sie? Und noch viel schlimmer: Wie kann man sie beenden. Kein Witz: Ich habe keine Möglichkeit gefunden, Skype zu beenden. Die Anwendung selbst bietet dazu keine Schaltfläche, und wie man über irgendwas vergleichbares zu einem Taskmanager das Programm schließen kann, habe ich noch nicht entdeckt. Davon, das Programm überhaupt aus dem Autostart zu nehmen, will ich erst gar nicht anfangen.

Am meisten enttäuscht bin ich vom Standby-System, wobei ich jetzt nicht sagen kann, ob das ein Android-Problem oder das des Archos ist. Das Gerät unterscheidet wie ein PC zwischen „Aus“ und Standby. Schaltet man es aus, dann muss man nach dem Einschalten eine nicht unerhebliche Bootphase über sich ergehen lassen. Setzt man es nur in den Standby, dann zieht es weiterhin ordentlich Strom, bongelt eifrig bei eingehenden Mails und schwenkt dann schließlich nach einem Tag die weiße Fahne, weil der Akku leer ist. Muss das so sein? Ist das gewollt?

Ich könnte die Liste noch lange fortsetzen, hauptsächlich gibt es Kritik an den Anwendung und an der seltsamen bis unlogischen Bedienung des Android-Systems.

Fazit

Mein Abenteuer Archos G9 wird ein jähes Ende durch Rücksendung finden. Zwar hätte mir klar sein müssen, dass man für 280 Euro nicht viel erwarten kann, doch dass es so wenig ist, hätte ich mir nicht gedacht. Vor allem die miese Verarbeitung, der billig wirkende, aufgeklebte Rahmen um den Bildschirm, die Drucksensitivität des Gehäuses und letztlich die enttäuschende Usability haben mich dazu veranlasst.

Hoffen wir mal, dass Android 4.0 Besserung bringt — und dass neue Geräte zu attraktiven Preisen auf den Markt kommen. Wer weiß, vielleicht wird das nächste ja doch ein Windows-8-Tablet.

Wenn Sie fortfahren, die Web-Site zu nutzen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Zurück