Lautsprecher-Irrtümer

Die wundersamen Versuche der Schallvermehrung

sycline / Pixabay

Die Zeiten, als die coolen Jungs noch mit bierkastengroßen Ghetto-Blastern durch die Straßen liefen und die Umwelt an ihrem Musikgeschmack teilhaben ließen, sind lange vorbei. Der Walkman brachte eine wundervolle Revolution der Ruhe, denn so konnte der Musikliebhaber unterwegs seinem Hobby frönen, ohne nennenswert damit aufzufallen. So blieb es dann auch für eine gewisse Zeit, aus Walkman wurde iPod und schließlich das Smartphone.

Dennoch gibt es immer wieder Gelegenheiten, zu denen der eine oder andere nun doch seine Mitmenschen beschallen möchte – sei es im Freundeskreis, auf Partys oder als Akt der pubertären Selbstüberschätzung. Die in Smartphones verbauten Mini-Lautsprecherchen mit der Akustik einer zirpenden Grille eignen sich jedoch eher für Mückenvertreibungs-Apps, als zum halbwegs passablen Musikgenuss.

Das Problem dabei ist immer dasselbe: Schall ist in Schwingung versetzte Luft, tiefe Töne sind langsame Schwingungen, hohe Töne schnelle. Für langsame Schwingungen muss jedoch mehr Luft bewegt werden, als für schnelle. Damit wird schnell klar, warum es mit einem kleinen Lautsprecher so schwer ist, tiefe Töne wiederzugeben: Ihm fehlt einfach die Kraft und die Größe, um die dazu notwendigen Luftmassen in Bewegung versetzen zu können, denn ein Lautsprecher ist im Grunde nichts anderes als eine Luftpumpe.

Das führt direkt in ein Dilemma: Man möchte gerne kleine, tragbare Geräte bauen, aber Lautsprecher mit ausgewogenen Klangeigenschaften benötigen viel Platz. Um dieses Problem zu lösen, lassen sich pfiffige Erfinder immer wieder neues einfallen. Was dabei heraus kommt, ist teilweise bizarr bis völliger Nonens. Eine kleine Auswahl der absurdesten Erfindungen möchte ich hier einmal vorstellen:

Soundbug

soundbug
Soundbug, vertrieben von Olympia

Die Idee klingt verlockend: Statt eine riesige Lautsprechermembran zu verwenden, nutzt man einfach alles, was man um sich herum findet und in Schwingung versetzen kann. Herausgekommen ist ein kleiner Apparat mit einem Saugnapf, den man an eine glatte Oberfläche hängen kann, wie z.B. eine Fensterscheibe oder eine Tischplatte. In der Mitte des Saugnapfs befindet sich ein kleiner Stempel, der mit dem Treiber eines Lautsprechers verbunden ist. Der Stempel überträgt die Schwingungen direkt auf die Oberfläche, auf der er sitzt, und nutzt diese dann als riesengroße Lautsprechermembran.

Der Soundbug ist batteriebetrieben und hat, da er aus der Vor-Bluetooth-Ära stammt, nur ein Kabel zum Anschluss an den MP3-Player.

Das Ergebnis ist, um es höflich auszudrücken, schauderhaft. Da der Treiber die individuelle Charakteristik des Materials nicht berücksichtigen kann, das er in Schwingung versetzt, klingt es blechern, fade, hohl. Bässe werden kaum wiedergegeben, dazu fehlt dem System der notwendige Hub. Die besten Ergebnisse habe ich mit hohlen Tischplatten erzielen können, aber insgesamt ist das Gerät trotz des hohen Gadget-Faktors ein einziger Reinfall.

