Revolights

Das Rad neu erfunden, nur mit Licht.

So oder so ähnlich muss sich der Dialog zugetragen haben: „Hey, warum kann ich kein Fahrradlicht an meinen Rädern befestigen?“ – „Ei, weil die sich doch drehen.“ – „Da muss sich doch was machen lassen!“. Über Crowdsourcing werden ja die skurrilsten Dinge finanziert. Bei diesem hier muss man sich wirklich ein wenig am Kopf kratzen und ganz ruhig nach dem Sinn fragen. Aber der Reihe nach.

Revolights ist ein revolutionäres Beleuchtungskonzept für Fahrräder. Statt eines fest installierten Scheinwerfers und Rücklichts gibt es in der Felge einen Kranz, in dem sich mehrere LEDs befinden – also zwei Kränze, denn um nach vorn leuchten zu können, müssen die LEDs ja links und rechts um den Reifen herum scheinen können. Per elektronischer Steuerung werden dann nur die LEDs jeweils eingeschaltet, die jeweils nach vorn bzw. hinten zeigen. Somit hat in dem sich drehenden Rad ein stehendes Leuchtband.

Die dahinter stehende Technik ist nicht neu. Schon seit zig Jahren gibt es kleine Ventilatoren, die mittels einer LED-Leiste am Rotor ein stehendes Muster oder eine Laufschrift projizieren. Für Fahrräder gibt es ähnliche Module, die man in die Speichen klemmt und beim Fahren dann ebenfalls Muster aus farbigem Licht schreiben. Das ist durchaus witzig, der Alltagsnutzen hält sich jedoch in Grenzen, wie übrigens auch die Zulassung für den öffentlichen Straßenverkehr.

Zumindest den Teil mit dem Nutzen möchte Revolights nun verbessern, indem auf Basis dieser Technik eine Fahrradbeleuchtung realisiert wird: Ein Licht im Rad, mit dem man dann auch tatsächlich etwas auf der Straße sehen kann bzw. gesehen wird. Super.

So begeistert man über die clevere Umsetzung auch sein mag, aber bitte seien wir doch mal ehrlich: Hier wird mit maximalem technischen Aufwand ein Problem zu lösen versucht, das es überhaupt nicht gibt. Wozu eine komplizierte Steuerung, die im richtigen Moment die richtigen LEDs ein- und ausschaltet, wenn man doch einfach einen Scheinwerfer und ein Rücklicht fest vorn und hinten anbringen kann? Moderne LED-Scheinwerfer haben zudem noch den charmanten Vorteil, dass sie ein weites Feld ausleuchten können, wozu sie selbstverständlich halbwegs vernünftig ausgerichtet sein müssen.

Hinzu kommt noch, dass die Revolights systembedingt nur per Akku betrieben werden können, da ein Anschluss an den Fahrraddynamo aus dem sich drehenden Rad nicht möglich ist. Man hat also im Rad zum einen den Leuchtkranz montiert und zusätzlich noch ein Akkupack hängen. Der Leuchtkranz ist zudem der unmittelbaren Belastung des Rads ausgesetzt: Stöße, Schmutz und Kontakt mit Bordstein oder anderer Feindberührung.

Gesteuert wird das Lauflicht übrigens – völlig überraschend – über eine Smartphone-App. Seit kurzem bietet das System auch die Möglichkeit, es als Blinker zu nutzen. Dabei blinkt dann das Hinterrad jeweils auf einer Seite, ausgelöst selbstverständlich per Wischgeste auf dem Handy-Bildschirm.

Fazit

Fassen wir zusammen: Für rund 150 Euro bekommt man hier ein Beleuchtungssystem, das ein triviales Problem auf möglichst komplizierte Weise löst, dabei von der Leistung her nicht an die konventionellen Systeme heran reicht und zudem noch etliche Nachteile mit sich bringt. Für 150 Euro bekommt man übrigens auch ein Paket einem hervorragenden Fahrradscheinwerfer, Rücklicht und Speichenreflektoren, das zusammen auch völlig ohne Smartphone funktioniert. Dann ist man zwar nicht der Held vom urbanen Erdbeerfeld, aber dafür kann man sehen, wird gesehen und muss keine komplizierte und empfindliche Technik bei sowas einfachem wie Radfahren mit herum schleppen.

Infos: Revolights.com

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