Playbulb

Playbulb
MiPow Playbulb

Als Anfang des 20. Jahrhunderts die Haushalte zunehmend elektrifiziert wurden, war diese neue Energiequelle zunächst erst einmal für die Beleuchtung vorgesehen. Steckdosen in jedem Zimmer, an die man beliebig Geräte anschließen konnte, gab es noch nicht. Darum war es seinerzeit durchaus üblich, für die ersten Elektrogeräte direkt die Lampenfassung als Stromquelle zu nutzen. Möglicherweise inspiriert durch diesen Retro-Gedanken muss die Playbulb entstanden sein: Eine LED-Lampe mit integriertem Bluetooth-Lautsprecher. Die Deckenlampe befindet sich meistens mitten im Zimmer und hat zudem auch noch einen Lampenschirm, der als Schalltrichter dient. Rund strahlende und von der Decke herab hängende Lautsprecher waren zudem in den 70ern durchaus im Mode, wer erinnert sich nicht an die legendären Audiorama von Grundig?

Im Gegensatz zu den Klassikern von Grundig, in denen ernstzunehmend große Lautsprecher verbaut waren, fehlt der Playbulb wie die meisten Spielsachen in der Größen- und Preisklasse jedoch auch das nötige Volumen, um einen brauchbaren Klang erzeugen zu können. Zudem hängt es – im wahrsten Sinne – auch hier wiederum von den umgebenden Materialien, in dem Fall dem Lampenschirm. Für rund 30 Euro ist die Playbulb bei Amazon erhältlich.

Cork Speaker

Cork Speaker
Cork Speaker

Der nächste Versuch, fehlenden Resonanzraum mittels Alltagsgegenständen zu kompensieren: der Cork Speaker. Hier setzt man das Lautsprecher-Modul einfach auf eine leere Flasche und nutzt somit die darin eingeschlossene Luft als voluminöser Klangkörper. Das Gerät wird derzeit per Kickstarter-Kampagne finanziert.

Das Gerät ist klein und handlich und verspricht einen vollen Sound bei jeder Gelegenheit. Es wird je nach Durchmesser des Flaschenhalses wahlweise in oder über die Flasche gestülpt. Das Verbindungsstück mit Silikondichtung ist abnehmbar und lässt sich nach Gebrauch von Getränkeresten reinigen.

Der Spielzeugfaktor bei dieser Lösung ist natürlich enorm und dürfte bei jeder Party für das entsprechende Aufsehen sorgen. Da aber auch hier der Treiber nicht auf die individuellen Resonanzeigenschaften der jeweiligen Flasche eingehen kann, dürfte dich der Klang auch eher irgendwo zwischen Radiowecker und Dosentelefon bewegen. Immerhin: Da man die Flasche zunächst vorher ausleeren muss, dürfte es den wenigsten Zuhören nennenswert stören.

So wird’s gemacht…

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Bose Soundlink mit passiver Membran

Kleine Baugröße und großer Sound – ist das überhaupt möglich? Ja, ist es. Das setzt allerdings voraus, dass alle Komponenten des Lautsprechers fein aufeinander abgestimmt werden. Nur so kann ein ausgewogener Klang erzielt werden. Beispiele dafür gibt es viele, und sie alle setzen auf das klassische Prinzip der Klangerzeugung mittels großere Membranflächen, von denen man die genaue Charakteristik kennt.

Dabei wird insbesondere bei kleinen Lautsprecherboxen auch gerne mit passiven Membranen gearbeitet: Ein oder mehrere klassische Lautsprecher mit relativ kleiner Membran, aber großem Hub und kräftigen Treiber erzeugen dabei in dem luftdicht abgeschlossenen Gehäuse Über- und Unterdruck, der die zusätzlich eingebauten und ohne aktiven Treiber versehenen Membranen in Schwingung versetzt. So kann man den zur Verfügung stehenden Platz ideal ausnutzen, ohne auf riesige Lautsprecher angewiesen zu sein. Eine ausgefeilte Elektronik passt dabei die Schwingungen der Treiber so an, dass im Zusammenspiel mit dem gesamten Resonanzsystem am Ende der Klang beim Zuhörer ankommt, der gewünscht ist.

Seit auch die renommierten Hersteller das Geschäftsfeld der tragbaren Bluetooth-Lautsprecher für sich entdeckt haben, gibt es hier eine große Auswahl kleiner und zugleich leistungsfähige Geräte. Mit zu den besten, die es derzeit gibt, gehören die Soundlink-Modelle von Bose, die in meinen Augen derzeit das Maximum an Bass gegenüber Baugröße herausholen.

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